BDKJ zweifelt, „Sternsinger“ voll des Lobes

So bewertet die katholische Jugend den Anti-Missbrauchsgipfel

Die im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) zusammengeschlossenen Jugendverbände sind enttäuscht von den Ergebnissen des Anti-Missbrauchsgipfels im Vatikan. „Es wurde beim Treffen der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen nur teilweise erkannt, dass die Probleme struktureller Art sind“, sagte der BDKJ-Bundesvorsitzende Thomas Andonie am Sonntag.

Der Dachverband vieler katholischer Jugendverbände sieht die Bischöfe weltweit nun in der Pflicht: „Solange es keine unabhängigen Untersuchungen der Vertuschung, keine Übernahme von persönlicher Verantwortung und keine angemessenen Entschädigungszahlungen gibt, ist der häufig formulierte Wille zur Veränderung für uns nicht glaubwürdig.“ Außerdem brauche es eine grundsätzliche Begrenzung klerikaler Macht, denn sexualisierte Gewalt sei vor allem eine Form von Machtmissbrauch.

„Die Sternsinger“ begrüßen „kraftvolles Zeichen“

Die katholischen Hilfswerke Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und Missio Aachen begrüßen die Ergebnisse des Anti-Missbrauchsgipfels im Vatikan als wichtige Voraussetzung für künftige Veränderungen in der Kirche. „Durch den Missbrauchs-Gipfel in Rom und die eindeutigen Worte des Papstes wurde ein kraftvolles Zeichen gegen jede Form des Missbrauchs von Kindern gesetzt“, lobte Klaus Krämer, der Präsident der beiden Werke. Für die Kirche stehe das Thema Kinderschutz nun ganz oben auf der Tagesordnung.

Ein geschärftes Bewusstsein für den Ernst der Lage sei „die entscheidende Voraussetzung dafür, dass es nun zu konkreten institutionellen Veränderungen in der Kirche kommen kann, die dazu beitragen, Machtmissbrauch künftig wirkungsvoller zu verhindern“, so Krämer weiter

Wunibald Müller: Das reicht nicht

Auch nach Ansicht des katholischen Theologen und Psychotherapeuten Wunibald Müller hat der Anti-Missbrauchs-Gipfel nicht die gewünschte Wende oder gar Umkehr eingeleitet. Die katholische Kirche habe ihre Chance nicht genutzt, erklärte der frühere Leiter des Recollectio-Hauses bei Würzburg. Die verantwortlichen Bischöfe mit Papst Franziskus an der Spitze zeigten, „dass sie offensichtlich den Ernst der Lage nicht erkannt haben“.

Was bei dem Treffen erreicht worden sei, hätte schon vor zehn oder zwanzig Jahren geschehen müssen und können, sagte der Theologe. Die jetzt erzielten Vereinbarungen reichten nicht aus, um die tieferen Ursachen und nach wie vor vorhandenen Risikofaktoren für sexualisierte Gewalt in der Kirche zu beseitigen. Auch um die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche zurückzugewinnen, sei es nicht genug.
Was anstehe, seien nicht noch mehr Juristen, noch mehr Bußgottesdienste, so sehr sie auch ihre Bedeutung und ihr Recht hätten. Angesagt sei vielmehr „radikale Umkehr“, die sich vor darin zeigen müsse, Macht abzugeben und zu teilen, forderte der Theologe.

Endlich müssten Positionen aufgegeben werden, die sexualisierte Gewalt in der Kirche begünstigen könnten. Konkret nannte er den Pflichtzölibat, die negative Einstellung zur Homosexualität und das Verbot, schwule Männer zur Priesterweihe zuzulassen. Auch wäre es notwendig, sich von einer Morallehre zu verabschieden, die der Wirklichkeit der Menschen von heute nicht gerecht werde.