SERIE

Was mein Leben hell macht: Glücksmoment im Altenheim

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Unser Alltag wird allzu oft von Krisen bestimmt. Dennoch gibt es sie, die positiven Momente. Ihnen widmen wir diese ganz persönliche Serie.

Eine Woche zum Vergessen, denke ich schon am Montag. Der beginnt mit dunklen Grübeleien. Über die aufgeschobene Steuererklärung, den Strafzettel im Briefkasten, den Zahnarzttermin am Mittwoch. „Herr, lass die Woche schnell vorübergehen!“, fährt es mir durch den Kopf.

Kurz nach Mittag ein Interview-Termin im Altenheim. Das Thema lautet „Glück“. Arbeitstitel: Wie denken Menschen darüber, die großes Leid erlebt haben. „Ich habe da jemanden für Sie“, hatte die Altenheim-Seelsorgerin mir am Telefon versprochen.

Und dann schiebt sie im Altenheim-Café eine lächelnde Frau im Rollstuhl auf mich zu. Die von ihrem bettlägerigen Mann erzählt, der ein Stockwerk über ihrem ein eigenes Zimmer hat. Wegen ihm sind die beiden ins Heim eingezogen. Weil es nicht mehr ging.

Sie ist glücklich, dass sie jeden Tag zwei Stunden bei ihm sein kann. „Wir hätten es besser nicht treffen können“, schwärmt sie. „Hier habe ich alles, was ich brauche und genieße jeden Tag. Schauen Sie nur: Wie schön die Sonne scheint!“ Ich nicke nur, schäme mich innerlich ein bisschen für meine eigene Unzufriedenheit und fahre reich beschenkt und dankbar nach Hause.

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