Staatssekretär: Kirchen sollen sich weniger mit Tagespolitik befassen

Spahn: Christlich-islamischer Dialog oft zu einseitig und unkritisch

Der CDU-Politiker Jens Spahn hat die Kirchen aufgefordert, mit mehr Selbstbewusstsein die konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit dem Islam zu suchen. In einem Interview mit „Kirche+Leben“ sagte Spahn, der christlich-islamische Dialog sei „sehr einseitig und oft zu unkritisch“. Die Probleme, etwa die Predigtinhalte oder das Frauenbild des Islam, müssten offen diskutiert werden, verlangte der Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium, der aus Ahaus im Münsterland stammt.

Das Interview im Wortlaut finden Sie in der Bistumszeitung „Kirche+Leben“, Ausgabe Nr. 25 vom 25. Juni 2017. Sie ist auch als E-Paper erhältlich.

Es sei „definitiv zu wenig“, wenn Christen Muslime zum Ramadan beglückwünschten. Es gebe viele Bilder von christlichen Würdenträgern, die zum Fastenbrechen in die Moschee gingen, aber nur wenige Bilder von Imamen, die zum Osterfest oder zur Weihnachtsmesse in der Kirche seien. Die Integration muslimischer Einwanderer und ihrer Kultur sei in ganz Westeuropa eine der größten gesellschaftlichen Aufgaben. „Niemand wird abstreiten können, dass es Polen und Portugiesen leichter fällt, sich hier einzufügen“, sagte Spahn. „Wir haben zu viele türkische Moscheen in Deutschland und zu wenige deutsche Moscheen.“

Spahn: Katholikentag soll kein politisches Happenig sein

Die Kirchen rief der Staatssekretär dazu auf, sich weniger mit der „schnelllebigen Tagespolitik“ zu befassen und mehr Orientierung in Fragen des Glaubens zu geben. Er nehme die Kirchen „an den falschen Stellen sehr offensiv wahr“, erklärte Spahn mit Verweis auf Hartz-IV-Sätze, Steuersätze oder die Flüchtlingspolitik. Er wünsche sich, dass sie sich stattdessen vermehrt damit befassten, wie sehr Kirche und Glaube den Alltag und die Kultur prägten. „In der christlichen Botschaft steckt ja ein unwahrscheinliches Potenzial“, sagte der CDU-Politiker, der selbst katholisch ist.

Für den Katholikentag 2018 in Münster forderte Spahn, dass das Treffen nicht nur ein politisches Happening, „so wie ein Gewerkschaftstag“, wird. Er wünsche sich, dass es dann vor allem um Glauben, um Glaubensvermittlung und um Mission gehe sowie um die Frage, „was Katholiken als Salz der Erde von anderen unterscheidet“.