ZdK-Chef: Europa war immer offen für Vielfalt

Sternberg warnt vor Missbrauch des Begriffs „christliches Abendland“

Der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, warnt vor einem Missbrauch des Begriffs „christliches Abendland“. Dieser eigne sich nicht zur Abgrenzung, sagte Sternberg am Sonntag in Düsseldorf.

Zwar sei der überwiegende Teil Europas in zwei Jahrtausenden mehr durch das Christentum als durch andere Religionen geprägt worden. Aber zum typisch Christlichen an Europa gehöre, dass der Kontinent anschlussfähig auch für einen religiös-weltschaulichen Pluralismus sei.

Arabische Quellen im Mittelalter

Zum besten Erbe des Christentums gehörten Humanität und Menschenwürde, sagte der Chef des obersten katholischen Laiengremiums. Dies schließe eine prinzipielle Offenheit und Dialogfähigkeit ein. So habe im Mittelalter der Theologe Thomas von Aquin arabische Quellen verarbeitet und auf diese Weise das Gedankengut eines anderen kulturellen Ursprungs aufgenommen und integriert.

Sternberg verwies auch auf das Solidarprinzip, das sich auch aus dem jesuanischen Gebot der Nächstenliebe speise. Dabei sei auch der Flüchtende und sozial Abgehängte der Nächste. Solidarität in der christlichen Sozialethik werde also nicht einfach als bloße Hilfe für andere verstanden, sondern auch als Forderung, die weltweiten Verflechtungen und das Ganze im Blick zu halten.

Identität braucht keine Abschottung

Die christliche Ethik sei nicht schon mit der Festlegung der Evangelien abgeschlossen gewesen, sagte Sternberg. Daher sei eine christliche Identität Europas nichts Starres oder Statisches, was durch Abschottung und Abwehr von fremden Einflüssen bewahrt werden könnte.

Sie müsse entwicklungsoffen und fähig sein, mit neuen Einflüssen und veränderten Rahmenbedingungen umzugehen und sie nach Prüfung auch zu adaptieren, sagte der ZdK-Präsident bei einem Neujahrsempfang, zu dem die Diözesangruppe Düsseldorf des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) eingeladen hatte.