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Unser Alltag wird allzu oft von Krisen bestimmt. Dennoch gibt es sie, die positiven Momente. Ihnen widmen wir diese ganz persönliche Serie.
Vorabendmesse am Samstag: „Lobe den Herren, alle die ihn ehren“, singt die Gemeinde. Und da es für das Lob Gottes meistens eine Menge Gründe gibt, erreichen die Gläubigen beschwingt Strophe 2: „Der unser Leben, das er uns gegeben, in dieser Nacht so väterlich bedecket und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket.“
Ich stutze: Hier wird der Text von Paul Gerhardt als Morgenlied erkennbar. Womöglich war es eher für den Beginn des morgigen Sonntagsgottesdienstes vorgesehen.
„Es ist Ihnen wahrscheinlich aufgefallen“, sagt der Priester. „Diese Strophe passt nicht so richtig zum Vorabend. Da habe ich falsch ausgesucht.“ Nach einem kurzen Moment schleicht sich ein Lächeln auf das Gesicht des Geistlichen: „Aber macht nichts. Dann haben wir uns für morgen früh schon einmal bedankt.“
Das nenne ich mal christliche Zuversicht! Gut möglich, dass der eine oder die andere in dieser Nacht noch etwas ruhiger geschlafen hat als gewöhnlich.