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Projekte des Cloppenburgers nahmen Liturgiereform des Konzils vorweg

Seiner Zeit voraus: Ludger Sunder-Plassmann hat fast 40 Kirchen gebaut

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Die Zahl beeindruckt: 39 Kirchen hat Ludger Sunder-Plassmann (1915-2000) im Lauf seiner Berufsjahre als Architekt neu geplant und gebaut oder erweitert. Zwar nicht ganz so viele wie sein Vater, der Münsteraner Dombaumeister Wilhelm Sunder-Plassmann (1866–1950). Der hatte es neben Krankenhäusern und Klöstern auf 65 Kirchen im nordwestdeutschen Raum gebracht. Und doch - imposant.

Seine Kirchen beeindrucken. Auch, weil der 1915 in Münster geborene Ludger Sunder-Plassmann mit seinen kurz nach dem Krieg entwickelten Entwürfen Ideen aufnimmt, die erst Jahre später im Zweiten Vatikanischen Konzil mit der Liturgiereform zu Grundsätzen werden. Zum Beispiel ein ins Zentrum der Gemeinde gerückter Altar oder mehr Teilhabe der Gemeinde an der Liturgie als Maßstab für Kirchenarchitektur.

Sodass der in Cloppenburg ansässige Architekt später sagen konnte: „Ich bin doch jetzt, 30 Jahre nach dem Konzil, glücklich darüber, dass es in keiner der geplanten Kirchen notwendig wurde, der Anweisung des Konzils durch Aufstellung eines zusätzlichen Stellaltares gerecht zu werden.“ Und es waren zahlreiche Projekte: von kleinen Kapellen bis zu mächtigen Garnisonskirchen, die auf seinem Reißbrett Form annahmen.

Das Geld war knapp – das half!

Das Bild aus dem neuen Buch über Ludger Sunder Plassmann zeigt den Architekten mit seiner Familie und entstand um 1950. | Foto: privat
Das Bild aus dem neuen Buch über Ludger Sunder- Plassmann zeigt den Architekten mit seiner Familie und entstand um 1950. | Foto: privat

In einem neu erschienen Überblick über seine Bauten in den Jahren zwischen 1948 und 1980 lässt sich dieser Weg des Mannes jetzt nachvollziehen, der neben der Architektur auch Kunst studierte. Wie er den Raum, das Kircheninnere neu zu gestalten versuchte, wie er mit neuen Formen und Materialien experimentierte – und neue Wege ging.

Besonders zahlreich dabei: seine Entwürfe kleiner Kirchen und Kapellen für die aus Schlesien vertriebenen Katholiken, die im Norden des Oldenburger Landes eine neue Heimat fanden. 1994 beschrieb Sunder-Plassmann die Herausforderung: „Kosten dürfen diese Vertriebenen-Kirchlein fast nichts, aber aussehen wie eine Baracke dürfen sie auch nicht!“

Eine neue Kirche für 79.000 Mark

Die Christkönig-Kirche in Cloppenburg enstand 1962 als Hauskapelle des damaligen bischöflichen Konvikts Jugendburg St. Michael in Cloppenburg und wurde 2017 profaniert. Heute dient sie als Mensa für das Cloppenburger St. Vincenzhaus. | Foto: Michael Rottmann
Die Christkönig-Kirche in Cloppenburg entstand 1962 als Hauskapelle des damaligen bischöflichen Konvikts Jugendburg St. Michael in Cloppenburg und wurde 2017 profaniert. Heute dient sie als Mensa für das Cloppenburger St. Vincenzhaus. | Foto: Michael Rottmann

Mit kleinstem Budget baut Sunder-Plassmann etwa die Heilig-Kreuz-Kapelle im friesischen Jaderberg mit einem Grundriss in Form eines Fisches. Ganze 79.000 DM kostete 1957 die Dreifaltigkeitskirche im friesischen Schortens.

