Antworten von der Liturgiereferentin im Bistum Münster

Sollen Lektoren und Kommunionhelfer Gewänder tragen?

Laien verrichten während der Gottesdienste in vielen Pfarreien ihren Dienst im Altarraum in Zivilkleidung – ob am Ambo oder beim Austeilen des Sakraments der Eucharistie. Dabei sind beides wichtige Aufgaben. Würde es die Würde unterstreichen, wenn sie dabei liturgische Gewänder tragen? Antworten von Nicole Stockhoff, der Liturgiereferentin im Bischöflichen Generalvikariat in Münster.

Sollten Lektoren und Kommunionhelfer im Gottesdienst Gewänder tragen?

Es gibt keinen Grund, es nicht zu tun. Ich persönlich empfehle, dass liturgische Laiendienste ein Gewand tragen sollen, wenn sie im Altarraum mitwirken. Gewänder unterstreichen die Würde und die Festlichkeit der Liturgie. Sie helfen Lektoren und Kommunionhelfern, sich als Person zurückzunehmen, sich in ihre liturgische Rolle einzufinden und letztlich Gott Raum zu geben.

Wer sollte außer Lektoren und Kommunionhelfern Gewänder tragen?

Laien, die Gottesdienste leiten, zum Beispiel Wort-Gottes-Feiern, Krippenfeiern, Segnungsgottesdienste und Beerdigungen.

Wie sieht es bei Andachten und anderen Gottesdiensten aus?

Da halte ich Gewänder nicht für zwingend. Bei Rosenkranzandachten, Kreuzwegen oder Gebeten zu unterschiedlichen Tagzeiten können die Vorsteher und Lektoren ja auch zum Beispiel in der ersten Kirchenbank bei der Gemeinde stehen und vorbeten.

Wie begegnet man der Gefahr einer Klerikalisierung der Laien?

Laiendienste dürfen kein Gewand tragen, das zur Verwechslung mit den Gewändern von Priestern und Diakonen Anlass gibt. Eine Stola geht zum Beispiel nicht.

Sollten Lektoren und Kommunionhelfer – so wie Messdiener – einen Talar in liturgischer Farbe und ein Rochett darüber tragen?

Nein. Talar und Rochett sind von der Entstehung her eher klerikale Gewänder.

Welche Gewänder empfehlen Sie für liturgische Laiendienste?

Eine schlichte Albe. Sie erinnert an das weiße Taufkleid und die Taufwürde, die allen Katholiken gemeinsam ist. Ich würde sie ohne Gürtel tragen, also ohne Zingulum. Frauen und Männer sollten zudem die gleichen Gewänder tragen.

Welche Ausnahme sollte es geben?

Nicole Stockhoff wirbt für „eine größere Vielfalt der Gottesdienste“.
Nicole Stockhoff, Liturgiereferentin im Generalvikariat. | Foto: Jens Joest

Die Beerdigung. Wenn Laien als Beerdigungsleiter ein Gewand tragen, hat das zwei Vorteile: Erstens strahlt es Würde und Sammlung aus, da Beerdigungsleiter in diesem schwierigen Moment die Kirche repräsentieren. Das Gewand macht deutlich, dass es um eine Liturgie geht, die von der Kirche verantwortet wird. Es ist keine weltliche Feier, wo ein Trauerredner am Grab steht. Zweitens gibt ein Gewand den Beerdigungsleitern Halt. Egal, wie gut sie den Verstorbenen kannten – die Beerdigungsleiter sind in ihrer Rolle nicht Teil der Trauernden, sondern übernehmen einen liturgischen Leitungsdienst. Damit stärkt ein würdiges Gewand auch die Trauergemeinde.

Welches Gewand empfehlen Sie für Beerdigungsleiter?

