ZdK-Präsident weist in Münster Spaltungs-Vorwürfe gegen Synodalen Weg zurück

Sternberg regt Synodal-Versammlungen im Fünf-Jahres-Rhythmus an

Zur Diskussion mit Thomas Sternberg über den Synodalen Weg waren etwa 50 Zuhörer in das Medienhaus des Bistums Münster gekommen. | Video: Michael Bönte
Zur Diskussion mit Thomas Sternberg über den Synodalen Weg waren etwa 50 Zuhörer in das Medienhaus des Bistums Münster gekommen. | Video: Michael Bönte
Christof Haverkamp und Thomas Sternberg

Vorwürfe rechtskonservativer Kreise, der Synodale Weg wolle oder befördere eine Spaltung der katholischen Kirche, hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, scharf zurückgewiesen. Bei einer Veranstaltung von „Kirche+Leben“ im Medienhaus des Bistums Münster betonte er am Mittwochabend: „Nur weil eine kleine Gruppe von Bischöfen und Webseiten laut und immer schärfer gegen den einstimmig von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossenen Prozess wettern, bilden sie nicht die Realität ab. Das Gegenteil ist der Fall.“

Es sei zudem eine Unterstellung zu meinen, beim Synodalen Weg gehe es um einen „deutschen Sonderweg“. Sternberg wies darauf hin, dass international etwa von Medien in den USA, Frankreich und Italien sehr interessiert beobachtet werde, wie „hier in Deutschland Themen verhandelt werden, die in vielen anderen Bereichen der Welt genauso Thema sind“. Auch die Amazonas-Synode im Oktober 2019 im Vatikan habe gezeigt, dass viele Fragen der Kirche in Deutschland auch die Fragen der Kirche etwa in Lateinamerika sind.

„Das hat mit der Realität nichts zu tun“

Zahlreiche Leserinnen und Leser folgten der Einladung ins Medienhaus des Bistums Münster zum Gespräch mit ZdK-Präsident Thomas Sternberg über den Synodalen Weg.Zahlreiche Leserinnen und Leser folgten der Einladung ins Medienhaus des Bistums Münster zum Gespräch mit ZdK-Präsident Thomas Sternberg über den Synodalen Weg. | Foto: Michael Bönte

Zu der Diskussions-Veranstaltung in Münster hatte „Kirche+Leben“ in der Bistumszeitung und im Online-Magazin eingeladen. Rund 50 Interessierte waren zu dem Talk von Chefredakteur Christof Haverkamp mit Thomas Sternberg ins Forum der ehemaligen Bonifatiuskirche gekommen.

Wenige Tage vor Beginn der ersten Synodalversammlung des Reformprozesses in Frankfurt lobte Sternberg die „sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit den Bischöfen. Das sei noch vor einigen Jahren so nicht möglich gewesen. „Zu meinen, nur das ZdK wolle Reformen, während die Bischöfe diese aufmüpfigen Laien nicht im Griff hätten, hat mit der Realität nichts zu tun.“

Sternberg: Ich möchte, dass man uns wieder glaubt

Zugleich wehrte sich der ZdK-Präsident gegen ein Ausspielen von Strukturreformen und Evangelisierung: „Die beste katholische Mission war immer schon die in Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern.“ Evangelisierung heiße, die Kirche und die Gesellschaft evangeliumsgemäß zu gestalten. „Ich will nicht möglichst viele Christen, sondern dass möglichst viele um unseren Glauben wissen“, sagte Sternberg.

Er hoffe, dass sich durch den Synodalen Weg etwas in der Wahrnehmung der katholischen Kirche und der Gemeinschaft der Glaubenden in Deutschland ändert: „Ich wünsche mir sehr, dass man uns wieder mehr glaubt, dass wir wieder glaubwürdiger werden.“

„Vielleicht gibt es bald ein Konzil“

„Kirche+Leben-Chefredakteur Christof Haverkamp (links) im Gespräch mit ZdK-Präsident Thomas Sternberg„Kirche+Leben-Chefredakteur Christof Haverkamp (links) im Gespräch mit ZdK-Präsident Thomas Sternberg im Medienhaus des Bistums Münster. | Foto: Michael Bönte

Der ZdK-Präsident richtete schon vor der ersten Synodalversammlung den Blick auf die Zeit nach dem Synodalen Weg. Er könne sich auch danach in einem Fünf-Jahres-Rhythmus „Synodale Versammlungen“ der katholischen Kirche in Deutschland vorstellen. „Papst Franziskus ermutigt immer wieder zu dieser ‚chiesa sinodale‘, einer synodalen Kirche. Es ist an uns, diesen Wunsch auszugestalten.“

Darüber hinaus würden Fragen, die nicht in Deutschland entschieden werden können, als Votum nach Rom geschickt werden. „Vielleicht gibt es ja schon bald ein Konzil, das darüber entscheidet und dann auf unsere Überlegungen im Synodalen Weg zurückgreifen kann“, sagte Sternberg.

Lob für Leser, Ermutigung für Redaktion

Ausdrücklich dankte der ZdK-Präsident den rund 100 Lesern von „Kirche+Leben“, die auf Bitten von Bistumszeitung und Online-Magazin ihre Stellungnahme zu den verschiedenen Themen des Synodalen Wegs formuliert und eingereicht haben. „Diese Positionen werden wir in den nächsten vier Print-Ausgaben veröffentlichen und an den Synodalen Weg weiterleiten“, kündigte Chefredakteur Christof Haverkamp an.

Sternberg ermutigte die Redaktion: „Wir brauchen die katholischen Medien! Begleiten Sie bitte den Synodalen Weg kritisch und mit Sympathie."