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Zu Beginn seiner Reise warnt Leo vor politischen "Vereinfachern" - und wendet sich erneut gegen Trumps Iran-Krieg.
Papst Leo XIV. hat sich in seiner ersten Rede in Spanien gegen die Versuchung gewandt, mit dem Schüren von Polarisierungen Popularität zu gewinnen. Statt "fruchtloser Vereinfachungen" gelte es die Komplexität der gesellschaftlichen Wirklichkeit anzuerkennen, sagte er am Samstag vor Politikern und Diplomaten im Königspalast in Madrid.
Dies sei eine "besondere Berufung für Europa" und ein Geschenk an die Welt: "Die Vielschichtigkeit schätzen und ergründen, lernen, sie nicht zu leugnen und sie als Segen anzunehmen, jenen identitären Ansätzen entfliehen, die alles zu erklären scheinen, aber die Welt mit Gespenstern und Feinden bevölkern."
Papst würdigt Dialog auch mit Islam
Spaniens Geschichte lehre, "dass nicht die Kultur der Konfrontation, sondern die der Begegnung Stabilität und Wohlstand schafft", sagte der Papst auch unter Verweis auf die historische Präsenz des Islam auf der Iberischen Halbinsel und den Dialog zwischen Christen, Muslimen und Juden. Die katholische Kirche sei bereit, "sich in den Dienst der Zukunft eines Volkes zu stellen, das nach Versöhnung und Frieden sucht".
Leo XIV. warnte, im digitalen Zeitalter verschärften sich Vorurteile, während kritisches Denken geschwächt werde. Er verlangte einen Kurswechsel bei Investitionen in Bildung und Forschung sowie in die Zivilgesellschaft.
Zur Autonomie in Spanien
Sicherheit entstehe, wenn man lerne, "gemeinsam mit anderen voranzugehen, gemeinsam zu wachsen, Seite an Seite". Ohne Basken und Katalanen beim Namen zu nennen, rief er dazu auf, "die Forderungen nach Autonomie und Einheit in Einklang zu bringen".
Die Rede wurde mit stehendem Applaus bedacht. König Felipe VI. hatte zuvor in einer Begrüßungsansprache das Eintreten des Papstes gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche gelobt.
Auf dem Flug: Papst Leo zum Iran-Krieg
Auf dem Flug nach Spanien trat Leo XIV. der Behauptung führender US-Politiker entgegen, der Krieg im Iran sei ethisch gerechtfertigt. "Ich denke, es wurde bereits sehr deutlich gesagt: Es gibt dort keinen gerechten Krieg", sagte er.
US-Vizepräsident James David Vance, 2019 zum Katholizismus übergetreten, hatte sich für die Rechtfertigung des Militärangriffs auf den Iran auf theologische Maßstäbe eines "gerechten Krieges" berufen. Das Konzept geht wesentlich auf den spätantiken Kirchenlehrer Augustinus zurück.
"Das Problem ist, dass die Theorie des 'gerechten Krieges' Jahrhunderte zurückliegt", sagte Leo XIV. "Sie hat die Waffen und die Zerstörungskraft, die der Mensch heute besitzt, nicht einmal vorausgeahnt."
Aufruf an Putin
Den russischen Präsidenten Wladimir Putin rief der Papst zu Verhandlungen mit der Ukraine auf. Auf die Frage von Journalisten, was er Putin sagen würde, nachdem dieser ein Gesprächsangebot des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij abgelehnt hat, sagte Leo XIV.: "Man sollte zu Verhandlungen zurückkehren. Man muss Druck ausüben, damit Gewalt und Krieg enden und eine Lösung gefunden wird."