Im Bistum Essen, wo ich vor meinem Wechsel nach Münster gearbeitet habe, sind für Laien, die Beerdigungen leiten, eigens Gewänder angefertigt worden. Und zwar cremefarbige Alben, die am Kragen und in einer schmalen Längsfalte auf dem Rücken minimal violett abgesetzt sind. Das wurde gemacht, weil die Leiter von Beerdigungen oft mit dem ­Rücken zur Trauergemeinde stehen und zum Grab blicken. Die Farbakzente sollen ein Hinweis auf die Auferstehungshoffnung sein und zugleich an die Taufwürde eines jeden Einzelnen erinnern. Deshalb sind zum Beispiel dunkle, anthrazitfarbige Gewänder verworfen worden.

Was ist bei ökumenischen Gottesdiensten zu beachten?

Auch da empfehle ich für Laien cremefarbige Alben. Es kann ja zum Beispiel passieren, dass ein evangelischer Pfarrer im schwarzen Talar mit einer katholischen Pastoralreferentin als Schulseelsorgerin einen ökumenischen Gottesdienst leitet. Damit die Vertreter der Konfessionen gleichrangig aussehen, rate ich hier von Zivilkleidung ab.

Welchen Platz halten Sie für angemessen für liturgische Laiendienste?

Ich finde, Lektoren und Kommunionhelfer sollten gemeinsam mit dem Priester und den Messdienern in die Kirche einziehen. Dann wird gleich deutlich, dass sie im folgenden Gottesdienst eine wichtige Aufgabe haben.

Wie verbindlich sind Ihre Aussagen für das Bistum Münster?

Laien in der Liturgie
Die bekanntesten Aufgaben von Laien in der Liturgie sind die des Lektoren und des Kommunionhelfers. Lektoren tragen vor allem die Lesungen und Fürbitten im Gottesdienst vor. Wer sich dafür eingehender qualifizieren möchte, findet Kurse unter anderem zur Sprecherziehung bei den katholischen Kreisbildungswerken und Familienbildungsstätten. Für Kommunionhelfer ist ein Einführungskurs vorgeschrieben, ehe sie bei der Spendung der Eucharistie assistieren dürfen. Am Ende erhalten sie ein Zertifikat des Bischofs, das sie als Kommunionhelfer in ihrer Heimatpfarrei beauftragt.

Es sind meine persönlichen Vorschläge als Liturgiewissenschaftlerin. Sie stützen sich auf die Rahmenordnung der deutschen Bischöfe „Zum gemeinsamen Dienst berufen“, auf die „Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch“, auf Meinungen anderer Experten und auf meine Erfahrungen aus der Praxis. Ich denke nicht, dass es eine Verordnung im ganzen Bistum schaffen würde, alle Lektoren und Kommunionhelfer zum Tragen von Gewändern zu bewegen. Wenn Pfarreien bereits Gewänder nutzen, begrüße ich das, weil ich viele Vorteile sehe. Ganz praktisch auch den, dass niemand mehr überlegen muss, ob Frauen Kostüm oder Blazer tragen müssen und Männer Anzug und Krawatte, wenn sie als Lektor oder Kommunionhelfer eingeteilt sind. Gewänder kann man auch über Jeans tragen. Anders ist das bei den Leitern von Wort-Gottes-Feiern und Beerdigungen. Hier regelt das jeweilige liturgische Buch, dass eine Albe zu tragen ist.

Was raten Sie Pfarreien?

Jede Pfarrei sollte alle paar Jahre reflektieren, wie sie Gottesdienst feiert. In diesem Prozess können die Gemeinden auch die Frage der Gewänder für Laien abwägen. Wenn dabei klar wird, dass die Widerstände zu groß sind, gibt es überhaupt kein Problem, zunächst einmal auf Gewänder für liturgische Laiendienste zu verzichten. Denn es wäre schade für die Vielfalt der Engagierten, wenn Lektoren oder Kommunionhelfer aufhören würden, weil sie kein Gewand tragen wollen. Allerdings sollten sich alle Engagierten die Würde des liturgischen Dienstes und ihrer Taufberufung deutlich vor Augen führen. Gott ist immer der Erst-Handelnde in der Liturgie. Auf ihn gilt es, sich innerlich wie äußerlich auszurichten.