Anzeige
Komm in den Login KLup
___STEADY_PAYWALL___

Cloppenburger Ludger Bürmann hat Spaß an Spenden

Stoff gegen Spende: Atze Schröders Bühnenvorhang hilft vielen Kindern

Anzeige

Warum bietet jemand 500 Euro für einen gebrauchten Bühnenvorhang? Für den Cloppenburger Ludger Bürmann war es ein Spaß und das Gefühl, damit wichtige Projekte für Kinder und Jugendliche zu unterstützen. So etwas macht er öfter, besonders seit einer dramatischen Erfahrung vor 21 Jahren.

Das Paket lagert seit vier Wochen bei ihm im Schrank. 96 Quadratmeter Stoff, 48 Kilo schwer, sorgfältig gefaltet, 16 mal sechs Meter. Was er damit machen will? „Ich habe keine Ahnung“, antwortet Ludger Bürmann lächelnd auf die Frage danach. Aber darum ging es dem Cloppenburger auch gar nicht, als er bei der Internet-Versteigerung sein Gebot abgab: für den Bühnenvorhang einer Atze Schröder-Tournee.

Eher zufällig hatte der 59-Jährige auf einem Internet-Portal für Wohltätigkeitsprojekte von der Versteigerung gelesen. Den Comedian mit Pilotenbrille und der Lockenfrisur kannte er aus dem Fernsehen, ein ausgesprochener Fan ist er nicht. „Aber ich fand die Auktion einfach lustig und dachte: Warum nicht?“ 500 Euro war ihm der Spaß wert. So etwas macht er öfter mal, wenn es um einen guten Zweck geht.

 

Spenden sind für Cloppenburger gut angelegtes Geld

 

Diesmal war es die Aktion „Roter Keil“ gegen Kinderprostitution und Missbrauch. Seit 20 Jahren setzt sich das maßgeblich vom Steinfurter Pfarrer Jochen Reidegeld gegründete Netzwerk für bedrohte oder betroffene Kinder und Jugendliche ein. Es unterstützt Kinderheime etwa in Sri Lanka, Sierra Leone oder auf den Philippinen oder hilft Aufklärungs- und Präventionsprojekten auch in Deutschland. „Ich freue mich, dazu etwas beitragen zu können“, sagt Ludger Bürmann und nickt. Die Spende erschien ihm gut angelegtes Geld.

Denn das sind Themen, die manchmal ganz nah dran sind an seinem Berufsalltag. Der Diplom-Pädagoge ist Experte für die Schulung von Berufsausbildern. Dabei hat er oft auch mit jungen Leuten zu tun. Er erinnert sich gut an eine Kursteilnehmerin vor ein paar Jahren. „Ich wusste, dass sie in ihrer eigenen Familie aufs Schwerste sexuell missbraucht worden war. Sie hat mir viel von sich erzählt. So etwas geht einem nicht wieder aus dem Kopf.“

 

Ludger Bürmann will etwas von seinem eigenen Glück zurückgeben

 

Auch deshalb hat ihn das Projekt „Roter Keil“ interessiert. So sehr, dass Ludger Bürmann plant, zu den 500 Euro für den Bühnenvorhang noch etwas hinzu zu geben: ein Viertel seines Honorars für den nächsten Ausbilderkurs soll ebenfalls an das Netzwerk fließen. Wenn der Kurs voll wird, könnten das bis zu 2000 Euro werden.

Er erzählt davon, als sei Spenden das Normalste von der Welt. Und für ihn ist es das in gewisser Weise auch. Besonders, seit er vor 21 Jahren eine Hirn-Operation überstanden hat. Damals wurde ihm in der Hamburger Uniklinik ein Tumor entfernt. Alles ging gut aus – und prägte sein künftiges Leben und Denken neu.

