Berufe in der Kirche – Teil 6: Reisekauffrau bei „Emmaus-Reisen“

Sie plant Reise-Erlebnisse  – und erfüllt Lebensträume

Auf ihrem Schreibtisch stehen eine kleine Eisenbahn, zwei Mini-Segelschiffe und eine Schneekugel mit der Rosenkranz-Basilika von Fátima. Diese Mitbringsel aus verschiedenen Ländern sind nicht nur Zierrat. Sie haben mit den Arbeitsgebieten von Nicole Werger zu tun: Die 35-Jährige arbeitet als Reiseverkehrskauffrau bei „Emmaus-Reisen“, dem Reiseveranstalter im Bistum Münster. Werger und ihre sieben Kolleginnen und Kollegen sorgen dafür, dass unternehmungslustige Menschen eine unvergessliche Zeit an anregenden Orten erleben.

Das Team ist mit Sachkenntnis und mit Herz dabei. „Der persönliche Kontakt ist eine große Motivation“, sagt Werger mit einem freundlichen Lächeln. Das Reisebüro liegt zentral und einladend zwischen Kiepenkerl und Domplatz in Münster. „Besonders an Markttagen erleben wir, dass jemand kurz vorbeischaut, um ‚guten Tag‘ zu sagen. Oder einer unserer Gäste berichtet zum Beispiel voller Freude von der Erstkommunionfeier seines Enkelkindes.“

Wie es allen am besten gefällt

Üblicherweise geht es aber um Reise-Wünsche. Da ist Nicole Werger eine der Ansprechpersonen. Anfragen für Gruppenreisen kommen zum Beispiel von Pfarrgemeinden oder Kirchenchören. Emmaus-Reisen, das zu „Dialog-Medien und Emmaus-Reisen“ gehört, erstellt für sie maßgeschneiderte Programme.

Ebenso gibt es aber auch die andere Variante – Reisen, zu denen sich jeder anmelden kann: Einzelgäste finden sich mit Ehepaaren und Freundeskreisen zu einer Gruppe zusammen, um unvergessliche Erlebnisse miteinander zu teilen. Nicht zuletzt lautet der Slogan „Mit Freunden unterwegs“. „Wir hören immer wieder, dass sich zum Beispiel auch alleinstehende Frauen trauen, als Einzelreisende bei uns mitzufahren“, sagt Nicole Werger.

Keiner bleibt allein

Schon oft hat sie die Rückmeldung bekommen: „Ich bleibe in der Gruppe nicht allein. Die anderen Reisenden und die Reisebegleiter kümmern sich.“ Zum Beispiel die Witwe, die schon immer einmal nach Israel wollte. „Mit Ihnen trau ich mich“, habe sie gesagt.

Solche Reaktionen beflügeln sie bei ihrer täglichen Arbeit, sagt Nicole Werger. Täglich warten vielfältige Aufgaben auf sie: Sie berät Interessenten, überträgt Angaben von den Anmeldescheinen in das hauseigene Buchungssys­tem, erstellt Zimmer-Listen für die Hotels, kontaktiert Fluggesellschaften, fragt bei Agenturen Stadtführungen an, schreibt Beiträge für den Reisekatalog – und noch einiges mehr.

Ab und an besichtigt sie ein Kreuzfahrtschiff, damit sie aus erster Hand Auskunft geben kann: Wie sind die Kabinen ausgestattet? Wodurch unterscheiden sich die Kategorien? Welche Freizeitmöglichkeiten gibt es an Bord? Ist ein Aufzug vorhanden? Das sind nur einige Fragen, für die sie sich bei solchen Terminen fit macht.

Persönlicher Kontakt wichtig

„Von der ersten Beratung bis zum Eintüten der Unterlagen haben wir mit unseren Kundinnen und Kunden zu tun“, erläutert Werger. Gerade das sei das Schöne an ihrer Arbeit für „Emmaus-Reisen“.

Den Beruf gelernt hat sie in Dortmund bei einem Tourismus-Konzern. Der persönliche Kontakt und die Vielfalt der Arbeiten seien dort jedoch weniger ausgeprägt gewesen, blickt sie zurück.

Warum Kirche?

