Anzeige
Die polnische Gemeinde findet, ein Bericht erwecke falsche Eindrücke in Bezug auf St. Antonius. Das Bistum Münster reagiert.
Mit einem Offenen Brief kritisieren die Gemeindemitglieder der Polnischen Katholischen Mission Münster einen Bericht zum Verkauf der St.-Antonius-Kirche an die koptisch-orthodoxe Gemeinde. Sie beklagen, das Gemeindeleben mehrerer muttersprachlicher Gemeinden in St. Antonius werde „ignoriert und übergangen“.
Der Bericht der Bischöflichen Pressestelle Münster, der auch bei Kirche+Leben erschien, erwecke den Eindruck, die Antoniuskirche stelle „seit vielen Jahren keinen Mittelpunkt mehr für ein lebendiges katholisches Gemeindeleben“ dar und stehe „quasi leer“. Das sei falsch.
Offener Brief verweist auf aktive Gemeinden
Der Offene Brief verweist auf die muttersprachlichen Gemeinden, deren Zentrum St. Antonius bisher ist: „Allein die polnische Gemeinde zählt dabei mehrere tausend Mitglieder aus Münster und Umgebung.“ Dazu gehörten rund 40 Lektorinnen und Lektoren, Messdienerinnen und Messdiener, „vier Gebetsgruppen, eine Männergruppe und ein sich wöchentlich treffender Bibelkreis“.
Ferner werde muttersprachlicher und Katechese-Unterricht für Kinder angeboten, zudem gebe es Vorbereitungsgruppen für die Erstbeichte, Erstkommunion, Firmung und Ehe. Weitere Aktionen wie das gemeinsame Patronats- und das Fronleichnamsfest aller Gemeinden hätten verbindende und „integrative Wirkung“.
Bistum: Satz kann missverstanden werden
Ehrenamtliche fühlten sich „durch die in dem Artikel getroffenen Aussagen ignoriert und übergangen“, heißt es: „Eine Wertschätzung des von vielen Menschen geleisteten Engagements und der gelebten religiösen Kultur ist nicht zu erkennen.“ Es entstehe gar das Gefühl, „aus der Geschichte der Kirche gestrichen“ zu werden.
Die Bischöfliche Pressestelle reagiert auf die Beschwerde. Eine Erklärung räumt ein, der Satz „Die St.-Antonius-Kirche, ausgenommen die Krypta, wird seitens der Pfarrei bereits seit 2008 nicht mehr genutzt“ könne missverstanden werden.
Bistum Münster stellt klar
Mit „der Pfarrei“ ist die Kirchengemeinde St. Joseph Münster-Süd gemeint, die lediglich noch in der Krypta Gottesdienst feiert. Später im ersten Bericht steht: „Das Bistum Münster nutzt die St.-Antonius-Kirche derzeit noch vor allem für die Gemeinden anderer Sprachen und Riten.“
In der neuen Bistums-Mitteilung heißt es, es sei „ausdrücklich nicht beabsichtigt“, den Eindruck zu erwecken, die Gemeinden anderer Sprache und Riten seien „nicht Teil des kirchlichen Lebens vor Ort“ oder im Bistum Münster. Die Gemeinden gestalteten vielmehr „seit vielen Jahren ein lebendiges Gemeindeleben in der St.-Antonius-Kirche“.
Weihbischof Geerlings: Es braucht neue Räume
Weihbischof em. Dieter Geerlings, Bischöflicher Beauftragter für die Gemeinden anderer Sprache und Riten, erklärt, es sei wichtig, für „die Polnische, Spanischsprachige, Tamilische und Eritreische Gemeinde verlässliche neue Orte für Gottesdienst und Gemeindeleben“ zu finden. Erst dann könne eine Übergabe der Antoniuskirche an die koptisch-orthodoxen Christen „gut gestaltet werden“.
Geerlings betont, die Entscheidung stelle einen „spürbaren Einschnitt“ für die muttersprachlichen Gemeinden dar. Zugleich hätten diese „Verständnis für die Gründe“. In der ersten wie der zweiten Meldung wird betont, das Bistum und die Pfarrei St. Joseph Münster-Süd stünden „in engem Austausch“ mit den betroffenen Gemeinden, um „alternative Räumlichkeiten“ in Münster zu finden.