 

Er hat eine ganze Förderschule ins Kino eingeladen

 

Eine Miniatur-Kopie von Ludger Bürmann.Die Miniatur-Kopie von Ludger Bürmann aus einem 3-D-Drucker hat er für ein Wohltätigkeitsprojekt für das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erhalten. Eine Kopie steht im Miniatur-Wunderland in Hamburg.  | Foto: Michael Rottmann

„Ich habe damals Glück gehabt, dass ich mit meiner Erkrankung die richtigen Menschen getroffen habe“, sagt er. Hinterher sei ihm klar geworden: „Hätte ich diese Unterstützung nicht gehabt, wäre ich heute vielleicht nicht mehr am Leben.“ Nach dieser Erfahrung drängte es ihn einfach, Menschen zu helfen, ihnen etwas vom eigenen Glück weiterzugeben. Zum Beispiel den Kindern und Jugendlichen, denen der „Rote Keil“ hilft. Aber nicht nur ihnen.

Wenn Ludger Bürmann seine Geschichten erzählt, ist immer wieder davon die Rede, wie er sich bemüht, mit Geld, aber auch mit Einsatz und Ideen, benachteiligten Kindern und Jugendlichen eine Freude zu machen, zum Beispiel den Schülerinnen und Schülern des St.-Vincenz-Hauses in Cloppenburg, einer kirchlichen Förderschule. Als er nach einer Spende eine Kino-Vorführung für 100 Leute gewinnt, lädt er die ganze Schule ins Kino ein. Er hätte auch Freunde, Nachbarn und Kollegen nehmen können. „Aber das macht doch nicht so viel Spaß“, sagt er.

 

Abgeben ist für Bürmann Zeichen gegen Neid und Missgunst

 

Ein anderes Mal sorgt er dafür, dass Paulo Sergio, brasilianischer Fußball-Weltmeister und Champions-League-Gewinner, zu einem Trainingsnachmittag mit den Kindern an die Förderschule nach Cloppenburg kommt. Noch immer hat er die Begeisterung in den Augen der Kinder vor sich und lächelt. „Es gibt mir innere Zufriedenheit“, erklärt er. „Zum Beispiel, wenn ich sehe, wie viel Spaß und Freude sie haben.“

Für Bürmann ist Abgeben auch ein Zeichen gegen andere Trends. Er spricht über Neid und Missgunst. „Die Begriffe spielen in unserer Gesellschaft eine ganz große Rolle. Aber durch so etwas macht man es sich nur selber schwer. Dabei hat man nichts davon. Im Gegenteil: Man wird nur bösartiger. Und das ist genau der falsche Weg. Man kann doch viel besser versuchen, anderen eine Freude zu machen.“

 

Glaube ist für ihn wichtig

 

Viele der von ihm unterstützten Projekte sind kirchlich. „Glaube ist wichtig“, sagt Ludger Bürmann. Er kann aus seinem Leben Geschichten erzählen von Situationen, die er sich nur als glaubender Mensch erklären kann. Auch das Beispiel seiner vor einem Jahr gestorbenen Mutter hat ihn geprägt, ihr unendliches Gottvertrauen. „Wenn ich keinen Glauben habe, dann habe ich keine Vision“, hat er in seinem Leben gelernt. „Dann kann ich nicht nach vorne denken.“

Dass er selbst nach seinem Hirntumor weiter nach vorne denken kann, dafür ist er besonders dem Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) dankbar. Als er ein Projekt der Kinderabteilung unterstützen sollte, ließ er sich nicht lange bitten. Im Gegenzug gab es etwas, über das er sich besonders freut: Das Klinikum ließ mit dem 3-D-Drucker eine Miniatur-Kopie des Handball-Fans ausdrucken. Die Figur ist auf einem Handball-Feld des Miniatur-Wunderlands in Hamburg zu sehen.

Das Netzwerk „Roter Keil“
Das vom Steinfurter Pfarrer Jochen Reidegeld maßgeblich mitgegründete Netzwerk Roter Keil setzt sich seit 20 Jahren für Kinderrechte und Kindeswohl ein. Es hat dabei insbesondere das Thema sexueller Missbrauch im Blick und unterstützt Hilfs- und Präventionsprojekte in Deutschland und weltweit. Der Comedian Atze Schröder zählt zu den prominenten Gesichtern, die das Netzwerk als „Schutzengel“ unterstützen. Außer ihm gehören derzeit dazu zum Beispiel auch Sängerin Helene Fischer, Ex-Bundesliga-Torhüter Roman Weidenfeller oder die ehemalige Bundesministerin und Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth (CDU).

Drucken
Anzeige