Zwei der drei Diebe bei Pfarrer Dördelmann

Stiftskreuz-Diebe treffen Pfarrer und bitten um Vergebung

Reumütige Räuber: Zwei der drei Diebe des Borghorster Stiftskreuzes haben sich beim Steinfurter Pfarrer Markus Dördelmann persönlich entschuldigt. „Es war für mich eine denkwürdige Begegnung“, sagte er am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur. Die beiden Männer hätten ihn am Rosenmontag bei einem Freigang mit dem katholischen Bremer Gefängnisseelsorger besucht.

Bei dem zweieinhalbstündigen Gespräch sprachen die Diebe laut Dördelmann von einem „Riesenfehler“. Dabei sei auch die Rolle ihrer Eltern klar geworden. Diese hätten als gläubige Muslime ihren Söhnen deutlich gemacht, dass sie sich weder an einer Moschee noch an einer Kirche vergreifen dürfen.

Der Pfarrer und Kreisdechant nahm nach eigenen Worten die Entschuldigung dankbar an. Zudem bekundete er Respekt für die beiden. Die Männer aus einer mafiaähnlich organisierten libanesisch-arabischen Bremer Großfamilie hätten einiges riskiert; ihr Vorgehen habe in der Szene nicht nur Beifall gefunden. Deshalb habe er ihnen auch Hilfe bei möglichen Schwierigkeiten angeboten.

Nun im offenen Vollzug

Das vor mehr als drei Jahren aus der St.-Nikomedes-Kirche in Steinfurt-Borghorst gestohlene Kreuz aus dem 11. Jahrhundert war Mitte Februar wieder aufgetaucht. Informationen zur Wiederbeschaffung kamen von den beiden reumütigen Tätern. Sie verbüßen – im Gegensatz zum dritten Täter – ihre mehrjährige Freiheitsstrafe nun im offenen Vollzug.

Eine wesentliche Rolle bei der Wiederbeschaffung spielte ein weiterer Mann, der als Auftraggeber des Raubes verdächtigt wird. Er hat laut Landgericht Münster kein Schuldgeständnis abgelegt, aber gesagt, für eine Rückgabe des Kreuzes sorgen zu können, weil er den Besitzer kenne. Ein Tag nach der Übergabe des Kreuzes in einer Bremer Anwaltskanzlei wurde der 42-Jährige nach fünf Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen. Er muss sich ab Mittwoch, 8. März, vor dem Landgericht verantworten.