ZUKUNFT DER KIRCHE

Synodaler Ausschuss in Fulda: Dialog statt Polarisierung ist notwendig

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Der Synodale Ausschuss tagt wohl zum letzten Mal. Gelingt ein echter Dialog über Reformen, fragt Matthias Kaiser.

Der Synodale Weg hat als kirchlicher Reformprozess bei engagierten Katholiken in Deutschland Hoffnungen und Befürchtungen geweckt. Synodalität wurde sowohl zum Sehnsuchtsbegriff als auch zum Kampfbegriff. An diesem Wochenende tagt nun in Fulda der Synodale Ausschuss zum fünften und letzten Mal.

Das Treffen fällt in eine Zeit, in der Polarisierungen und Pauschalierungen auch im kirchlichen Kontext immer mehr zunehmen. Schnell wird jemandem ein „konservativer“ oder „progressiver“ kirchenpolitischer Stempel aufgedrückt. Einen unaufgeregten Blick, eine differenziertere Betrachtung oder ein katholisches „et…et“ scheint es manchmal nicht (mehr) zu geben. Da werden mitunter direkt Forderungen und Erwartungen an den Gegenüber gerichtet, anstatt zunächst Gemeinsamkeiten zu suchen und zu würdigen. Übrig bleiben dann zwei Meinungen: die eigene und die falsche. Echter Dialog geht anders.

Vielfalt in der Einheit der Kirche

Der Autor
Matthias Kaiser ist Diakon des Bistums Münster und Geschäftsführer für das Kreisdekanat Steinfurt.

Denn sowohl Tradition als auch Innovation haben ihren je eigenen Wert. Es braucht in der Kirche beides, Altes und Neues, das Bewahrende und das Bewegende. Verschiedene Ansichten, Deutungen und Glaubenspraktiken schließen sich nicht per se gegenseitig aus, sondern können sich ergänzen und bereichernd sein. Dabei ist jedoch nicht immer alles gleich gültig, aber auch nicht allein gültig. Was die Gemeinschaft der Gläubigen bei aller vorhandenen Unterschiedlichkeit und Vielfalt letztlich (ver-)bindet, ist das „Credo“. Denn Katholizität meint die Universalität und Einheit der Kirche.

Dem entspricht, was der Heilige Ignatius unter Synodalität versteht, nämlich die Aussage und die Meinung des anderen zu retten. Das ist so ganz anders als die häufig erlebte Gesprächs- und Streitkultur, die auch in kirchlichen Debatten anzutreffen ist. Papst Franziskus hat als Methode hierfür auf der letzten Weltsynode das sogenannte Gespräch im Heiligen Geist etabliert.

Auch Papst Leo XIV. betonte in seinem ersten großen Interview den Wert der Synodalität: „Wenn wir auf das Evangelium hören, wenn wir gemeinsam darüber nachdenken und wenn wir uns bemühen, gemeinsam voranzuschreiten, einander zuzuhören und zu versuchen, zu entdecken, was Gott uns heute sagt, können wir viel daraus gewinnen“.

Wenn dies am Wochenende in Fulda und auch darüber hinaus gelingt, wenn das Wesentliche, das Ganze und die Meinung des Gegenübers nicht aus dem Blick geraten, dann ist Kirche das, was sie sein soll und sein will: katholisch und synodal.

In unseren Gastkommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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