Neben religiösen Zielen wie Lourdes stehen in anderen Reisen auch Natur und Kultur im Mittelpunkt – wie es jedem beliebt. | Archivfoto: Michael Bönte
Neben religiösen Zielen wie Lourdes stehen in anderen Reisen auch Natur und Kultur im Mittelpunkt – wie es jedem beliebt. | Archivfoto: Michael Bönte

Warum bietet ein kirchlicher Veranstalter Reisen an? Das wird sie manchmal gefragt. „Kirche zeigt sich dadurch auch von einer anderen Seite“, sagt sie. Und nennt das Stichwort „gelebte Religion“. Mit spürbarer Begeisterung nennt sie ein Beispiel: „Wer jemals am See Genezareth in der Gruppe eine Heilige Messe gefeiert hat, wird das nie vergessen.“

Ohnehin spielten die geistlichen Begleiter auf einer Reise eine wichtige Rolle: „Durch sie zeigt Kirche Gesicht.“ Die Hemmschwelle, über den Glauben oder persönliche Probleme zu sprechen, sei bei einer geistlich begleiteten Reise oft geringer als zuhause. „Da trifft man den Seelsorger zufällig auf dem Sonnendeck und redet zunächst über das Wetter“, sagt Werger. „Vielleicht wird daraus ein tiefer gehendes Gespräch – vielleicht auch nicht.“

Selbstverständlich hat „Emmaus-Reisen“ Ziele im Programm, die religiös geprägt sind, wie Lourdes, Fátima oder Israel. Aber auch Reisen, bei denen Kultur und Natur im Mittelpunkt stehen, werden angeboten. „Auch gemeinsames Genießen gehört dazu“, sagt Nicole Werger. „Zum Beispiel ein leckeres Essen in einer stimmigen Tischgemeinschaft oder ein guter Tropfen bei einer Weinprobe.“

Vielfältige Arbeitsplätze

Reisenden solche Erlebnisse zu ermöglichen, dafür engagiert sich das Team mit großem persönlichen Einsatz. Manche arbeiten eher draußen als Reisebegleiter, andere überwiegend innen, an Schreibtisch, Computer und Telefon. „Wenn nötig, springen wir ganz selbstverständlich füreinander ein“, sagt Werger. „Wir sind wie eine große Familie und wissen auch Privates voneinander.“

Das „super Miteinander im Kollegenkreis“ hat letztlich auch dazu geführt, dass Nicole Werger seit inzwischen 13 Jahren bei Emmaus-Reisen arbeitet. „Ursprünglich hatte ich dafür eine kürzere Zeit geplant“, sagt sie. „Ich wollte mir das hier erstmal nur ansehen.“

Eigentlich wollte sie Lehrerin werden. Eigentlich.

Nach ihrer Ausbildungszeit in Dortmund – die sie von drei Jahren auf zweieinhalb verkürzen konnte – hatte sie eigentlich vor, Lehramt zu studieren. Sie wollte angehende Reiseverkehrskaufleute am Berufskolleg unterrichten. Bis zum Studienbeginn galt es, ein halbes Jahr zu überbrücken. „Mein Vater sah dann in der Zeitung eine Stellen-Ausschreibung von Emmaus-Reisen“, erinnert sie sich. „Da dachte ich: Bewirbst du dich mal! Aufhören kannst du immer noch.“

Die 35-Jährige hält einen Moment inne. Und lächelt dann beim Rückblick, wie sich alles entwickelt hat: „Ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht, die Stelle zu wechseln – warum auch? Inzwischen kann ich mir nicht mehr vorstellen, woanders zu arbeiten.“

Schon als Kind „Reisebüro gespielt“

Damit hat sie einen Weg eingeschlagen, der sich schon in jungen Jahren abzeichnete. Während andere Kinder eher „Kaufladen“ spielten, gründete Nicole mit ihrem Bruder unter der Treppe in ihrem Elternhaus in Laer ein „Reisebüro“.

„Wir haben mit der Familie immer gern Flugreisen unternommen – damit hängt es wohl zusammen, dass ich mich so früh dafür interessiert habe“, mutmaßt die 35-Jährige. Jedenfalls studierte sie im „Reisebüro“ unter der Kellertreppe Kataloge, stellte Routen zusammen und vertiefte sich zum Vergleich der Angebote in Preistabellen.

Viele finden Freunde, manche die große Liebe

Das macht sie im Grunde auch heute noch – und vieles ist hinzugekommen. Immer wieder klingt durch, was außer der professionellen Abwicklung für Nicole Werger im Mittelpunkt steht: „Das Zwischenmenschliche.“ Sie freut sich, wenn Reisende Freundschaften schließen, die von Dauer sind. Und sie hat auch schon von Paaren gehört, die sich unterwegs gefunden haben.

Dann berichtet die Reiseverkehrskauffrau von der gehbehinderten älteren Dame, die unbedingt nach Lourdes wollte. Nicole Werger organisierte für sie am Flughafen eine Umstiegs-Assistenz. Nach der Reise schickte der Sohn dem Team von „Emmaus-Reisen“ eine Mail, in der er sich rührend für den Einsatz bedankte. „Er schrieb, für seine Mutter sei ein Lebens­traum in Erfüllung gegangen“, sagt Nicole Werger. Und, nach einem kurzen nachdenklichen Moment, fügt sie hinzu: „Dafür macht man das.“