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Seit Juni 2025 befasste sich Rom genauer mit der niederösterreichischen Abtei. Was die Visitatoren herausfanden und was daraus folgt.
Nach monatelangen Untersuchungen ist die Apostolische Visitation im niederösterreichischen Stift Heiligenkreuz abgeschlossen. Der Abtpräses der Österreichischen Zisterzienserkongregation, Pius Maurer OCist, habe die Ergebnisse im Auftrag des vatikanischen Dikasteriums für die Institute des geweihten Lebens und für die Gesellschaften des apostolischen Lebens am Mittwoch den Mönchen vorgestellt, teilte die Abtei mit.
Im Zug der Untersuchung hätten die beiden Visitatoren, Abtprimas Jeremias Schröder OSB und Schwester Christine Rod MC, Gespräche „mit etwa 90 Ordensmännern sowie zahlreichen externen Personen“ geführt.
Die Mönche müssten sich in den kommenden Monaten und Jahren intensiv mit den Anweisungen des Dikasteriums befassen, um an einer „Vertiefung des Glaubenslebens und der Zukunftsfähigkeit der Gemeinschaft“ zu arbeiten. Durch das „rasche Wachstum“ seien dem Stift „große innere strukturelle Herausforderungen“ entstanden.
Ausführliche Anweisungen
Die Anweisungen des Vatikans zielen der Abtei zufolge unter anderem auf eine verbesserte Kommunikation nach innen und außen, strategische Überlegungen zur Zukunft des Stifts und eine Priorisierung der Aufgaben. Zudem gehe es um eine Reflexion der theologischen und spirituellen Ausrichtung, die Vertiefung der Heranführung junger Menschen an das monastische Leben und das Priestertum sowie um eine Schärfung von Identität und Selbstbild der Abtei.
Visitatorin Rod lobte die Zusammenarbeit während der Untersuchung. Sie habe das Stift als spirituellen Ort kennengelernt und eine „große Kooperationsbereitschaft“ erlebt, wird die Ordensfrau zitiert. Abtpräses Maurer sagte, dass bei Vorwürfen gegen einzelne Mitglieder in Heiligenkreuz nach kirchlichen und staatlichen Vorgaben gehandelt werde. Das Stift habe „viele gute Mönche“, die dafür sorgten, dass die Gemeinschaft weiter „dynamisch und monastisch“ bleibe.
Der Nationaldirektor von „Missio Österreich“, Pater Karl Wallner OCist, bedankte sich auf Facebook für die „Aufbruchstimmung“, die die Visitation ausgelöst habe. „Was für eine Gnade, zu einer so großartigen Gemeinschaft zu gehören“, schrieb er. Die beiden Visitatoren hätten „wunderbare“ Arbeit geleistet. Gleichzeitig bekannte Wallner, dass die Gemeinschaft „neuen ,Saft‘“ brauche. Man sei wohl „zu schnell und zu stark“ gewachsen, während ein „Gesamtziel“ fehle. Wallner wies zudem darauf hin, dass er seit 2016 vor allem mit der Arbeit für die Päpstlichen Missionswerke beschäftigt sei und die meiste Zeit in Wien wohne. „So habe ich einiges nicht mitbekommen […].“
Weitere Ermittlungen
Der Vatikan hatte Mitte Juni 2025 eine Apostolische Visitation für den Herbst angekündigt. Das zuständige Dikasterium wollte sich nach eigenen Angaben ein genaues Bild von der Situation des monastischen Lebens und der Leitung der Abtei verschaffen.
Ebenfalls seit vergangenem Jahr ermittelte die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt wegen mehr als 30 anonymer Schreiben mit teils gravierenden Vorwürfen gegen das Stift. Die Briefe gingen seit März 2025 in der Abtei sowie bei mehreren kirchlichen Institutionen und Würdenträgern ein. Ob ein Zusammenhang mit der Apostolischen Visitation besteht, ist nicht bekannt.