Thomas Schüller aus Münster contra Stephan Haering aus München

Segnung homosexueller Paare - Kirchenrechtler uneins

Die Chance für eine Segnung homosexueller Paare wird von katholischen Kirchenrechtlern unterschiedlich bewertet. Während der Münsteraner Professor Thomas Schüller regionalen Spielraum innerhalb der Weltkirche sieht, warnt sein Münchner Kollege Stephan Haering vor einem Zwiespalt zur kirchlichen Lehre.

In Interviews mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) äußern sich beide Kirchenrechtler zu einem Vorstoß des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode, der gefordert hatte, über eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare nachzudenken. Für Haering „eine einzelne Stimme in der Gesamtheit der Bischöfe“, für Schüller ein Beweis für einen Wandel auch in der Bischofskonferenz. Dass Bode als stellvertretender Vorsitzender und als Leiter der Pastoralkommission das Thema ins Gespräch bringt, zeige, „dass die Debatte ohne Angst möglich ist“. Damit sei ein Stein ins Rollen gekommen, meint Schüller.

Haering: Amtsträger riskieren Amtsverlust

Stephan HaeringStephan Haering ist Benediktiner der bayerischen Abtei Metten und Professor für Kirchenrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München. | Foto: Robert Sobkowicz/Nasz Dziennik

Haering betont indes, für eine Segnung homosexueller Paare sei eine grundlegende Änderung der Sexualmoral nötig. Zwar missbillige die Kirche die sexuelle Orientierung „schon heute ausdrücklich nicht“, wohl aber homosexuelle Handlungen. Zudem sei Sex außerhalb der Ehe ungeachtet der sexuellen Orientierung „als sittlich schlecht anzusehen“. Einen Segen gebe es auch für heterosexuelle Beziehungen ohne Trauschein nicht.

Auf lokaler Ebene möge es vorkommen, dass Priester „da und dort homosexuelle Beziehungen segnen“, räumte Haering ein. Das sei von der kirchlichen Lehre jedoch nicht gedeckt, Amtsträger hätten sich nach dem Kirchenrecht zu richten und riskierten „kirchliche Strafen bis hin zum Amtsverlust.

Schüller: Sex außerhalb der Ehe neu bewerten

Thomas SchüllerThomas Schüller ist Professor für Kirchenrecht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. | Foto: Jens Joest

Auch Schüller räumt das ein und sieht weitere Diskussionen über die Bewertung außerehelicher Sexualität. Auch müsse die Glaubenskongregation im Vatikan zunächst anerkennen, „dass homosexuelle Handlungen keine schwere Sünde sind“. Er sei zurückhaltend bei der Frage, ob und wann das geschieht, zumal es Regionen in der Weltkirche gebe, in denen Homosexualität noch stark geächtet sei, etwa in Afrika oder Asien. Dort sei an eine Segnung Homosexueller nicht zu denken.

Allerdings habe Papst Franziskus selber eine Dezentralisierung der katholischen Kirche gefordert, die lokalen Autoritäten mehr Verantwortung gebe. Das sei auch bei der Bewertung von Sexualität zu wünschen. „Die katholische Kirche hat schließlich lange genug über die Herzen und Betten der Gläubigen bestimmt“, sagte Schüller.