Pallottiner Matthias Terhorst unterrichtet im Berufskolleg in Hamm

Sportlehrer, Fußballfan - und Ordensmann

Matthias Terhorst unterrichtet katholische Religion und Sport am St.-Franziskus-Berufskolleg in Hamm. Der 37 Jahre alte Lehrer ist eine lässige Erscheinung: Sportlich, mit Jeans, Hemd und Pulli, könnte er auch als Umschüler oder Student durchgehen.

Wenn an dem katholischen Berufskolleg ein Feiertag oder ein kirchliches Hochfest ansteht, ist er jedoch ganz anders gekleidet: Dann trägt „Herr Terhorst“ das schwarze Gewand der Pallottiner-Brüdergemeinschaft und zeigt sich als Bruder Matthias.

Entscheidung ohne schlaflose Nächte

„Zunächst war meine Entscheidung, Berufsschullehrer zu werden“, verrät der am Niederrhein geborene Terhorst. Während seines Studiums wurde der Kontakt zu den Pallottinern jedoch immer enger. „Ich kannte den Orden flüchtig seit meiner Jugend“, erinnert er sich. Doch erst in den letzten anderthalb Jahren seines Studiums sei das gegenseitige Interesse immer mehr gewachsen.

Die Offenheit der Pallottiner habe ihm besonders gefallen, und schließlich habe sich seine Überzeugung gefestigt, dem Orden beitreten zu wollen. „Das war schon ein langer Prozess, aber ohne schlaflose Nächte“, sagt Terhorst.

Noviziat in Salzburg

Ein Jahr des intensiven Kennenlernens folgte: Viele Wochenenden und Wochen verbrachte er bei den Brüdern. Er nahm an Kursen und Workshops teil und ging schließlich in das Noviziat der Pallottiner nach Salzburg.

„Inzwischen habe ich von vielen Eheleuten in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gehört, dass sie sich so ein intensives Kennenlern-Programm auch vor der Ehe gewünscht hätten“, sagt Terhorst. Nach seinem Noviziat und der Profess, mit der er sich zunächst befristet an den Orden gebunden hat, machte er sein Lehramts-Referendariat am Märkischen Berufskolleg in Iserlohn. Vor gut einem Jahr legte Terhorst auch die „ewige Profess“ ab, mit der er sich zeitlebens an den Orden gebunden hat.

Als Schulseelsorger aktiv

Als Lehrer am Franziskus-Kolleg ist er neben seinem Unterricht in Sport und Religion auch vier Stunden pro Woche als Schulseelsorger aktiv. Durch seine Art hat sich Bruder Matthias gut in das Schulleben integriert: Bodenständig und vielseitig interessiert ist der Lehrer, der neben seiner eigenen sportlichen Leidenschaft auch als Fan des 1. FC Köln mitten im Leben steht.

Terhorst lebt auch nicht in einem Kloster, sondern bildet mit einem Mitbruder eine Wohngemeinschaft in Münster. Für den Weg zur Arbeit hat ihm der Orden ein Auto zur Verfügung gestellt. „Diese Freiheit schätze ich sehr“, sagt der Ordensbruder lächelnd.
In seiner Schule liegt der Schwerpunkt auf den sozialen Berufen. So wird neben Schulabschlüssen auch die Ausbildung zum Erzieher angeboten. Sein Leben als Ordensbruder, das durch Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam gekennzeichnet ist, mag vielen aus der Zeit gefallen scheinen.

Doch sei das am Berufskolleg kein großes Thema: „Ich spreche das in den ersten Stunden mit einer neuen Klasse bewusst an, und dann ist es von meiner Seite auch gut.“
Auch gerade jetzt, da der Missbrauchsbericht der Bischofskonferenz durch die Medien gehe, habe es keine negativen Reaktionen an seiner Schule gegeben. Da Sexualität am  Kolleg in verschiedenen Fächern normaler Unterrichtsbestandteil seien, gebe es Sicherheit im Umgang mit dem Thema, so Terhorst.

Persönliche Begleitung

„Wir bemühen uns sehr um eine offene Betreuung aller Schüler und haben bei individuellen Problemen auch ein engagiertes Team, mit der Schulsozialarbeiterin Mia Reker, einigen Kollegen und mir“, sagt der Lehrer. Das sei für die Schüler persönlich und auch insgesamt gut, damit sie später als Erzieher und in anderen sozialen Berufen gut damit umgehen können.

„Unsere Jugendlichen sind sehr erwachsen und oft auch noch in ihren Gemeinden aktiv“, sagt der Pallottiner. Es herrsche ein aufgeklärter Umgang. Der Beruf des Lehrers ist für Bruder Matthias auf jeden Fall eine wahre Berufung: „Junge Erwachsene auf dem Weg in ihre Selbstständigkeit zu begleiten und in jeder Perspektive Unterstützung an die Hand zu geben, das entspricht meinem christlichen Grundverständnis.