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Unser Alltag wird allzu oft von Krisen bestimmt. Dennoch gibt es sie, die positiven Momente. Ihnen widmen wir diese ganz persönliche Serie.
Für die meisten Absolventinnen und Absolventen eines Berufskollegs war es eine ungewohnte Herausforderung, sich von ihren Sitzplätzen zu erheben und im Altarraum im Halbkreis aufzustellen. Für die Mehrzahl ist ein Kirchgang an sich schon keine Gewohnheit. Nun im Gotteshaus exponiert zu stehen, das sorgte für Nervosität, Unruhe, Kichern und fast ängstliche Seitenblicke, was denn die anderen machen. Dann aber nannten sie mir jeweils ihren Vornamen und waren für den Segen bereit: „XX, ich segne dich und du sollst ein Segen sein“ (vgl. Gen 12,2). Es wurde still. Sie schauten aufmerksam und nahmen Blickkontakt mit dem Segnenden auf. Wenige antworteten mit „Amen“, viele mit „Danke!“, andere mit einem lächelnden Kopfnicken. Manche strahlten, als sie den Rückweg zu ihren Freunden und Angehörigen in den Bänken antraten.
Es gibt sie noch, die Sensibilität für Segen, die dankbare Aufnahme der Zusicherung „Du bist wertgeschätzt und anerkannt. Es gibt jemanden, der dein Dasein und Sosein bejaht“ und der positiven Zumutung „Du kannst für andere zum Segen sein und weitergeben, was du selbst empfangen hast“.