Acht Tipps für Pfarrgemeinden zum Public Viewing

So wird das Rudel-Gucken zur Fußball-WM ein Fest

Wenn am 14. Juni um 17 Uhr Anpfiff für das Eröffnungsspiel der WM in Moskau ist, sitzen wieder viele Menschen zusammen, um mitzufeiern und mitzufiebern. Gastgeberland Russland tritt dann gegen Saudi-Arabien an. Emotionaler geht es sicherlich beim ersten Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft zu. Am 17. Juni um 17 Uhr (ZDF) spielt sie gegen Mexiko.

Was müssen aber Pfarrgemeinden beachten, wenn sie Fußballbegeisterte zum Rudelgucken einladen wollen? „Kirche-und-Leben.de“ hat die acht wichtigsten Punkte zusammengetragen.

Die Lizenz:

Jeder Veranstalter braucht eine Lizenz des WM-Ausrichters Fédération Internationale de Football Association, kurz FIFA, wenn er die Spiele zeigen will. Das gilt aber nur, wenn das Public Viewing kommerziell ist. Wird mit weniger als 5.000 Besuchern geplant, gilt es nicht als kommerziell und man braucht keine FIFA-Lizenz, sagt die Abteilung Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Generalvikariat in Münster.

Die FIFA-Regeln:

Allerdings sind auch nicht-kommerzielle Veranstalter verpflichtet, sich an die Regularien für Public Viewing der FIFA zu halten. Das Bistum Osnabrück warnt auf seiner Internetseite, es dürfe nicht der Eindruck erweckt werden, die Pfarrei wäre Geschäftspartner der FIFA. Grillwurst etwa darf nicht auf einem Teller mit FIFA-Logo serviert werden. Es darf kein kommerzielles Interesse bestehen oder mit Sponsoren geworben werden.

Egal, ob das Spiel im TV oder auf Leinwand gebeamt wird: Es dürfen nur offizielle Übertragungen der gängigen deutschen Fernsehsender gezeigt werden.

Hier geht’s zum FIFA-Regularien-Download.  (Achtung, nur auf Englisch)

Die Spiele müssen tatsächlich live gezeigt werden, eben mal Stoppen für eine Pinkelpause ist nicht drin. Ebenso darf nicht zurückgespult oder die Werbung übersprungen werden. Die Übertragung muss 10 Minuten vor Anstoß beginnen und darf frühestens 10 Minuten nach Abpfiff enden. Bei dem ersten und dem letzten Spiel der WM muss die Übertragung schon 20 Minuten vor dem Spiel beginnen und darf frühestens 10 Minuten nach Abpfiff enden, damit auch die Eröffnungs- und Finalfeier übertragen werden.

Der Schriftzug „2018 FIFA World Cup“ darf nur zur Ankündigung des Public Viewings genutzt werden. Weder der Pokal noch das diesjährige Maskottchen „Zabivaka“ dürfen abgebildet werden.

Die GEMA:

Die Fachstelle Medien des Erzbistums München-Freising hat dazu eine Übersicht erstellt.

Da bei der Übertragung der WM-Spiele auch Lieder, Hymnen und Kommentare der Reporter öffentlich wiedergegeben werden, haben die Verwertungsgesellschaften urheberrechtliche Ansprüche. Somit fallen Gebühren an die GEMA an. Die GEMA ist die deutsche Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte aus dem Urheberrecht für Verlage, Texter und Komponisten.

Die Gebühren richten sich nach der Raumgröße und danach, ob es Rahmenprogramm mit Musik gibt. Es wird ein „Kirchen-Rabatt“ von 20 Prozent gewährt.

Der Rundfunkbeitrag (früher GEZ):

Der Rundfunkbeitrag wird vielerorts für die jeweilige Einrichtung bereits bezahlt. Falls nicht, muss der Ort beim „ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice“ angemeldet werden.

Die Technik:

Nachdem die Formalien geklärt sind, kommt die Technik ins Spiel: „Wir leihen uns meistens den Beamer vom Pfarrbüro“, sagt Jens Butterschlot, Vorsitzender der Katholischen Landjugendbewegung in Herzfeld. Der 25-Jährige hat bisher immer Rudelgucken im privaten Kreis organisiert. Der Herzfelder achtet auch auf eine professionelle Leinwand: „Wir haben schon mal eine weiße Folie benutzt, aber das Bild war nicht optimal.“

Wichtig ist der Anschluss für das Signal aus dem Sat-Reciever. Testen der Technik ist vorher wichtig, sonst hat man nachher enttäuschte Gäste: „Reicht das Kabel? Funktioniert der Beamer?“ Die Leucht-Birnen dieser Projektionsgeräte sind empfindlich. Falls sie kaputt gehen, sollte man eine Ersatzbirne zur Hand haben.

Die Location:

Dekoration beim Public Viewing.
Dekoration beim Public Viewing ist natürlich nett, muss aber nicht überdimensioniert ausfallen. | Foto: Marie-Theres Himstedt

„Sitzgelegenheiten schon vorher ordern! Gerade vor der WM sind viele Verleiher von Bierbänken schnell ausgebucht“, rät Jens Butterschlot. Er hat beobachtet: „Die Jungs stehen lieber, die Mädels sitzen ganz gern.“

Bunte Partylichterketten, Fahnen oder die Deutschlandflagge reichen als Dekoration, findet Jens Butterschlot, „die meisten gucken doch nur auf die Leinwand.“

Das Tolle an der WM: Nachbarn rücken zusammen. Die Pfarrgemeinde St. Reinhildis in Hörstel beispielsweise kooperiert mit dem Schützenverein und schaut das zweite Deutschlandspiel am 23. Juni gemeinsam in der Schützenhalle. Davor gibt es einen Familiengottesdienst.

Die Verpflegung:

„Genug Getränke sind das Wichtigste“, findet Jens Butterschlot, „sonst ist die Stimmung schnell im Keller.“ Da die meisten deutschen Spiele zur Abendbrotzeit übertragen werden, empfiehlt er klassische Würstchen mit Brot. „Sonst kommt es wieder zu Diskussionen, wer was möchte, und man kann das Spiel nicht gucken.“ Snacks kann jeder mitbringen und teilen.

Nach dem Spiel:

„Musik ist immer gut“ meint Jens Butterschlot. Sowohl, wenn Deutschland verloren hat als auch bei einem Sieg. Auch hier muss die GEMA berücksichtigt werden. „Mit Musik laufen die Leute nicht so schnell auseinander und man kann noch weiter zusammen feiern.“

Ein Beschluss des Bundesrats hat während der Fußball-WM die Lärmschutzregeln in Deutschland (ab 22 Uhr) übrigens außer Kraft gesetzt.