Lektorin aus Löningen ist neue Bundestagsabgeordnete

Silvia Breher – Vom Ambo in den Bundestag

Klar: Davon mussten die Kandidaten reden. Wer für die CDU in den Bundestag will, ist auch als Christ gefragt. Zum Beispiel auf der internen Vorstellrunde der CDU Cloppenburg im vorigen Herbst. Der bisherige Abgeordnete war abgetreten, vier neue bewarben sich um die Nachfolge.

Die ersten zwei, so berichten Teilnehmer, hätten „hochtönende Worte über das christliche Abendland“ gesprochen, Worte ohne Hintergrund, die als „übliches Politikergeschwafel“ angekommen seien. Was sagte die 44-jährige Silvia Breher aus Löningen dann zu diesem Thema? „Ich bin Lektorin.“ Mehr nicht.

Kirche als Selbstverständlichkeit, Routine und Verpflichtung

Man kann die Kandidatin auch genauer fragen – wieviel Kirche wohl in ihr steckt. Im Gespräch, Monate nach ihrem Erfolg in der regionalen Urwahl der CDU, steht Silvia Breher zu ihrem Einsatz in der Gemeinde St. Vitus Löningen. Auch dazu, dass sie am Pastoralplan der Gemeinde mitarbeitete. Lektoren gebe es in der Gemeinde übrigens viele.

Kirche habe eben immer zu ihrem Leben gehört, schon als sie bei Lindern, auf dem Hof der Großeltern, aufwuchs. Selbstverständlich Tischgebet, selbstverständlich sonntags zur Kirche, selbstverständlich in die Katholische Landjugend, selbstverständlich Jugendgottesdienste vorbereiten. Auch wenn es manchmal Routine und Verpflichtung sein konnte: „Kirche hat mir immer etwas bedeutet, ich habe nie gegen sie rebelliert.“ Noch heute finde sie Ruhe und Besinnung im Gottesdienst.

Halskette mit Kreuz Ablegen? Kommt nicht in Frage!

Dazu passt diese Geschichte, die man sich in der CDU erzählt: Silvia Breher trägt eine Kette mit Kreuz um den Hals. Zu Beginn des Wahlkampfes sollen ihr Image-Fachleute der Partei geraten haben, das Kreuz abzulegen. Silvia Breher sagte Nein.

Zur Politikerin wurde die neue Abgeordnete nicht durch ihr Leben in der Kirche. Sondern durch die Arbeit als Geschäftsführerin des Landvolks im Kreis Vechta. Die junge Juristin lernte, Interessen zu vertreten, lernte die Folgen politischer Entscheidungen für die Landwirtschaft kennen, verhandelte selbst mit Politikern.

„Dein Name wird doch gehandelt. Machst Du es?“

Bis im Vorjahr der bisherige Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Cloppenburg-Vechta nicht wieder kandidierte, aus Gesundheitsgründen. „Wer wird denn jetzt mein Ansprechpartner in Berlin?“, sei ihr erster Gedanke gewesen. Bis ihr ein ehemaliger Bürgermeister auf der Kirmes sagte: „Dein Name wird doch gehandelt. Machst Du es?“

Von selbst wäre sie nie auf den Gedanken gekommen, versichert Silvia Breher. „Dafür war ich zu sehr mit Herzblut in meinem Job, eine klassische Parteilaufbahn bis in den Bundestag hatte ich nie geplant.“

Erste Frau als Abgeordnete des Wahlkreises

Ständige Nachfragen und Ermutigungen hätten sie ins Überlegen gebracht. Und zum Entschluss zu kandidieren. Die interne Urwahl der Partei entschied sie dann mit 70 Prozent der Stimmen für sich.

Die erste Frau als Abgeordnete des Wahlkreises. Aber durch ihren Beruf gut vernetzt mit der Landwirtschaft und der angeschlossenen Industrie. Silvia Breher sieht es so: „Ich bin ein kleines Signal dafür, dass wir hier auf dem Land topmodern sind in der Industrie und dass Frauen das Gleiche zählen wie Männer.“ Südoldenburg sei eben nicht einfach „hinterwäldlerisch und stockkonservativ“.

„So läuft das hier“

Die Region könne vielmehr stolz sein auf ihre Beständigkeit, auf das Bemühen von Wirtschaft und Politik, nicht „an allem herumzumosern“, sondern nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen. „So läuft das hier.“

Landwirtschaft und Kirche in der Region – inzwischen nicht immer ein spannungsfreies Verhältnis. Prälat Peter Kossen, damals Vertreter des Bischöflichen Offizials in Vechta und heute Pfarrer in Lengerich, hat lange und energisch Kritik geübt an den Lebensbedingungen ausländischer Arbeiter mit Werkverträgen in der Fleischbranche. Ein Thema auch für Silvia Breher.

Breher: Kirche muss sich in Politik einmischen

Wenn die Kirche Missstände aufdecke, sei das für sie kein Problem. „Sie muss sich in der Politik zu Wort melden, ganz klar.“ In der Sache sieht Silvia Breher sich ganz bei der Kirche. „Diese Menschen auszubeuten, das geht gar nicht.“ Politik und Wirtschaft müssten da reagieren und hätten es inzwischen auch getan. Nur: „Wirtschaft bleibt eben Wirtschaft, und Wirtschaft muss sich lohnen.“ Hoch qualifizierte Landwirte mit Studium setzten sich in der Produktion ein, nur „bei den wenigen schwarzen Schafen“ sei die öffentliche Aufregung groß.

Auch Brehers Vorgänger kam aus der Agrarwirtschaft; als Agrarunternehmer galt er als klassischer Lobbyist seiner Branche. Dessen Vorgänger war ein Finanzfachmann, der es bis zum Staatssekretär brachte. Als Katholik zeigte er Profil im Kampf um die Schwangerenkonfliktberatung; der gesetzlichen Neuregelung verweigerte er seine Stimme.

Und Silvia Breher? Auch sie ist jetzt Berufspolitikerin – mit einer Heimat auch in der Kirche. Wie sie sich zwischen diesen Polen bewegen wird – das ist die spannende Frage. In der Frage der Homo-Ehe hat Silvia Breher übrigens schon klar Position bezogen: Sie sei dafür.