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Studie: Ärmere Haushalte sind spendabler

Spendenbereitschaft trotzt der Krise – fast 13 Milliarden Euro 2021

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Allen Krisen zum Trotz spenden die Menschen in Deutschland einer aktuellen Erhebung zufolge mehr Geld für gute Zwecke. Die Spendensumme habe sich in den Pandemiejahren 2020 und 2021 "deutlich" erhöht, teilen das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) mit.

Die Institute haben Befragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) für das Berichtsjahr 2019 sowie den DZI-Spenden-Index 2020 und 2021 ausgewertet. Für 2021 rechnen die Studien-Verantwortlichen mit einem Gesamtaufkommen von 12,9 Milliarden Euro, zwei Jahre zuvor betrug die Spendensumme gut zehn Milliarden Euro. Auch für das laufende Jahr zeichne sich wegen der Spendenbereitschaft für die Ukraine - bis Oktober 862 Millionen Euro für die Nothilfe - ein Plus ab.

Beispiel 1: Sachspenden für lokale Organisationen

Im vergangenen Jahr spendeten die Menschen in Deutschland laut der Studie "GfK Charity Scope" im Dezember am meisten Geld. Auch in diesen Wochen nehmen die Spendenaufrufe per Brief oder E-Mail zu. Irmgard Sprenker aus Beckum sagt gegenüber "Kirche-und-Leben.de", sie könne mit den Aufrufen nichts anfangen: „Ich habe da eine große Unsicherheit, da ich nicht weiß, wo das Geld letztlich landet und was damit konkret finanziert wird. Ich helfe lieber direkt den Vereinen und Bewegungen vor Ort.“

Seit vielen Jahren engagiert Sprenker sich bei wohltätigen Organisationen, jüngst kochte sie Marmelade für den guten Zweck ein: „Die örtliche Hospizgruppe verkauft sie dann auf dem Adventsmarkt an ihrem Stand. Eiserwaffeln muss ich auch noch dafür backen.“ Sie verstehe jeden, der aufgrund steigender Preise weniger spenden könne als zuvor: „Ich sehe es ja selbst bei den Lebensmitteln. Mit vier Kindern, die immer Hunger haben, merkt man die Inflation.“

Beispiel 2: Eine feste Gruppe unterstützter Organisationen

Belinda Och aus Oelde-Stromberg will trotz der wirtschaftlichen Lage in Deutschland weiter wie gewohnt spenden. „Ich versuche das trotz der steigenden Kosten bis zur Rente durchzuhalten. Da habe ich noch ein paar Jahre vor mir“, erläutert sie im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“.

Die Spendenbriefe, die sie erhalten hat, werden aber nicht bedient: „Seit Jahren habe ich eine breite Palette von Organisationen aus dem Natur- und Tierschutz, die ich unterstütze. WWF, Greenpeace, Deutsche Umwelthilfe, Vier Pfoten, das Komitee gegen den Vogelmord, eine Bartgeierschule in Österreich.“ Eine Elefantenpatenschaft in Afrika gehört ebenso dazu. „Einzig die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die ich ebenfalls unterstütze, fällt da ein wenig aus dem Rahmen.“

Die Spenden von Belinda Och belaufen sich im Jahr auf eine mittlere vierstellige Summe: „Ich sehe die Spenden als eine Art Ersatzleistung. Mit der Arbeit, dem Haus und dem Garten habe ich keine Zeit, um mich selbst in den Organisationen einzubringen – dann möchte ich wenigstens meinen Anteil zum Naturschutz beitragen und deren wichtige Arbeit damit würdigen.“

Ärmere Haushalte zeigen höhere Spendenbereitschaft

Gemessen am verfügbaren Haushaltseinkommen gaben die einkommensschwächsten Spender mit rund 1,9 Prozent des verfügbaren Einkommens mehr als doppelt so viel wie die einkommensstärksten, die 0,9 Prozent ihres Haushaltseinkommens spendeten. Gleichwohl trugen die einkommensstärksten zehn Prozent der Haushalte deutlich mehr als ein Drittel zum gesamten Spendenaufkommen bei.

Jürgen Schupp, Autor der Studie von DZI und DIW, nannte die Spendenbereitschaft der unteren Einkommensgruppen "bemerkenswert", da sie nur über wenig Rücklagen verfügten. Zu befürchten sei aber, dass angesichts der aktuell hohen Inflation künftig Spenden aus diesen Bevölkerungsgruppen geringer ausfallen oder ganz ausbleiben könnten.

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