Informationsveranstaltung in der Christus-König-Gemeinde

Sexueller Missbrauch: Kaplan Pottbäcker war Täter in Bockum-Hövel

Die Fälle des sexuellen Missbrauchs durch den verstorbenen Priester Heinz Pottbäcker sind Thema einer Informationsveranstaltung in der Heilig-Geist-Gemeinde in Hamm-Bockum-Hövel gewesen. In der heute zur Pfarrei gehörenden Gemeinde Christus König war Pottbäcker von 1968 bis 1971 Kaplan. Dort waren in den vergangenen Monaten vier Betroffene an die Öffentlichkeit gegangen.

„Die Spur des sexuellen Missbrauchs durch Kaplan Pottbäcker ist in Hamm-Bockum-Hövel nicht unterbrochen“, sagte Hermann Kahler, ehemaliges Mitglied der Missbrauchskommission des Bistums Münster. Die Pfarrgemeinde hatte ihn und die Präventionsbeauftragte des Bistums, Ann-Kathrin Kahle, eingeladen, um über die Fakten zum Fall und Hintergründe zum Missbrauchsskandal in der Kirche zu informieren.

Kein hartes Durchgreifen der Verantwortlichen

Kahler erklärte Einzelheiten zu Pottbäckers Einsatzorten, zu Einträgen in seinen Personalakten und zu den Verurteilungen des Priesters wegen sexuellen Missbrauchs in den Jahren 1968 und 1983. Trotz aller Hinweise sei Pottbäcker immer wieder an neuen Orten in der Seelsorge eingesetzt worden. „Sein Fall war damit auch ein Fall der kirchlichen Hierarchie.“ In der derzeitigen Aufarbeitung werde deutlich, dass die Verantwortlichen im Bistum an verschiedenen Punkten entscheidende Informationen über die Taten des Kaplans gehabt haben müssten.

„In all den Jahren ist den Verantwortlichen nie der Gedanke gekommen, hart durchzugreifen, um Kinder zu schützen“, sagte Kahler vor den 50 Zuhörern im Pfarrheim. „Täterschutz und Ansehen der Institution wurden über den Opferschutz gestellt – auch zukünftiger Opfer.“ In den Personalakten aber seien bislang kaum Informationen zu finden, die eine Auseinandersetzung der damaligen Bistumsleitung mit dem Fall belegen. Deshalb würden die Untersuchungen derzeit ausgeweitet, etwa auf Gesprächs- oder Sitzungsprotokolle.

Täter an vielen Orten

Der Fall Pottbäcker war bereits im vergangenen Jahr in Rhede zum Thema geworden, nachdem ein Opfer erstmals an die Öffentlichkeit gegangen war. Die Aufarbeitung ergab bislang, dass der Kaplan sowohl in der Zeit vor seinem Einsatz in Hamm-Bockum-Hövel, als auch in der Zeit danach in der Pfarrei Zur Heiligen Familie in Rhede mehrfach Kinder missbraucht hat. In Hamm hat sich mittlerweile ein fünfter Betroffener gemeldet, dessen Angaben derzeit geprüft werden.

„Es gibt viele Hinweise, dass er auch an seinen anderen Einsatzorten Täter war“, sagte Kahler. Weil der pädophile Geistliche sich nicht an die Auflage hielt, sich von Minderjährigen fern zu halten, wurde er in der Folge mehrfach versetzt. Erst mit 58 Jahren ging er in den vorzeitigen Ruhestand, 2007 starb er.

Verunsicherung in der Gemeinde

„Es ist uns ein großes Anliegen, über die Geschehnisse im Gespräch zu bleiben“, sagte Pfarrer Robert Windschuh aus der Heilig-Geist-Gemeinde in Hamm-Bockum-Hövel. „Auch weil es eine große Verunsicherung bei den Menschen gibt, die damals in der Gemeinde aktiv waren.“ Sie stellten sich die Frage, ob auch sie Fehler begangen hätten. „Wir wollen informieren, zuhören und da, wo es möglich ist, auch helfen. Das sind wir vor allem den unmittelbaren Opfern und weiteren Betroffenen der Verbrechen von Kaplan Pottbäcker schuldig.“