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"Kirche+Leben"-Chefredakteurin Annette Saal zur Diskussion um das Lernen im Lockdown

Sitzenbleiber-Jahrgang? Nein, danke!

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Sollen alle Schüler das aktuelle Schuljahr wiederholen? Pauschal-Lösungen fruchten meistens nicht. Auch nicht in diesem Fall, kommentiert "Kirche+Leben"-Chefredakteurin Annette Saal das aktuelle Bildungs-Dilemma. Um Chancengleichheit für die Corona-Schüler zu schaffen sei nun vielmehr die ganze Gesellschaft gefragt.

Petra Windeck, die Geschäftsführerin des Deutschen Familienverbands Nordrhein-Westfalen, hat mit ihrer Forderung Aufsehen erregt: Alle sollen in diesem Schuljahr sitzen bleiben – bedingt durch die gravierenden Unterrichts-Ausfälle infolge der Corona-Pandemie. Kann das die Lösung für die Misere sein? Die Antwort kann nur lauten: Pauschal-Lösungen fruchten meistens nicht. Auch nicht in diesem Fall.

Windeck ist Recht zu geben, wenn sie feststellt, dass viele Familien am Limit ihrer Möglichkeiten sind. Hinzu kommt, dass manche Lehrer mit den technischen Anforderungen nicht zurechtkommen. Und die Vorgaben seitens der Politik sind nicht immer reibungslos umzusetzen.

Praktikable Lösungen müssen her

Doch die Notbremse bei den Kindern und Jugendlichen zu ziehen, wäre nicht gerecht. Einen „Jahrgang der Sitzenbleiber“ zu schaffen, würde sie genauso diffamieren wie die abwertende Rede von „Corona-Abiturienten“.

Zurzeit kursieren die unterschiedlichsten Versionen, wie das Prob­lem in den Griff zu bekommen ist. Hilfreich wäre es gewesen, sich dieser Fragen früher und entschiedener anzunehmen. Das nützt jetzt freilich wenig. Praktikable Lösungen müssen her.

Hier ist Solidarität gefragt

Diese müssen flexibel sein. Jedenfalls hat die Kultusministerkonferenz für die Abschlussprüfungen aktuell unterschiedliche Szenarien in Aussicht gestellt: von der Verschiebung der Prüfungstermine bis hin zu mehr Zeit bei der Bearbeitung der Aufgaben. Doch wie man es auch dreht und wendet: Eine Chancengleichheit für alle wird es unter diesen Umständen nicht geben. Gemeinsames Sitzenbleiben macht es nicht besser.

Deshalb gehört auch die Zukunft in den Blick genommen. Auf die Ausbildungsbetriebe kommt bei der Einstellung junger Menschen eine große Verantwortung zu. Hier ist Solidarität gefragt, die von Corona betroffene Bewerberinnen und Bewerber nicht benachteiligt. Die Gesellschaft als Ganze muss daran mitwirken, dass die Jugendlichen ihre Zukunft meistern können. Nur so bekommt die Chancengleichheit – wenn auch verspätet – eine Chance.

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