Heikle Glaubensfragen

Streit um zum Christentum konvertierte Flüchtlinge

Der Fall ist heikel für Kirchen und Politik: Da ersticht ein 41 Jahre alter verdächtiger Flüchtling aus Afghanistan im oberpfälzischen Arnschwang einen Jungen. Zuvor hatte der Mann wegen schwerer Brandstiftung im Gefängnis gesessen und war dort zum Christentum konvertiert. Deshalb wurde er nicht abgeschoben.

In einer Zeit, in der Vertreter aller Parteien mit Blick auf den Berliner Attentäter Anis Amri eine konsequente Abschiebung von Straftätern unter den Asylbewerbern fordern, stellen sich Fragen mit neuer Schärfe: Erschleichen sich Flüchtlinge mit einem vermeintlichen Übertritt zum Christentum bessere Chancen auf Asyl? Prüfen die Kirchen die Ernsthaftigkeit der Konvertiten ausreichend? Und wie gehen sie mit ihrem Auftrag zur Mission um?

Landesbischof: „Erschlichene Taufen können nicht geduldet werden“

Die Kirchen stehen unter Druck: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erklärte, er erwarte von Kirchen und Gerichten, „dass sie sich sehr genau anschauen, ob einer wirklich zum Christentum übertritt“. Auch Ralf Meister, Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, rief die Kirchen am Mittwoch zu kritischer Prüfung auf. „Missbräuchliche, erschlichene Taufen können nicht geduldet werden“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Dabei zeigen sich die offiziellen Kirchenvertreter mit Blick auf die Taufe von Muslimen sehr zurückhaltend. In einer im Frühjahr veröffentlichten Handreichung unterstreicht etwa das katholische Bistum Aachen, dass „Menschen in Abhängigkeitsverhältnissen – und das kann auch auf Geflüchtete zutreffen – nicht zur Taufe geführt werden dürfen“. Flüchtlingen müsse deutlich gemacht werden, dass mit der Konversion nur in wenigen Fällen ein gesicherter Aufenthaltsstatus verbunden sei.

Heße: Taufvorbereitung ist Voraussetzung

Der in der katholischen Bischofskonferenz für Flüchtlingsfragen zuständige Hamburger Erzbischof Stefan Heße betonte kürzlich: „Jeder, der sich Christus anschließen will, ist uns willkommen.“ Zugleich setze die Taufe in der katholischen Kirche jedoch einen längeren Prozess voraus, in dem ein Mensch mit der Lehre und dem Leben der Kirche vertraut gemacht werde. „Angesichts dieses Vorbereitungsweges, der in der Regel ein Jahr dauert, ist ein Missbrauch des Taufbegehrens auch so gut wie ausgeschlossen.“

Und der Pressesprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, ergänzte, dass die Taufe allein in der Regel noch keinen Asylanspruch begründe. Sie könne dann einen Schutz vor Abschiebung zur Folge haben, wenn „im Heimatland mit beachtlicher Sicherheit eine Verfolgung aus religiösen Gründen zu erwarten ist“.

Das katholische Bistum Augsburg wies unterdessen Vorwürfe wegen der Taufe des Afghanen zurück. Der Leiter des Seelsorgeamts, Bertram Meier, sagte, die Bewerber stünden in engem Kontakt mit Seelsorgern, die sie in den Glauben einführten. Die Seelsorger könnten so die Ernsthaftigkeit prüfen.

Keine genauen Zahlen zu Taufen von Flüchtlingen

Konkrete Zahlen über Konversionen muslimischer Flüchtlinge gibt es nicht. Für die katholischen Bistümer liege auch keine Schätzung vor, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bischofskonferenz. Die evangelischen Landeskirchen und die Freikirchen hatten im vergangenen Jahr von mehr als 2.000 Konversionen seit 2014 gesprochen. Zugleich erklärten sie, es gebe eine beträchtliche Dunkelziffer, weil manche Pfarrer in Eigeninitiative auf die Taufe vorbereiteten.

Offenkundig ist, dass die meisten Konvertiten aus dem Iran stammen. Kirchenvertreter betonen, dass zumindest ein Teil von ihnen schon dort Christ geworden sei, aber wegen drohender Todesstrafe noch keine Taufe erhalten habe. Vor diesem Hintergrund warfen kürzlich Vertreter der evangelischen Landeskirchen und der Freikirchen Asylentscheidern vor, Anträge von christlichen Iranern fälschlicherweise abgelehnt zu haben.

Wer prüft Ernsthaftigkeit der Kirchenmitgliedschaft?

Die Organisation Open Doors fordert deshalb eine Neuüberprüfung. Die zuständigen Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge besäßen nicht die notwendige Qualifikation, um die Aufrichtigkeit der Konversion zu prüfen. Auch der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, erklärte: „Ob jemand es mit der Kirchenmitgliedschaft ernst meint, dürfen allenfalls die Kirchen selbst beurteilen.“