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Hans-Georg Hollenhorst über das neue Schwerpunktthema von Missio

Sklaverei: Weltweit verbreitet, auch in Deutschland relevant

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Zum Auftakt des neuen Schwerpunkts der Aktion „Schutzengel“ von Missio gibt es am 22. und 23. Juni eine Online-Fachkonferenz zum Thema „Eine Welt. Keine Sklaverei“. Sie richtet sich an jeden, der sich gegen die weltweite Ausbeutung von Menschen einsetzten will. Hans-Georg Hollenhorst von der Fachstelle Weltkirche im Bischöflichen Generalvikariat Münster erklärt im Interview mit „Kirche-und-Leben.de“, warum das Thema Sklaverei auch ein Thema für Gruppen und Initiativen aus dem Bistum ist.

Herr Hollenhorst, wir haben im Moment viele Probleme auf der Welt – warum hat das Thema Sklaverei das Zeug zum Schwerpunkt bei Missio?

Missio macht unter der Marke „Aktion Schutzengel“ seit vielen Jahren auf kritische und schwierige Lebensverhältnisse und Zusammenhänge aufmerksam. In einem ersten Projektzeitraum ging es um Sextourismus und Prostitution, dann um Aids und Kinder, jetzt auslaufend um Menschen auf der Flucht und ab Juni neu um katastrophale und sklavenähnliche Arbeitsbedingungen weltweit. Sklaverei hat viele Gesichter. Es geht um Zwangsarbeit, Menschenhandel, Zwangsprostitution, Arbeitsausbeutung bis hin zur Versklavung von Kindern. Tatsächlich sind mehr als 40 Millionen Menschen weltweit Opfer moderner Sklaverei, schätzt die Internationale Arbeitsorganisation ILO, darunter bis zu 70 Prozent Frauen und Mädchen. Die Zahlen belegen, dass Sklaverei auch heute immer noch kein Randthema ist.

Hat Sklaverei auch eine Relevanz bei uns hier in Deutschland?

Hans Georg Hollenhorst ist Referent in der Fachstelle Weltkirche und der Missio-Diözesanstelle des Bistums Münster. | Foto: pd
Hans-Georg Hollenhorst ist Referent in der Fachstelle Weltkirche und der Missio-Diözesanstelle im Generalvikariat in Münster. | Foto: pd

Oft sind die Orte in der Tat weit weg. Sie haben aber nicht selten einen direkten Bezug zu unserem Leben hier. Die aktuelle politische Diskussion zum Lieferkettengesetz macht das deutlich. In Asiens Textilfabriken, auf den Plantagen in Afrika und an vielen Orten, an denen Produkte für den westlichen Konsum und den Welthandel produziert werden, arbeiten Menschen unter katastrophalen und sklavereiähnlichen Bedingungen. Zudem gibt es ähnliche Zustände direkt vor unserer Haustür, was etwa in der Debatte um die Arbeiter in der Fleischindustrie deutlich wird. Pfarrer Peter Kossen aus Lengerich hat das in besonderer Weise aufgedeckt. In Pandemiezeiten ist er zu den Missständen bei den Arbeitsbedingungen und Unterkünften noch einmal besonders laut geworden. Er hat politisch viel in Bewegung gesetzt.

Warum hat es Sinn, dass sich Gruppen aus dem Bistum mit dem Thema Sklaverei beschäftigen?

Weitere Infos zur Kampagne „Eine Welt. Keine Sklaverei“ unter www.missio-hilft.de

Wie in vielen anderen Lebensbereichen geht es um die Förderung eines Bewusstseins für die weltweiten Zusammenhänge, um faire Arbeits-, Produktions- und Lebensbedingungen weltweit. Die Wahrnehmung der weltweiten Wirklichkeit ist immer der erste Schritt. Und sie ist christlicher Auftrag in unserer Weltkirche. Sie kann Motivation schaffen, sich für Veränderungen einzusetzen, weltweit und hier bei uns. Etwa in der Art und Weise, wie ich konsumiere, einkaufe und lebe. Mit der neuen Kampagne „Eine Welt. Keine Sklaverei“ knüpft das katholische Hilfswerk Missio hier an und kämpft gegen grenzenlose Formen der Ausbeutung. Es braucht viele Aktive, die sich mit vollem Herzen für die Abschaffung der verschiedenen Formen moderner Sklaverei einsetzen, auch hier in Deutschland. Wie sagte schon der berühmte Bischof Dom Helder Camara aus Brasilien vor vielen Jahren: „Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum – wenn viele gemeinsam träumen, dann ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit. Träumt unseren Traum!“

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