Er nahm den Zwang zum Sparen als Chance, konzentrierte sich auf Wesentliches. Das ermöglichte ihm, seinem eigenen konsequenten Grundimpuls zu folgen: Reduzierung und Rückbesinnung auf die Ursprünge. Sein Grundsatz: „Eine Kirche von 1958 muss anders aussehen als eine von 958. Tut sie es nicht, so ist sie der Auseinandersetzung mit ihrer Zeit aus dem Wege gegangen.“

Konflikte scheute er nicht

Wilhelmshaven St. Peter. | Foto: Michael Rottmann
Wilhelmshaven St. Peter. | Foto: Michael Rottmann

Dafür riskierte Sunder-Plassmann auch schon mal den Konflikt. Nicht alle Vertreter kirchlicher und weltlicher Macht standen seinen Ideen aufgeschlossen gegenüber. In Schortens wusste Sunder-Plassmann jedoch unter anderem den dem Modernen aufgeschlossenen Offizial Grafenhorst an seiner Seite, der die Beteiligten mit diplomatischem Geschick auf seine Seite brachte.

Und die Gemeinden selbst? „Interessanterweise waren auch die jungen Flüchtlingsgemeinden diesem neuen Gedankengut aufgeschlossen, obwohl man annehmen könnte, dass tradierte Gewohnheiten gerade fern der Heimat besonders gepflegt würden“, heißt es in dem von Andreas Sunder-Plassmann verfassten Text der mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Abbildungen versehenen Schrift „Ludger Sunder-Plassmann Kirchbauten 1948 – 1980“.

Erhältlich ist die gedruckte Version dieser Werkschau für 24 Euro unter anderem über die Buchhandlung Terwelp in Cloppenburg. Außerdem ist es im Internet als PDF-Datei kostenlos abrufbar unter https://mediatum.ub.tum.de/doc/1634345/1634345.pdf.

Insgesamt 39 Bauprojekte an Kirchen und Kapellen hat Architekt Ludger Sunder-Plassmann im Laufe seines Berufslebens verwirklicht. Hier eine Liste der Neubau-Projekte darunter, in der Reihenfolge des Entstehens:
1948 St. Marien-Kirche – Rastdorf,
1950 Christ-König - Butjadingen-Stollhamm,
1952 Herz Jesu (Turmneubau) – Garrel-Nikolausdorf
1952 St. Josef - Stadland-Rodenkirchen,
1952 St. Theresia - Nordenham-Abbehausen,
1953 Heilig Kreuz - Cloppenburg-Stapelfeld,
1953 Herz Jesu – Westerstede,
1954 St. Jakobus – Dinslaken,
1954 Maria Frieden – Vechta,
1954 St. Cosmas und Damian (Turm-Wiederaufbau), Barßel
1954 St. Michael - Wilhelmshaven-Neuengroden,
1956 St. Maria – Berne,
1956 Heilige Drei Könige – Wardenburg,
1956 Heilig Geist – Lemwerder,
1957 Heilig Kreuz – Jaderberg,
1958 St. Georg - Bremen-Horn-Lehe,
1958 Dreifaltigkeit – Schortens,
1959 St. Augustinus – Cloppenburg,
1959 St. Franziskus – Bremen-Grolland,
1959 St. Rochus-Hospitalkirche – Telgte,
1960 St. Michael – Oldenburg,
1960 St. Marien Hospitalkapelle - Friesoythe
1961 St. Bonifatius – Sande
1961 Herz Jesu (Erweiterung) – Lastrup-Hemmelte
1962 St. Marien – Brake
1962 Christ-König-Kirche – Cloppenburg
1965 St. Bonifatius – Varel
1965 St. Peter – Wilhelmshaven
1970 St. Antonius/St. Marien - Hospitalkapelle - Damme
1973 Christkönig – Hamm
1980 St.-Josef-Hospitalkirche – Cloppenburg

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