Abriss verhindert - Würdigung durch Land NRW

Staatspreis für Denkmalpflege für Telgter Johannes-Kirche

Der Rheinisch-Westfälische Staatspreis für Denkmalpflege geht in diesem Jahr nach Telgte. Die Kirchengemeinde St. Marien erhielt den mit 7.000 Euro dotierten Preis, den das Land Nordrhein-Westfalen gestiftet hat und der vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Zusammenarbeit mit dem NRW-Bauministerium organisiert wurde.

Staatssekretär Jan Heinisch überreichte zusammen mit Landtagspräsident André Kuper und Jury-Sprecher Albert Simons von Bockum-Dolffs den Preis an die Vertreter der Kirchengemeinde. Sie würdigten so das Engagement für die ehemalige Pfarrkirche St. Johannes, die durch die Initiative der Bürgerschaft vor dem Abriss gerettet wurde. Sämtliche Beteiligte hätten gemeinsam eine neue langfristige Nutzung für das Gebäude als Gemeindezentrum gefunden haben.

Preis-Bewerbungen aus ganz Westfalen

Aus ganz Westfalen waren Bewerbungen eingereicht worden, bei denen gefährdete Baudenkmäler mit privatem und ehrenamtlichem Einsatz innerhalb der vergangenen zwei Jahren instand gesetzt wurden. Heinisch unterstrich die Bedeutung dieses Engagements: „Wir sind sehr froh, dass es Initiativen, Vereine und Privatpersonen gibt, die sich auf vorbildliche Weise mit viel Zeit und Kraft für ihr Denkmal einsetzen. Denkmalschutz und Denkmalpflege erhalten das kulturelle Erbe Nordrhein-Westfalens und machen es für kommende Generationen zugänglich. Das ist ein zentraler Bestandteil von Heimat. Diese vorwiegend ehrenamtliche Arbeit genießt unsere besondere Wertschätzung.“

Erhaltung der Baukultur

„Private Denkmaleigentümer und bürgerschaftliche Initiativen leisten einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag für die facettenreiche Denkmallandschaft in Westfalen-Lippe“, sagte LWL-Direktor Matthias Löb. „Sie tragen damit ganz wesentlich zur Erhaltung unserer Baukultur und zu einer lebens- und liebenswerten Umwelt in den westfälischen Städten und Regionen bei. Ihr Engagement ist daher für den Erhalt unseres kulturellen Erbes unverzichtbar.“

Die Johanneskirche ist Teil eines ab Mitte der 1960er Jahre in Telgte errichteten Gemeindezentrums mit Pfarrhaus, Kindergarten und später hinzugefügtem Gemeindehaus. Dank eines Initiativkreises konnte das Kirchengebäude nach seiner Profanierung vor dem Abriss gerettet werden.

Lob für Zusammenspiel der Institutionen in Telgte

„Die Kirchengemeinde St. Marien hat einen herausragenden Beitrag zum Denkmalschutz in Westfalen geleistet“, erläuterte LWL-Chefdenkmalpfleger und Jurymitglied Holger Mertens. „Mit ihrem bemerkenswerten Engagement rettete sie ein sakrales Baudenkmal von hoher Bedeutung.“

Die konstruktive Zusammenarbeit der Kirchengemeinde als Denkmaleigentümer, des Bistums Münster, der Stadt Telgte und des LWL sowie die vorbildliche Bau- und Planungskultur haben „zu einer innovativen und denkmalgerechten Lösung“ geführt, lobte das Preiskomitee.

Die Umnutzung

Über einen Architekturwettbewerb wurde die Umnutzung der ehemaligen Johanneskirche zum Gemeindezentrum mit Erweiterungsflächen für den benachbarten Kindergarten erarbeitet. „Der Entwurf der Architekten Feja und Kemper mit seinen zurückhaltend gestalteten neuen Einbauten hat vollends überzeugt“, so Mertens weiter.

Die wie Möbel in das Innere der Kirche eingestellten Architekturen seien so konzipiert worden, dass der Raumeindruck der denkmalgeschützten Kirche in hohem Maße erfahrbar bleibe und substanzielle Eingriffe auf ein Minimum reduziert werden konnten.

Der Rheinisch-Westfälische Staatspreis für Denkmalpflege wird jedes Jahr im Wechsel im Rheinland und in Westfalen ausgelobt. Die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen organisiert den Preis in Kooperation mit dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Neben Albert Simons von Bockum-Dolffs, dem Sprecher der Jury, gehören auch LWL-Chefdenkmalpfleger Holger Mertens und Ulrich Burmeister vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung zur Auswahlkommission. Hinzu kommen Vertreter der Gruppe der privaten Denkmaleigentümer, der Kirchen, der Unteren Denkmalbehörden, des Westfälischen Heimatbundes und von Hochschulen. Die Jury hat im Juni 2017 eine Vorauswahl getroffen und im September 2017 die vorausgewählten Objekte bereist.