Bundespräsident eröffnet Weltversammlung von „Religions for Peace“ in Lindau

Steinmeier: Kein Krieg im Namen der Religion!

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht sich dafür aus, religiöse Repräsentanten aus aller Welt stärker in Friedensprozesse einzubinden. „Religionen können als wirkmächtige und belastbare Förderer des Friedens einen unverzichtbaren und auch unersetzbaren Dienst an den Menschen leisten“, sagte er in Lindau bei der offiziellen Eröffnung der 10. Weltversammlung von „Religions for Peace“ (Religionen für den Frieden). Doch Glaube und Religion könnten auch missbraucht werden: „Als Motivation für im Grunde außerreligiöse Intentionen und politische Ziele.“

Fast tausend Religionsvertreter aus 100 Ländern beraten noch bis Freitag am Bodensee über Lösungen für aktuelle Konflikte. Die Weltversammlung der größten interreligiösen Nichtregierungsorganisation tritt etwa alle fünf Jahre zusammen und findet erstmals in Deutschland statt. Vertreter des Bündnisses waren unter anderem bei den Konflikten in Bosnien-Herzegowina und in Ruanda als Vermittler tätig.

Eine Zumutung für jede Religion

Steinmeier sagte, „Religions for Peace“ mache Ernst mit der Überzeugung, dass Religionen kein Anlass mehr sein dürften für Unfrieden und Krieg, sondern dass sie im Gegenteil Werkzeuge des Friedens sein könnten und müssten. Auch wenn es für jede Religion zunächst einmal eine Zumutung bedeute, „sich in eine Reihe mit anderen Religionen zu stellen - und anderen Religionen gleiche Bedeutung und gleichen Wert zuzusprechen“. Denn jede Religion habe für sich den Anspruch, wahr zu sein. Aber dieser Wahrheitsanspruch könne und dürfe nur friedlich vertreten werden. Steinmeier betonte, die gemeinsame Botschaft von Lindau müsse sein: „Religion darf niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein. Kein Krieg darf geführt werden im Namen der Religion.“

Marx warnt vor Vereinnahmung durch Politik

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, erklärte in Lindau, es sei besorgniserregend, dass die Welt immer häufiger den Verlockungen mehr oder weniger homogener Zivilisationsräume zu erliegen drohe. „Wenn Religionen sich von den Kräften der Homogenisierung und Abgrenzung in den Dienst nehmen lassen, werden sie zu Staats- oder Kulturideologien.“ Sie beschädigten sich damit selbst und ermöglichten Unfrieden.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm nannte RfP „ein Zeichen der Hoffnung in einer aufgewühlten Welt“. RfP stehe dafür, Rassismus, Hass und Gier mit Empathie, Liebe und Freundlichkeit zu überwinden.

Was ist „Religions for Peace“?

RfP ist nach eigener Darstellung in rund 100 Ländern aktiv. Hauptsitz ist New York. Oberstes Ziel der bei den Vereinten Nationen akkreditierten Organisation ist „die Förderung gemeinsamer Aktionen der Glaubensgemeinschaften weltweit zur Stärkung des Friedens“. Die RfP-Weltversammlungen finden etwa alle fünf Jahre statt.

Das aktuelle Treffen in Lindau ist das zehnte seiner Art und das erste in Deutschland. Dazu erwartet werden rund 900 Teilnehmer, darunter Angehörige von ungefähr einem Dutzend Religionen. Die Tagung steht unter dem Motto „Für unsere gemeinsame Zukunft sorgen - das Gemeinwohl für alle fördern“. Die Veranstalter erklärten im Vorfeld, von dem Treffen sollten zwei große Impulse ausgehen: zum einen für den Schutz heiliger Stätten, zum anderen gegen sexuelle Gewalt an Frauen.