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„Wir sind der Amboss“: Bethen erinnert an Kardinal von Galen

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Vor 85 Jahren hielt der Selige die zweite seiner berühmten Predigten in der Münsteraner Überwasserkirche. Was davon für heute bleibt.

Am Montag, 20. Juli, ist es 85 Jahre her: Kardinal Clemens August Graf von Galen – damals noch Bischof – hielt die zweite seiner berühmten Predigten, in denen er die Machenschaften des NS-Regimes scharf kritisierte. In Erinnerung an den Seligen feierte Pfarrer Dirk Költgen am Sonntag, 19. Juli, einen Gottesdienst in der Bether Wallfahrtsbasilika.

Von Galen habe nach dem Leitsatz gelebt, dass man Gott mehr gehorchen müsse als den Menschen, sagte Költgen zur Begrüßung. „Lieber sterben als sündigen“, brachte er es auf den Punkt. In der Münsteraner Überwasserkirche habe von Galen damals in besonderer Weise auf das gerechte Gericht Gottes verwiesen. 

Tiefes Gottvertrauen

In seiner Predigt ging Költgen auf wesentliche Passagen der historischen Worte ein. Sein Gottvertrauen habe den Bischof im Jahr 1941 geleitet, als er die willkürlichen Klosterenteignungen durch die Gestapo beklagte und dabei den systematischen Abbau der Rechtssicherheit und den Verlust des Vertrauens in die Staatsführung thematisierte. Der Bether Pfarrer hob hervor, dass von Galen trotz seiner Ohnmacht gegenüber den Machthabern und trotz erfolgloser Protesttelegramme eine unerschütterliche Haltung bewahrt habe.

Költgen zitierte – wie einst von Galen selbst – aus dessen Telegramm an Adolf Hitler. Darin betonte der Bischof, dass Christen keine Revolution anzetteln, sondern treu ihre Pflicht tun. Gleichzeitig stellten sie sich dem „Feind im Inneren“ mit dem einzigen verbleibenden Mittel entgegen: einem starken, zähen und harten Durchhalten. 

„Wir sind der Amboss“

Zur Veranschaulichung predigte von Galen damals über das Bild des Ambosses. „Was auf dem Amboss geschmiedet wird, erhält seine Form nicht nur vom Hammer, sondern auch vom Amboss. Der Amboss kann nicht und braucht auch nicht zurückzuschlagen, er muss nur fest, nur hart sein!“, zitierte Költgen die historische Ansprache.

„Wir sind der Amboss“, sagte Költgen. Das bedeute, verfolgten Menschen Rückhalt zu geben und der Jugend christliche Wertmaßstäbe zu vermitteln. „Wir sind diejenigen, die in ihrem Gewissen die Stimme Gottes hören, erkennen und befolgen. Wir sind diejenigen, die in aller Not und Sorge, in aller Bedrängnis und Verfolgung hinter dem Vergänglichen das Unvergängliche sehen und es durch unsere Glaubens- und Gewissenstreue erreichen werden“, so der Pfarrer.

Kreuzkampf in Oldenburg

Bereits am 12. Juli gedachten die Gläubigen in Bethen der ersten Predigt gegen das menschenverachtende Regime. Am Sonntag, 2. August, wird der dritten der berühmten Ansprachen von Galens gedacht. Die Pfarrei lädt dazu um 10.30 Uhr zu einem Gottesdienst in die Wallfahrtsbasilika St. Marien in Bethen ein.

Alle drei Termine sind Teil der Veranstaltungsreihe „Kreuz zeigen, weil Gesellschaft Haltung braucht.“ Unter dieser Überschrift erinnern die katholische Kirche, die Landkreise Vechta und Cloppenburg sowie die Stadt Cloppenburg 2026 an den südoldenburgischen Kreuzkampf vor 90 Jahren und rufen dazu auf, Haltung zu zeigen.

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