Hat er Geld von einer nicht geschäftsfähigen Person angenommen?

Strafermittlungen gegen Aachener Weihbischof Bündgens

Der Aachener Weihbischof Johannes Bündgens (63) ist wegen des Vorwurfs der Untreue vor dem Amtsgericht Kerpen angeklagt. Das teilte Gerichtssprecher Joachim Rau am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit. Ihm werde vorgeworfen, 127.000 Euro von einer älteren Frau angenommen zu haben, die möglicherweise zu dem Zeitpunkt bereits nicht mehr geschäftsfähig gewesen sei, sagte Rau. Ob es zu einer Verhandlung komme, sei derzeit noch offen.

Laut Amtsgericht nahm die Staatsanwaltschaft Köln bereits im Frühjahr 2018 Ermittlungen auf. Es gehe um Geldzahlungen einer heute 78-jährigen Frau, die Bündgens offenbar schon länger gekannt habe, so Rau. Sie habe ihm eine Vollmacht für ihr Konto erteilt. Von diesem Konto habe der Geistliche zwischen Dezember 2017 und Januar 2018 insgesamt 127.000 Euro auf sein Privatkonto überwiesen.

Bündgens zahlte Geld komplett zurück

Als der Frau später ein gesetzlicher Betreuer zur Seite gestellt wurde, sei diesem der Transfer der ungewöhnlich hohen Geldsumme aufgefallen. Das Betreuungsgericht habe daraufhin die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Bündgens habe die Summe gemäß einer entsprechend getroffenen Vereinbarung inzwischen komplett zurückgezahlt.

Der Weihbischof habe angegeben, der Frau als Gegenleistung für die 127.000 Euro ein lebenslanges Wohnrecht in einer von ihm erworbenen Immobilie in Aachen eingeräumt zu haben, so Rau weiter. Dies sei aber nicht im Grundbuch vermerkt. Zur Umsetzung sei es nach Angaben von Bündgens nie gekommen, weil sich der Gesundheitszustand der Frau verschlechtert habe.

Bündgens lässt alle Ämter ruhen

Die Anklage sei dem Weihbischof im Oktober zugestellt worden. Seine Verteidiger hätten dazu eine Einlassung abgegeben. Aktuell liege die Akte noch einmal zur Stellungnahme bei der Staatsanwaltschaft Köln.

Der Aachener Weihbischof lässt wegen Strafermittlungen gegen ihn alle Ämter ruhen. Das teilte der Aachener Generalvikar Andreas Frick am Donnerstag vor Journalisten mit. Der Weihbischof, der sich zurzeit auf einer Auslandsreise befinde, habe ihn am Dienstagabend über Ermittlungen gegen seine Person informiert. Aachens Bischof Helmut Dieser sei „schockiert“ über den Vorwurf und dränge auf vollständige Aufklärung, so Frick. Bündgens, der sich auf einer Auslandsreise befinde, lasse seine Ämter als Weihbischof, Bischofsvikar und Domkapitular ruhen. Der Weihbischof habe ihn am Dienstagabend über die Ermittlungen gegen seine Person informiert, so Frick.

Wer ist Johannes Bündgens?

Bündgens wurde am 2. April 1956 in Eschweiler geboren. Nach dem Abitur studierte er Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. 1980 empfing er dort die Priesterweihe. Nach Kaplansjahren in Viersen-Dülken promovierte Bündgens in Rom. 1991 übernahm er die Leitung der Fortbildungsabteilung im Generalvikariat. Im selben Jahr ernannte Bischof Klaus Hemmerle ihn zum Spiritual am Aachener Studienkonvikt in Bonn, dem Collegium Leoninum, 1997 auch zum Spiritual für die ständigen Diakone. Seit 2002 war er Pfarrer in Heimbach.

2006 wurde er Weihbischof und Domkapitular. Bündgens gehört dem Diözesanpriesterrat an und ist Bischofsvikar für das Caritaswesen im Bistum. Zudem steht er an der Spitze des Verwaltungsrats des katholischen Hilfswerks missio in Aachen.

UPDATE (14:38): Stellungnahme des Amtsgerichts Kerpen (mn)