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Kindergärten in Lüdinghausen nehmen an bundesweiter Fastenaktion teil

So geht „Klimafasten“: Kita-Kinder werden zu Wasser-Detektiven

  • In den Kindergärten der Pfarrei St. Felizitas Lüdinghausen wird in diesem Jahr für die Schöpfung „gefastet“.
  • Die Kinder beschäftigen sich spielerisch mit Themen rund um den Klimaschutz.
  • Die ökumenische Aktion „Klimafasten“ stellt für die sieben Wochen bis Ostern umfangreiches Material zur Verfügung.
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Johann, Leni und Jonas haben sich mit ihren kleinen Fahrrädern eingereiht. Mit den anderen Kindern warten sie geduldig in der Schlange vor dem Kindergarten St. Ludger in Lüdinghausen, bis sie an der Reihe sind. Dann dürfen sie in die „Waschstraße“: Unter einem bunten Tuch gibt es Wasser, Bürsten, Seife und Fahrrad-Öl. Alle sind mit viel Motivation und Spaß bei der Sache. Und genau darum geht es in diesen sieben Wochen bis Ostern.

„Klimafasten“ heißt die ökumenische Aktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit, die deutschlandweit von Bistümern, Landeskirchen und Hilfswerken angestoßen wurde. Auch im Bistum Münster haben sich Einrichtungen eingereiht.

Unter ihnen ist der Kindertagesstätten-Verbund der Pfarrei St. Felizitas Lüdinghausen. „Die Vorlagen auf der Internetseite der Aktion sind super“, sagt die Leiterin des Verbunds, Jutta Tennhoff. „In jeder unserer fünf Kindergärten werden dazu gerade eigene Ideen umgesetzt.“

Sieben Wochen, sieben Klima-Themen

Heißt: Jede der sieben Fastenwochen ist mit einem bestimmten Thema besetzt. Es geht um Energie, Verbrauchsgegenstände, Flächenverbrauch, Mobilität, Beleuchtung, Biodiversität und „Glücklichsein“. Auch im Kindergarten St. Ludger sind sie dazu seit Aschermittwoch täglich aktiv.

„Die Kinder waren schon als Wasserdetektive unterwegs“, nennt die Leiterin Margit Nowak ein Beispiel. „Sie haben das restliche Wasser aus ihren Gläsern, das sie nicht ausgetrunken haben, am Ende des Tages in eine Karaffe geschüttet.“ Das Staunen war groß, als sie sahen, wieviel sie sonst verschwenden.

Erste Lernerfolge

Einen ganzen Tag wurde schon die Hauptsicherung des Kindergartens ausgeschaltet. Das Licht blieb aus und es wurde draußen über dem Feuer gekocht. „Für die Kinder eine ungewohnte Situation“, sagt Nowak. „Die für sie aber spannend war und nicht bedrückend.“

Und lehrreich, wie sie erleben konnte. „Sie drücken jetzt nicht mehr auf alle Lichtschalter, wenn sie einen Raum betreten, sondern schauen genau, wieviel Licht wo gebraucht wird.“ Ähnliche Spuren hinterlassen das Sammeln von Verpackungsmaterial, das Treffen mit der Imkerin oder das Tauschregal, in das Spielzeug aus den heimischen Kinderzimmern wandert, damit es nicht entsorgt werden muss.

Bereichernde Aktionen

Die „Wasserdetektive“ haben ihre Spuren hinterlassen: Auf den Aufklebern über den Waschbecken der Kindertagesstätte wird zum Wassersparen aufgerufen. | Foto: Michael Bönte
Die „Wasserdetektive“ haben ihre Spuren hinterlassen: Auf den Aufklebern über den Waschbecken der Kindertagesstätte wird zum Wassersparen aufgerufen. | Foto: Michael Bönte

Es geht zwar um Verzicht, nicht aber um einengenden Zwang. Das ist den Erzieherinnen wichtig. „Unser Ziel ist es, dass die Kinder die Aktionen als schön und bereichernd empfinden“, sagt Tennhoff. „Wer sich für die Schöpfung einsetzt, kann Spaß daran haben.“

Sie spürt, dass dies Leichtigkeit in ein Thema bringt, das derzeit oft mit großer Schwere diskutiert wird. Wie ein Gegenentwurf etwa zu den „Klimaklebern“. „Hier können die Kinder erfahren, dass der Einsatz für die Schöpfung einfach, schön und trotzdem wichtig ist.“

Kleine Menschen - große Begeisterung

Was der Aktion nichts an Wirkung nimmt. „Wir haben hier kleine Menschen mit großer Motivation und Begeisterungsfähigkeit“, sagt Tennhoff. „Wenn ich sehe, wie sie gerade so ruhig vor der Waschstraße warten – im Stuhlkreis sind sie das nie.“

Aus diesen Momenten werden sie ein persönliches Gefühl für das Klima in ihr Leben mitnehmen, da ist sie sich sicher. „Und sie bringen es jetzt schon mit nach Hause, wo sie die Eltern inspirieren.“

Eltern werden mitgenommen

Mehr zur Aktion Klimafasten:
www.klimafasten.de

Die werden in der Aktion ohnehin mitgenommen. Am Anfang jeder Woche gibt es eine Information, was ansteht. Und Möglichkeiten, sich selbst auf das Thema einzulassen. Beim der Mobilität-Frage etwa sind sie aufgefordert, einen Alltagsweg mal ohne Stress in Ruhe hinter sich zu bringen – mit dem Fahrrad an der frischen Luft. Ebern auch mit Leichtigkeit, wie es ihre Kinder machen.

Es ist ein anderes Fasten. Nicht Süßigkeiten oder der Fernseh-Konsum stehen im Fokus, sondern der Blick auf die Erde. Und das ohne Härte.

Bei der spielerischen Auseinandersetzung mit der Schöpfung wurden auch schon Sternen-Kekse gebacken. Und in das kalte Wasser aus der Regentonne kommt etwas warmes Leitungswasser, damit die Hände der Kinder beim Fahrrad-Putzen nicht klamm werden.

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