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Keine Nachweise für Rituelle Gewalt in mehreren Bistümern fand die Studie einer Anwaltskanzlei. Warum Missbrauchs-Betroffene diese kritisieren.
Der Beirat von Missbrauchs-Betroffenen bei der Deutschen Bischofskonferenz kritisiert eine Studie im Hinblick auf mögliche kirchliche Täternetzwerke Ritueller Gewalt. Die Studie kommt zu dem Schluss, spezifische Formen Ritueller Gewalt – wie in dem Gutachten diskutiert – seien in den untersuchten Bistümern, darunter Münster, nicht nachweisbar.
Dazu schreibt der Beirat: „Dieser Befund ist vor dem Hintergrund der angewandten Definition nachvollziehbar. Allerdings greift er aus Sicht des Betroffenenbeirats deutlich zu kurz.“
Was der Beirat kritisiert
Die Betroffenenvertreter kritisieren, das Gutachten sage nichts darüber aus, ob in den untersuchten Bistümern Netzwerke existierten, in denen Personen von mehreren klerikalen Tätern missbraucht oder Opfer bewusst anderen Tätern zugeführt wurden. Auch zur Frage, ob Täter während ihrer Taten ritualisierte, kirchliche Handlungen vollzogen, treffe das Gutachten keine Aussage.
Daher sei der „tatsächliche Aussagewert“ der Studie aus Sicht des Beirats von Missbrauchs-Betroffenen „äußerst gering“. Es bestehe die Gefahr, dass das Gutachten genutzt werde, um die Existenz von Täter-Netzwerken oder ritualisierten Missbrauchspraktiken im kirchlichen Kontext zu verneinen.
Ablehnung der Untersuchungsmethode
Darüber hinaus kritisiert der Beirat, die in der Studie angewandten aussagepsychologischen Untersuchungen seien zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen psychisch gesunder Personen konzipiert: „Gerade bei Betroffenen sexualisierter Gewalt ist die Anwendung problematisch, da sie häufig an posttraumatischen Belastungsstörungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen leiden. Aussagepsychologische Verfahren berücksichtigen diese Traumafolgen nicht ausreichend.“ Psychische Erkrankungen würden in solchen Gutachten oft als Hinweis auf eingeschränkte Glaubwürdigkeit interpretiert. Daher lehne der Beirat diese Praxis ab.
Anlass für die Studie der Bistümer Münster, Essen und Köln waren Vorwürfe, Menschen seien Opfer schwerster Gewalttaten geworden. Erlitten hätten sie diese durch Netzwerke, denen auch inzwischen gestorbene Bischöfe und Kardinäle angehört haben sollen. Zur Studie teilen die Bistümer jedoch mit: „Im Blick auf die untersuchten Fälle spricht nichts dafür, dass die Beschuldigten die ihnen vorgeworfenen Taten Ritueller Gewalt begangen haben könnten.“
Sexualisierte Gewalt: Hilfe und Hinweise
Haben Sie sexualisierte Gewalt im Bistum Münster erlitten oder möchten Hinweise zu Fällen geben, können Sie sich an die Interventionsstelle oder die Unabhängigen Ansprechpersonen wenden: https://www.bistum-muenster.de/sexueller_missbrauch/
Haben Sie sexualisierte Gewalt erlitten und fühlen sich durch diesen Bericht aufgewühlt, können Sie sich an die Telefonseelsorge wenden – kostenfrei unter Tel. 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222, https://www.telefonseelsorge.de/
Haben Sie sexualisierte Gewalt außerhalb des Bistums Münster oder außerhalb der Kirche erlitten, können Sie hier Hilfe finden:
- Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung: https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/
- NINA, Nationale Informations- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend: https://nina-info.de/
- Hilfe für Opfer von Kriminalität: https://weisser-ring.de/hilfe-fuer-opfer-0