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Eva Maria Welskop-Deffaa hat den Sozialdienst katholischer Frauen in Recklinghausen besucht. Wie es dort um den Betreuungsverein und die Tafel steht.
Die Zukunft der Betreuungsvereine und die Entwicklung der Tafel Recklinghausen standen im Mittelpunkt eines Besuchs von Eva Maria Welskop-Deffaa beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Recklinghausen. Im Rahmen ihrer Tour durch die Stadt kam die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes am Dienstag, 4. August, mit der Vereinsvorsitzenden Jutta Beeking, Geschäftsführer Giancarlo Cillis und Mitarbeitenden des SkF sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Verwaltung zusammen.
Einen Schwerpunkt des Gesprächs bildete die Situation des Betreuungsvereins im SkF Recklinghausen, heißt es in einer Pressemitteilung. Er übernimmt rechtliche Betreuungen und unterstützt ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer unter anderem durch Beratung, Begleitung und Fortbildungen. Die Reform des Betreuungsrechts stellt die Vereine jedoch vor neue fachliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Hinzu kommen der Fachkräftemangel und zunehmende Schwierigkeiten, Menschen für die Übernahme einer ehrenamtlichen rechtlichen Betreuung zu gewinnen.
Gestiegene Anforderungen für Betreuung
Welskop-Deffaa unterstrich, dass die Arbeit der Betreuungsvereine angesichts einer älter werdenden Gesellschaft wichtiger werde. Immer mehr Menschen könnten ihre Angelegenheiten nicht allein regeln und benötigten Unterstützung in der Vermögenssorge, der Gesundheitssorge oder in Wohnungsangelegenheiten.
„Die Anforderungen an eine fachlich hochwertige rechtliche Betreuung sind gestiegen. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass die Betreuungsvereine ihre Aufgaben auch wirtschaftlich dauerhaft erfüllen können“, erklärte Wiebke Janssen, stellvertretende Geschäftsführerin des SkF Recklinghausen und Fachbereichskoordinatorin für Rechtliche Betreuung und den Betreuungsverein. „Neben verlässlichen finanziellen Rahmenbedingungen brauchen wir ausreichend qualifizierte Fachkräfte und Menschen, die bereit sind, ehrenamtlich Verantwortung für andere zu übernehmen“, so Janssen.
Tafel verhindert Aufnahmestopp
Für die Tafel Recklinghausen, die sich ebenfalls in Trägerschaft des SkF befindet, berichtete Koordinator Daniel Ruppert, dass die Zahl der Kundinnen und Kunden nach Beginn des Krieges in der Ukraine rasch auf mehr als 2.000 gestiegen war und bis Ende 2025 auf diesem hohen Niveau blieb. Seit Sommer 2026 ist sie auf mehr als 1.700 Menschen zurückgegangen. Eine Rückkehr von der 14-täglichen zur wöchentlichen Lebensmittelausgabe sei dennoch nicht möglich. Durch den derzeitigen Rhythmus konnte die Tafel bislang einen Aufnahmestopp für neue Kundinnen und Kunden verhindern. Der Rückgang der Gesamtzahl dürfe zudem nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Not vieler Menschen verschärfe, betonte Ruppert. „Mehrfach in der Woche müssen wir Menschen mit kostenlosen Notversorgungen helfen, damit sie keinen Hunger leiden.“
Positiv entwickelte sich die Menge der gespendeten Lebensmittel. Sie stieg von knapp 486 Tonnen im Jahr 2024 auf 554 Tonnen in 2025. Gründe dafür sind die bessere Versorgung über eine Verteilertafel, die Großspenden annimmt und weitergibt, sowie die verstärkte eigene Spendenakquise. Gleichzeitig bleibt der Betrieb auf das Engagement zahlreicher Freiwilliger angewiesen. Derzeit sind zwischen 110 und 120 Ehrenamtliche bei der Tafel aktiv. Veränderte Erwartungen und Unterstützungsbedarfe im Ehrenamt erhöhen allerdings den organisatorischen Aufwand. Mit Fortbildungen und einem Stammtisch will die Tafel die freiwillig Engagierten deshalb stärker begleiten und miteinander vernetzen.
SkF: „Betreuungsvereine und Tafeln unverzichtbar“
Der Austausch habe laut Cillis deutlich gemacht, dass Betreuungsvereine und Tafeln unverzichtbare Bestandteile der sozialen Infrastruktur seien: „Gemeinsam tragen wir Verantwortung dafür, dass Menschen in schwierigen Lebenslagen verlässliche Unterstützung erhalten. Dafür brauchen wir dauerhaft gute politische und finanzielle Rahmenbedingungen.“