Vollversammlung des ZdK tagt in Mainz

Sternberg: Lehramt soll zu Sexualmoral eine Zeit schweigen

Die oberste katholische Laien-Vertretung in Deutschland hält ein zeitweises Schweigen des kirchlichen Lehramts zur Sexualmoral für angebracht. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sagte am Freitag bei dessen Vollversammlung in Mainz: „Vielleicht sollte das Lehramt zu diesen Fragen einfach eine Zeit lang schweigen und diese Themen der Theologie und dem Glaubenssinn der Gläubigen, vor allem den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ihren hoch geschätzten und wichtigen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen überlassen.“

Dann könne es möglicherweise gelingen, beim Thema Sexualität Vertrauen zurückzugewinnen und wirkliche Hilfestellung zu geben, sagte Sternberg unter großem Applaus. Die kirchliche Sexualmoral habe sich seit fünfzig Jahren so weit von der Lebenswirklichkeit der Menschen entfernt, dass sie kaum noch auf Akzeptanz stoße. Das gelte spätestens seit der Enzyklika „Humanae vitae“ 1968 mit dem Verbot künstlicher Empfängnisverhütung. Erst Papst Franziskus habe mit dem Wort „Amoris laetitia“ erste Schritte der Wiederannäherung an das Lebensgefühl der Gläubigen gemacht.

Ökumenischer Kirchentag 2021 in Frankfurt spricht über Geld

Ferner sagte Sternberg, die Hauptthemen des 3. Ökumenischen Kirchentags 2021 in Frankfurt seien abgesteckt. Das Präsidium des Kirchentags habe sich auf „vier Richtungen“ geeinigt. Ein Schwerpunkt seien Fragen des Glaubens und der Spiritualität, außerdem „das Zusammenleben zwischen Konfessionen, Religionen und Nationen sowie zwischen den Geschlechtern und Generationen“.

Ein dritter Schwerpunkt sei der Komplex der internationalen Verantwortung vom Klimawandel bis zum fairen Handel. Ein viertes Thema werde in der Finanzmetropole Frankfurt den Stichworten Geld, Herrschaft und Macht gewidmet sein.

Lob für neue Missbrauchs-Normen

Unmittelbar vor der Vollversammlung hatte Sternberg die neuen päpstlichen Normen zum Umgang mit sexuellem Missbrauch gelobt. Es gebe jetzt weltweit klare Regelungen und mehr Transparenz beim Umgang der Kirche mit Missbrauchstaten, sagte Sternberg im ZDF. Dass der Schutz der Institution über den Opferschutz gestellt werde, sei zum Glück vorbei.

Franziskus hatte am Donnerstag die Einführung einer Meldepflicht und die Einrichtung von zentralen Anlaufstellen für Betroffene in allen Diözesen weltweit angeordnet. Zudem definierte er die Vertuschung von sexuellem Missbrauch als Straftat.

Papst hat Diakoninnen-Entscheidung „aufgeschoben“

Zur Debatte um die Weihe von Diakoninnen sagte Sternberg, der Papst habe eine Entscheidung aufgeschoben. Damit sei keine negative Aussage getroffen. Franziskus sehe sich aber angesichts heftiger innerkirchlicher Kampagnen gegen ihn offenbar nicht in der Lage zu großen Reformen.