Geistlicher warnt Politik nach Selbstverpflichtungen und Corona-Ausbruch in Lohne

Sozialpfarrer Kossen: „Ausbeutung“ in der Fleischindustrie geht weiter

Die neuen Selbstverpflichtungserklärungen der Fleischindustrie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Werksvertragsarbeitern kritisiert der Lengericher Sozialpfarrer Peter Kossen. Die Ankündigung, Werksvertragsarbeiter in eigenen Tochterunternehmen anzustellen, sei „die gleiche Masche, mit der die Fleischindustrie schon lange Arbeitsmigranten ausgebeutet hat, indem sie als eigener Subunternehmer auftritt und genau damit Löhne und Sozialstandards drückt.“ 

Die Politik dürfe sich von dieser „keineswegs positiven Entwicklung“ nicht täuschen lassen, heißt es in einer Pressemitteilung des Geistlichen, der sich seit geraumer Zeit für die Rechte vor allem von Arbeitsmigranten einsetzt. Der Gesetzgeber müsse „diesen kriminellen Sumpf vollständig trockenlegen“.

Kossen: System ist und macht krank

Angesichts eines weiteren Corona-Ausbruchs in einem Geflügelschlachtbetrieb in Lohne (Landkreis Vechta) werde die Liste unter anderem mit Birkenfeld, Oer-Erkenschwick, Coesfeld, Rheda-Wiedenbrück und Wildeshausen immer länger. Lücken würden einfach wieder geschlossen werden, die „Ausbeutungsmaschinerie für billiges Fleisch“ laufe weiter. 

„Solange die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitsmigranten nicht substanziell verbessert werden, ist kein Ende in Sicht.“ Kossens fordert die Abkehr vom System einer Wertschöpfung, die weitgehend auf der Ausbeutung von Menschen, Tieren und Natur aufgebaut. Dies sei krank und mache krank.

Neuer Corona-Ausbruch in Lohne

In einem Geflügel-Schlachthof im niedersächsischen Lohne bei Vechta hatten sich 66 Personen mit dem Coronavirus angesteckt, wie der Landkreis Vechta am Wochenende mitteilte. Insgesamt wurden bei der Firma Oldenburger Geflügelspezialitäten (OGS), einem „Wiesenhof“-Betrieb, 1.046 Abstriche genommen. Die meisten der neu Infizierten wohnen in den Landkreisen Vechta und Diepholz.

Die Kreisverwaltung in Vechta vermutet, dass sich die Betroffenen überwiegend im privaten Bereich angesteckt haben. In der Firma sei derzeit kein größerer Infektionsherd nachweisbar, daher werde der Betrieb aufrechterhalten. Das Gesundheitsamt habe alle Infizierten bereits in Quarantäne geschickt, hieß es. Die engen Kontaktpersonen seien zum Großteil ermittelt und befänden sich ebenfalls in Quarantäne. Die restlichen Kontakte würden nachverfolgt. Mitte der kommenden Woche sollen alle Mitarbeiter der OGS erneut getestet werden.