Eine Million junge Menschen befragt

Studie: Junge Europäer misstrauen Politik und Kirche

Junge Europäer setzen kaum Vertrauen in Politik und religiöse Institutionen. Das ergab die nach eigenen Angaben größte europäische Jugendstudie „Generation What?“, die am Mittwoch vorgelegt wurde. Beinahe eine Million Menschen zwischen 18 und 34 Jahren aus 35 Ländern beteiligte sich.

So hätten 45 Prozent der Befragten überhaupt kein und 37 Prozent eher kein Vertrauen in die Politik, teilte der Bayerische Rundfunk mit, der die Studie in Deutschland zusammen mit ZDF und Südwestrundfunk begleitet. Positiver gestimmt sind junge Deutsche: Nur 23 Prozent gaben an, überhaupt kein Vertrauen in die Politik zu haben – europaweit der niedrigste Wert.

Vertrauens-Skala: Kirchen belegen letzten Platz

Besonders kritisch sehen junge Griechen (67 Prozent), Franzosen (62 Prozent) und Italiener (60 Prozent) die Politiker. Die Europäische Union wird trotz ihrer Fehler vom Großteil der jungen Leute als „nützlich für das eigene Land“ wahrgenommen.

Noch bis Mitte April abstimmen
Auch nach Veröffentlichung der Ergebnisse können junge Europäer auf www.generation-what.de noch bis Mitte April abstimmen.

Die Kirchen schnitten bei der Umfrage schlecht ab. Von allen Institutionen wird den religiösen am wenigsten Vertrauen entgegengebracht: 58 Prozent der jungen Europäer vertrauen ihnen laut Studie gar nicht, weitere 28 Prozent eher nicht. Volles Vertrauen gaben in allen Ländern jeweils weniger als drei Prozent der Befragten an. Das größte Misstrauen gegenüber religiösen Institution herrscht in der Schweiz und in Griechenland (je 70 Prozent).

Sorge wegen sozialer Ungleichheit

Große Sorgen bereitet den jungen Europäern wachsende soziale Ungleichheit. Fast 90 Prozent nähmen eine solche Entwicklung in ihren Heimatländern wahr. Selbst im wirtschaftlich starken Deutschland ist die häufigste Zukunftsangst jene vor sozialen Unruhen. Dennoch blickt eine Mehrheit der jungen Europäer vorsichtig gelassen in die Zukunft: 55 Prozent zeigten sich optimistisch, 43 Prozent pessimistisch.

Das Sinus-Institut, das die Ergebnisse für Deutschland auswertet, erklärt das Ergebnis mit einem „Bewältigungsoptimismus“. Die Jugendlichen seien mit zahlreichen Krisen aufgewachsen, etwa dem 11. September 2001, der Finanz- und Wirtschaftskrise und der Flüchtlingsproblematik. „Die junge Generation hat gelernt, pragmatisch mit Ungewissheiten umzugehen“, so die Meinungsforscher. Die Studie wurde von der Europäischen Rundfunkunion koordiniert.