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Themenwoche (3) - Kältewinter und Energiekrise in sozialen Einrichtungen

So helfen Menschen mit Behinderungen in Karthaus beim Energiesparen

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Strom, Sprit, Heizung: Auch die Dienstleistungen der Sozialwirtschaft, vom Kindergarten übers Krankenhaus bis zum Pflegeheim, sind von den Auswirkungen der Inflation und der Energiekrise betroffen. In einer Themenwoche berichtet "Kirche-und-Leben.de", wie sie damit umgehen. Teil 3: das Anna-Katharinen-Stift Karthaus in Dülmen, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung.

„Wenn wir Energie sparen, sparen wir Geld, schützen wir das Klima und die Umwelt, verbrauchen wir weniger Gas und Öl, sind wir unabhängiger von anderen Ländern.“ So informiert ein Flyer des Anna-Katharinen-Stifts Karthaus in Dülmen seine Bewohnerinnen und Bewohner über die Notwendigkeit, Energie und damit Kosten zu sparen. Er gibt konkrete Tipps, wie das zu schaffen ist.

In „Leichter Sprache“ heißt es weiter: „Es gibt Energie-Spar-Lampen, die weniger Strom verbrauchen. Es ist besser, diese Lampen zu kaufen. Wenn niemand im Raum ist, kann das Licht ausgemacht werden. So sparen wir sehr viel Strom.“

Alle 350 Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung für Menschen mit Behinderungen haben diesen gut lesbaren und grafisch ansprechenden Flyer bekommen. „Wir möchten alle mit ins Boot holen, um die Energiekrise zu meistern“, sagt Josef Kuhlmann, der Kaufmännische Leiter des Anna-Katharinen-Stifts.

Seit Monaten vorbereitet

Von der Kreisverwaltung Coesfeld ist die Einrichtung aufgefordert worden, ihre Vorbereitungen im Hinblick auf eine mögliche Gasmangellage und einen Stromausfall im Rahmen einer Selbstauskunft für die Notfallvorsorge zu erläutern. Mit dem Technischen Hilfswerk (THW) seien bereits Gespräche geführt worden, sagt Kuhlmann. „Dass ein Notfall eintritt, hoffen wir natürlich nicht.“

In den letzten Monaten ist die Einrichtung aktiv geworden, um die Energieversorgung sicherzustellen und Preisverhandlungen zu führen. „Mit unserem Wärmeversorger haben wir eine Preisgarantie bis zum 30 September 2023 verhandelt“, informiert Kuhlmann.

Erhebliche Folgen für Wirtschaftsplan

Josef Kuhlmann (links) und Norbert Zoels haben den Energieverbrauch des Anna-Katharinenstifts im Blick. Hier zeigen sie den Heizungskeller, in dem aus der Abwärme der Kühlräume das Bewegungsbad beheizt wird. | Foto: Johannes Bernard
Josef Kuhlmann (links) und Norbert Zoels haben den Energieverbrauch des Anna-Katharinen-Stifts im Blick. Hier zeigen sie den Heizungskeller, in dem aus der Abwärme der Kühlräume das Bewegungsbad beheizt wird. | Foto: Johannes Bernard

Die Abgabepreise aus der Biogasanlage, die drei Landwirte aus der nahen Umgebung betreiben, haben sich allerdings mehr als verdoppelt. „Die Preissteigerungen werden erhebliche Auswirkungen auf den Wirtschaftsplan haben, da aktuell noch keine Refinanzierung absehbar ist. Bei Stromausfall läuft allerdings auch die Wärmeversorgung nicht mehr“, macht Kuhlmann auf das Problem der Versorgungssicherheit aufmerksam.

Die Stromverträge laufen bis Ende 2023. Gehandelt werden könne über die Strombörse, weil das Anna-Katharinen-Stift ein Großabnehmer sei, sagt Kuhlmann. Man habe mit diesem Einkauf gute Erfahrungen gemacht.

Notversorgung wäre keine Vollversorgung

Aktuell erwartet die Einrichtung Angebote über eine Notstromversorgung mittels zentraler Einspeisung über ein Notstromaggregat – sei es über eine Miete oder einen Kauf. Das erläutert der Technische Leiter der Einrichtung, Norbert Zoels.

Das beinhalte keine Voll-, sondern eine Notversorgung der Stammeinrichtung, so dass zum Beispiel „zeitweise die Küche und oder die Wäscherei versorgt sind oder Aufzugsanlagen in bestimmten Gebäuden zu bestimmten Zeiten abgeschaltet werden“. Für die Außenwohngruppen sei eine Notversorgung nicht möglich, sagt Zoels.

Die aktuellen Beschlüsse der Politik bezüglich einer Gas- und Strompreisbremse oder der Härtefallregelungen gelten nicht für die Einrichtungen der besonderen Wohnformen, wohl aber für Pflegeheime wie das Haus Jakob im Anna-Katharinen-Stift.

Temperatur gesenkt, Fensterdichtungen überprüft

Über die politische Diskussion sagt Kuhlmann: „Die Regelungen sind Bundesbeschlüsse. Für die Eingliederungshilfe – dazu zählen besondere Wohnformen – sollen Regelungen über die Bundesländer beschlossen werden. Allerdings liegt hier noch nichts vor. Über unsere Spitzenverbände wird der Druck auf die Bundesländer bezüglich nötiger Hilfen erhöht.“

Unabhängig von der Energiekrise und den möglichen Hilfspaketen setzt das Anna-Katharinen-Stift seit Langen auf Energiesparmaßnahmen, wie Zoels erläutert: Die Gebäude wurden auf größere Verbräuche hin überprüft. Der Wärmebedarf wurde durch eine Senkung der Temperatur um durchschnittlich zwei Grad Celsius reduziert.

„In allen Gebäuden wurden und werden die Fenster neu eingestellt und die Dichtungen ausgewechselt mit einer Material-Gesamtlänge von 1 200 Meter. Alle Türen sind dahingehend geprüft, ob sie richtig schließen und die Dichtungen in gutem Zustand sind“, sagt der Technische Leiter.

Heizen mit Abwärme

Nicht zuletzt wird seit 2017 das Schwimm- und Bewegungsbad nahezu ausschließlich über die Abwärme der Kühlräume der Großküche beheizt. Die Abwärme des Kühlhauses reicht fast aus, das Wasser im Bewegungsbad auf 30 Grad Celsius zu erwärmen. Im Winter, wenn nicht so viel Abwärme erzeugt werden kann, wird die Wassertemperatur auf 26 Grad Celsius gedrosselt.

Wie Kuhlmann und Zoels sagen, sind auch alle Mitarbeitenden über die aktuellen Entwicklungen zum Thema Energie informiert. Es gelte, die Kos­ten in den Griff zu bekommen und die Umwelt zu schonen.

Im Anna-Katharinen-Stift Karthaus leben mehr als 350 erwachsene Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Sie sind auf individuelle Begleitung und Unterstützung angewiesen. Das Anna-Katharinen-Stift bietet 40 Plätze in der Pflegeeinrichtung Haus Jakob und betreut 110 Frauen und Männer über das Angebot des Ambulanten Wohnens. Mehr als 550 Menschen mit Behinderung finden in den Werkstätten Karthaus eine geregelte Arbeit.

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