Mehr als ein heimeliges Familienfest

Sechs kurze Gedanken zu Weihnachten

Weihnachten ist mehr als ein heimeliges Familienfest. Die Geburt Jesu verlief sogar ziemlich ungemütlich. Und das Besondere am Fest erkennen wir erst, wenn wir uns von gewohnten Worten lösen. Dazu sechs kurze Gedanken.

Die letzten Tage vor Weihnachten sind in der Regel geprägt von viel Bewegung und Unruhe. Das zeigt auch das Foto oben mit der Krippe, die im Hauptbahnhof Münster aufgestellt wurde: Viele Menschen hasten vorbei, aber nur die wenigsten bleiben stehen. Keine Zeit! Unterwegs sein, auf dem Bahnsteig bei Regen und Wind auf die Ankunft des Zuges warten, im Auto im Stau stecken oder womöglich als Urlauber in diesen Tagen auf einem fernen Flughafen stranden: So ein Zustand kann höchst ungemütlich sein. Die Heilige Nacht, in der Jesus geboren wurde, war aber allerdings auch alles andere als gemütlich.

2. Die christliche Autorin Andrea Schwarz schreibt daher, Weihnachten sei eigentlich „ein ziemlich erbärmliches Fest, wenn man genau hinschaut“. Das begründet sie so: „Ein kleines Kind kommt in einem dreckigen Stall zur Welt, die Elternschaft scheint reichlich ungeklärt, und gleich nach der Geburt muss die Familie die Flucht ergreifen, um nicht umgebracht zu werden.“ Ja, Jesus war ein Flüchtlingskind – und Weihnachten anders als das kuschelige Familienfest, das „Leitkultur-Jahresevent“, wie es bei „Spiegel online“ genannt wurde.

Nicht in einem Fünf-Sterne-Hotel geboren

3. Jesus, der Sohn Gottes, der Erlöser der Welt, das sind Begriffe, die wir häufig gehört haben. Nicht oft genug kann man sich klar machen: Er wurde nicht in einer Klinik oder einem Fünf-Sterne-Hotel geboren, sondern im Stall. Das geschah vor mehr als 2000 Jahren im Schatten der Weltgeschichte, in einem entlegenen Winkel des Römischen Reiches. Jesus wuchs auf als Sohn eines Handwerkers. Die ersten, die von dieser ungewöhnlichen Geburt erfuhren, waren Hirten, eine damals wenig anerkannte Berufsgruppe.

4. Wenn man sich überlegt, was Weihnachten bedeutet, lautet die Kernbotschaft: Gott wird Mensch. Das ist eigentlich sensationell, völlig außergewöhnlich. Aber wir haben den Satz so oft gehört, alle Jahre wieder, dass es für unsere Ohren abgegriffen klingt. Jedenfalls nicht so sperrig wie die folgenden Schlagzeilen: „Bettler wird Bundeskanzler“, „Mädchen mit fünf Armen geboren“ oder „Atlantischer Ozean komplett ausgetrocknet“. Gott wird Mensch, weil er jeden Einzelnen von uns liebt: Das ist die viel ungewöhnlichere Nachricht. Gott hat seine Liebe nicht an Bedingungen, an „wenn“ und „aber“ geknüpft. Er zeigt sich solidarisch und nimmt uns mit unseren Fehlern so an, wie wir sind. Perfekt müssen wir nicht sein. Aber wir dürfen uns von der Botschaft Gottes bewegen lassen.

Der Wunschzettel des Geburtstagskindes

5. Wir beschenken uns an Weihnachten, weil Jesus Christus Geburtstag hat. Aber eigentlich müsste doch das Geburtstagskind einen Wunschzettel schreiben, oder? Aber wie sähe dieser Zettel an uns aus? Vielleicht stünde darauf als ein Wunsch, dass wir mit unseren nahen und fernen Mitmenschen teilen, was wir haben. Und dass wir liebe- und rücksichtsvoll mit ihnen umgehen.

6. „Das ist ja wie Weihnachten und Ostern gleichzeitig“ – so rufen wir aus, wenn wir etwas besonders Gutes erfahren haben. Weihnachten ist ein Fest der Freude oder sollte es zumindest sein. Erst fürchteten sich die Hirten, dann wurde ihnen – so steht es im zweiten Kapitel des Lukasevangeliums – Friede und Freude verkündigt. Wenn diese frohe Botschaft angekommen ist, wenn wir unser persönliches Navi darauf ausrichten, ist das Ziel von Weihnachten erreicht.