Wie der neue Ahauser Pfarrer seine Aufgabe angeht

Stefan Jürgens – Ein Pfarrer für zwei Pfarreien

In gleich zwei Gottesdiensten wird Stefan Jürgens in sein Pfarramt eingeführt, denn er leitet nun zwei Pfarreien. Begrüßt wird der Seelsorger am 30. November um 17 Uhr in Alstätte, in Ahaus ist die Feier am 1. Dezember um 11 Uhr. Im Gespräch erklärt Jürgens seine Aufgabe.

Wie haben Sie sich auf ihre neue Aufgabe als Pfarrer in Ahaus und darüber hinaus in Ottenstein und Alstätte vorbereitet?

Darauf kann man sich nur wenig vorbereiten, es kommt vielmehr auf die Präsenz an, wenn es losgeht. Ich habe mich erst einmal von meiner früheren Aufgabe eingehend verabschiedet. Dann bin ich für zwei Wochen als Pilger ins Heilige Land gefahren. Anschließend habe ich Umzugsvorbereitungen getroffen, viele Gespräche mit Gremien und Einzelnen geführt und die Moderation des neuen gemeinsamen Pastoralteams übernommen. Bei alledem ist mir eine große Gewissheit geschenkt worden: Es passt alles ganz genau, ich freue mich auf die neue Aufgabe und gehe sehr motiviert an die Arbeit.

Sie werden gleich zwei Pfarreien leiten und damit ein Pilotprojekt des Bistums angehen. Wie bewerten Sie diese Herausforderung?

Die Leitung mehrerer Pfarreien ist im Bistum Münster nicht neu. Sie ist auch kein Pilotprojekt, sondern schlichtweg der Versuch, den Mangel an Seelsorgepersonal strukturell auszugleichen. Man sollte das Ganze also nicht schönreden, es geht nicht anders – und einer muss es machen. Ich übernehme diese Aufgabe sehr gern, weil ich davon überzeugt bin, dass viele engagierte Getaufte sich daran beteiligen werden; ihre Motivation wird dadurch erhöht, dass die Pfarreien selbstständig bleiben. In Zukunft werden viele Kolleginnen und Kollegen vor einer solchen Herausforderung stehen, und da ist es gut, wenn man Erfahrungen sammeln kann, wie es funktioniert.

Ihr jüngstes Buch „Ausgeheuchelt“ hat für Furore gesorgt und viele Leser gefunden. Was war die heftigste Kritik am Buch, was das schönste Kompliment? 

Von der Kirchenbasis her, also von engagierten Getauften, gab es bisher nur begeisterte Zustimmung. Das Buch, so sagten viele, sei gut zu lesen und bringe die derzeitige Lage der Kirche sowie deren Reformbedarf exakt auf den Punkt. Manche haben sich bedankt, dass es trotz aller Kritik ein geistliches Buch ist, geschrieben von einem Jesus-Freund. Von den meisten Hauptamtlichen, besonders von den Pries­tern, habe ich bisher nur betretendes Schweigen geerntet; die Kirchenleitung reagiert wie so oft mit Ignoranz. Manche Kollegen jedoch waren erleichtert über die ehrliche Schonungslosigkeit und haben gesagt: „Ich habe es auch so erlebt, es ist alles stimmig.“