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Titus Dittmann begeistert vom Workshop an der Marienschule Münster

„Skateboarding ist Dünger fürs Gehirn“ - wie Mädchen selbstbewusst werden

  • Die Marienschule Münster hat sich mit 40 Schülerinnen der Jahrgangsstufen 7 und 8 am Projekt von skate-aid@school beteiligt.
  • Die Mädchen, die von Lockdown und Homeschooling betroffen waren, entwickelten großes Selbstbewusstsein.
  • Getragen wird das Projekt von Skater-Legende Titus Dittmann und seiner Stiftung „skate-aid“.
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An normalen Tagen ist der Parkplatz der Marienschule Münster eine langweilige, triste, graue Fläche. Aber da seit Corona nichts mehr normal ist, kann man statt Autos junge Mädchen mit Fahrradhelmen auf dem Kopf und Skateboards an den Füßen übers Gelände pesen sehen, mit der Sonne um die Wette strahlend. Oldschool Hip-Hop schallt über den Platz. Wer nicht skatet, tanzt. Oder versucht sich in der mobilen Halfpipe.

„Die Mädchen sind mit Feuereifer dabei und begabt dazu. Im Gegensatz zu mir“, erzählt Schulleiterin Marlies Baar lachend. „Ich habe mich gestern auch aufs Board getraut und wäre fast gestürzt, wenn mich eine Schülerin nicht gestützt hätte.“ Anarchie am bischöflichen Mädchengymnasium? Von wegen. Für eine Woche heißt es: Marienschule on board!

Projekt mit 40 Schülerinnen

„Im Herbst vergangenen Jahres ist die Titus Dittmann-Stiftung „skate-aid“ mit der Idee auf uns zugekommen, mit unserer Schule an der deutschlandweiten Initiative ´Girls Skate!` teilzunehmen, berichtet Kristin Völlmicke, die zusammen mit ihrem Kollegen Julian Kunze das Projekt leitet, vom ersten Anlauf, der nicht umgesetzt werden konnte. Aber der Kontakt war geknüpft.

Deshalb freut sich die Lehrerin für Deutsch und Pädagogik und zuständig für den Bereich Mädchenbildung an der Marienschule umso mehr, „dass wir diese Woche mit 40 Schülerinnen der Jahrgangsstufen 7 und 8 am Projekt von skate-aid@school mitmachen können.“ Die SkateAid-Stiftung trägt die Kosten. Eingebettet ist diese Woche in die bundesweite Aktionsreihe „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Skateboardfahren als Selbstbestätigung

„Ich freue mich riesig zu sehen, dass die Mädchen mit Feuereifer bei der Sache sind“, begeistert sich Titus Dittmann am Engagement der Kinder. „Es geht nicht darum, dass sie hier etwas lernen. Es geht darum, sich den eigenen Ängsten und Herausforderungen zu stellen und sie zu meistern“, bringt es der 72-Jährige auf den Punkt. „Wir schmeißen denen die Boards hin. Fahren müssen sie schon selber.“

Skateboardfahren sei Selbstbestätigung pur. Und gleichzeitig „ein wunderbares pädagogisches Werkzeug für die Persönlichkeitsentwicklung.“ Und Dittmann muss es wissen. Schließlich soll er Mitte der 1970er-Jahre die ersten Skateboards von Kalifornien in Reisetaschen nach Münster geschmuggelt haben.

Skaten als Lebensschule

„Skateboarding ist Dünger fürs Gehirn“, ruft der „Vater der deutschen Skateboard-Szene“ den jungen Nachwuchsskaterinnen mit einer Begeisterung entgegen, die ansteckt. „Skateboarder lernen, ihr eigenes Ding zu machen. Aber auch Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen“, betont er. Und es fördere die kognitive Entwicklung.

„Gleichzeitig eignen sich die Kids spielerisch Sozialkompetenz dadurch an, dass sie sich zum Beispiel gegenseitig unterstützen.“ Skaten als Lebensschule: so wie nebenbei entwickele sich auch das Selbstvertrauen. „Sie trauen sich was und lernen, anderen zu vertrauen, Wagnisse eingehen. Da läuft über selbstbestimmtes Lernen“, betont Dittmann. „Das gelingt nicht im Korsett Schule.“

Mädchen sammeln positive Erfahrungen

„Erst hatte ich Angst, dass ich hinfalle“, berichtet die zwölfjährige Matilda von ihren ersten Gehversuchen auf dem Board. Doch die hat sie schnell überwunden und ist nun auch in der Halfpipe zu finden. Mit jeder positiven Erfahrung ist ihr Selbstvertrauen gewachsen. Ähnlich ist es auch der gleichaltrigen Abigail ergangen. „Skaten ist total toll. Ich kann jetzt auch in der Halfpipe fahren und während des Skatens über Stangen springen“, erzählt sie strahlend vor Stolz, ihre Augen leuchten. „Ich habe einfach mal was ausprobiert und es hat geklappt. Einfach nur toll“, ihre vor Aufregung roten Wangen sprechen Bände.

Und neue Freundinnen habe sie auch gefunden. Die elfjährigen Lara und Marit freuten sich darüber, selber entscheiden zu können, „was wir machen.“ Im Gegensatz zur Schule. „Im Unterricht entscheiden die Lehrer, was getan wird, hier wir. Wir machen einfach und es ist OK. Wir sind jetzt die Coolen von der Schule“, freuen sich die zwei.

Freude pur nach Lockdown und Homeschooling

Für den 25-jährigen Teamer und Skatecoach Jan-Philipp ist es „schön zu sehen, dass der Funke übergesprungen ist. Sie vertrauen sich nun sich selbst und gegenseitig und unterstützen sich. Alle haben alle ihren eigenen Weg gefunden.“

„Die Mädchen sind mutiger und lauter geworden im Laufe der Woche, auch gegenüber ihren Teamern“, freut sich Lehrerin Völlmicke für die Schülerinnen. „Anfangs waren sie noch zaghaft am Board unterwegs, jetzt gibt es keine mehr, die nicht in der Halfpipe war.“ Stolz schwingt in ihrer Stimme mit. Und Freude, denn „wir haben bewusst die Mädchen des 7. und 8. Jahrgangs ausgewählt, weil sie am meisten unter den Corona-Bedingungen gelitten haben.“

Als einzige seien sie fast den gesamten Lockdown über im Homeschooling gewesen. „Dabei ist es gerade diese Altersgruppe der 11- bis 14-Jährigen, die ihre Peergroup braucht, um sich zu entwickeln. Wir wollten ihnen hiermit einen Ausgleich schaffen, um sie aus der Krise gestärkt hervorgehen zu lassen.“ Der Plan scheint aufgegangen zu sein.

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