JUDENTUM

Sydney: Tote nach Anschlag auf Juden bei Chanukka-Feier – die Welt trauert

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Schüsse töten 15 Menschen zu Beginn des jüdischen Lichterfestes. Das sagen die Kirchen in Deutschland, die Juden und das Bistum Münster.

Von KNA, jjo

Am weltbekannten „Bondi Beach“ im australischen Sydney sind bei einem Schusswaffenangriff auf eine jüdische Chanukka-Veranstaltung 15 Menschen getötet worden. Unter den Toten sei einer der Angreifer, teilte die Polizei am späten Sonntagabend Ortszeit mit. Ein anderer Verdächtiger sei in Gewahrsam.

Dutzende Personen seien teils schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht worden, berichtete der Sender ABC. Premierminister Anthony Albanese sprach in einer emotionalen Pressekonferenz von einem „verheerenden Terroranschlag“.

„Das Herz Australiens getroffen“

Der antisemitische Akt habe „das Herz unserer Nation getroffen“ und sei ein Angriff auf alle Australier: „Für Hass, Gewalt und Terrorismus ist in unserem Land kein Platz.“ Augenzeugen berichteten in TV-Interviews von mehr als 50 Schüssen auf Teilnehmende der Veranstaltung zum jüdischen Lichterfest.

Auch international löste der Anschlag Entsetzen aus. Israels Staatspräsident Isaac Herzog machte in einem Social-Media-Post „niederträchtige Terroristen“ verantwortlich. „Unser tiefstes Mitgefühl gilt unseren jüdischen Schwestern und Brüdern in Sydney.“ Diese seien beim Anzünden der ersten Chanukka-Kerze attackiert worden.

Kirchen in Deutschland entsetzt

In Deutschland drückten die Kirchen Mitgefühl aus. „Entsetzt stehen wir vor dem Anschlag in Australien. Wir trauern um die unschuldigen Toten“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing: „Die fürchterliche Gewalt ist mit nichts zu rechtfertigen. Unsere Solidarität gehört allen Jüdinnen und Juden gerade zu Beginn des Chanukka-Festes."

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischöfin Kirsten Fehrs, betonte: „Es ist schrecklich, dass Jüdinnen und Juden weltweit wieder um ihre Sicherheit bangen müssen, und es macht mein Herz schwer, dass ausgerechnet zu Beginn des Lichterfests Chanukka ein so abscheulicher Anschlag auf die jüdische Gemeinde in Australien erfolgte.“

Juden: Feiertag nicht zufällig ausgewählt

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte, „unsere Gedanken“ seien „bei den Opfern, den Angehörigen und allen Hinterbliebenen". Man müsse sich klarmachen, „dass dieser Angriff auf das Chanukka-Fest nicht zufällig stattgefunden hat. Es ist das Muster antisemitischen Terrors, Feiertage auszuwählen, um arg- und wehrlose Menschen zu ermorden.“

Die jüdische Gemeinde Chabad Berlin verurteilte den „feigen Akt der Gewalt“. Er richte sich nicht nur gegen die jüdische Gemeinschaft, sondern gegen die grundlegenden Werte von Frieden, Religionsfreiheit und Menschlichkeit.

Die Gemeinde rief zu Zeichen der Solidarität auf. Daher werde man das für 17.30 Uhr geplante öffentliche Entzünden der ersten Chanukka-Kerze am Brandenburger Tor nicht absagen.

Sorge wegen des Judenhasses in Deutschland

Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, verwies darauf, auch in der Bundesrepublik habe der Judenhass zugenommen: „Der Schutz jüdischen Lebens sowie der Kampf gegen Terrorismus und Antisemitismus müssen auch in Deutschland zu einer zentralen politischen Priorität werden.“

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, rief zu entschlossenem Schutz von Jüdinnen und Juden auf: „Dass jüdisches Leben und jüdische Festtage immer wieder zum Ziel von Terror werden, ist unerträglich. Weder der Staat noch unsere Gesellschaft dürfen dies und seine Ursache, den Antisemitismus, unwidersprochen hinnehmen“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Trauer und Solidarität im Bistum Münster
Nach dem Anschlag von Sydney bekundet auch das Bistum Münster Trauer und Solidarität. Die Opfer "wurden getötet, weil sie Jüdinnen und Juden waren. Viele weitere wurden verletzt. Es macht sprachlos", schreibt Johannes Sabel in einem Post auf dem Instagram-Profil des Bistums Münster. Der Leiter der Bistumsakademie Franz-Hitze-Haus ist zugleich Beauftragter für die Beziehungen zum Judentum im Bistum Münster.

"Wir denken an die Jüdinnen und Juden bei uns im Bistum Münster - an die Angst, die Trauer, die Wut und die Sorgen, die dieses antisemitische Morden wieder hervorruft, wieder bestätigt", so Sabel weiter. "Wir stehen fest und verbunden an der Seite der Jüdinnen und Juden im Bistum und darüber hinaus. Wir vergessen euch nicht." Ähnlich hatte sich zuletzt Anfang November auch Diözesan-Administrator Antonius Hamers geäußert. | Jens Joest

Update 15. Dez.: Kasten, Zahl der Opfer im ersten Absatz an aktuelle Entwicklungen angepasst (jjo.).

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