Was in den Arbeitspapieren steht – und wie es weitergeht

Synodaler Weg – erste Anregungen zu Kirchen-Reformen

Es kann losgehen. Nach intensiver Verhandlungen zwischen Bischöfen und Laien fällt an diesem Sonntag der Startschuss für den Dialog zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Der erste Adventssonntag, Beginn des neuen Kirchenjahres, ist dabei symbolischen Gesten vorbehalten.

In vielen großen Gotteshäusern, etwa im Dom in Münster, wird eine Kerze für den Synodalen Weg entzündet. Im Münchner Liebfrauendom tun dies der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Karin Kortmann.

Die großen Themen

Die Bischöfe und das ZdK, das höchste repräsentative Gremium der katholischen Laien in Deutschland, sind die treibenden Kräfte hinter dem Synodalen Weg. Mit der zunächst auf zwei Jahre angelegten Initiative wollen sie nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Als thematische „Wegmarken“ gesetzt sind die Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Gewaltenteilung und die Rolle von Frauen in der Kirche.

Wenn die aus mehr als 200 Mitgliedern bestehende Synodalversammlung vom 30. Januar bis 1. Februar erstmalig in Frankfurt zusammentritt, dann fängt das oberste Organ des Synodalen Wegs nicht bei Null an. Inhaltliche Vorarbeit zu den vier Oberthemen haben vier Foren geleistet. Aus ihren Arbeitspapieren lassen sich Hinweise auf die weitere Marschroute für den Synodalen Weg herauslesen.

Was Kritiker, Skeptiker und Reformer wollen

Die Teilnehmer - die komplette Liste soll bis Mitte Dezember stehen - treten mit schwerem Gepäck an: biblische Überlieferung, kirchliche Lehre, Positionen aus Moraltheologie und Kirchenrecht. Mit Blick auf die Hierarchie kommen die Macht der Gewohnheit und die Gewohnheit von Macht dazu. Manche Passagen in den Arbeitspapieren muten wie Universitäts-Vorlesungen an. Das kürzeste Papier umfasst fünf Seiten und betrifft die priesterliche Lebensform. Das längste ist jenes zur Sexualmoral mit 22 Seiten.

Kritiker des Wegs befürchten eine Verwässerung des kirchlichen Lebens und der kirchlichen Botschaft. Skeptiker halten die Initiative für einen Holzweg, weil er Verbindlichkeit vorgaukele, ohne die Stellung des Papstes und die Einheit der Weltkirche zu bedenken. Und Reformer warnen: Wenn wir am Schluss mit leeren Händen dastehen, stecken wir in einer Sackgasse ohne Wendemöglichkeit.

Was in den Arbeitspapieren steht

Die Verfasser der Arbeitspapiere halten sich mit konkreten Vorschlägen zurück, es überwiegen Fragen und Bestandsaufnahmen. Und doch sind einige Pflöcke für die bevorstehenden Diskussionen bereits eingeschlagen. Dazu zählen eine Zulassung von Frauen zum Diakonenamt, der niedrigsten Weihestufe in der katholischen Kirche, Segensfeiern für lesbische und schwule Paare, eine stärkere Beteiligung von Laien bei der Wahl von Bischöfen. Und die Überlegung, ob der Zölibat, die verpflichtende Ehelosigkeit, „die dem Wesen des Priestertums allein angemessene Lebensform“ ist.

Vieles ist nicht neu. Die Idee, eine Verwaltungsgerichtsbarkeit einzuführen, wurde schon auf der Würzburger Synode 1975 formuliert. Zugleich ist klar, dass angesichts des Missbrauchs-Skandals und einer Kirchenferne in immer größeren Teilen der Gesellschaft die Zeit drängt.

Der Brief zum Start

„Wir laden auch diejenigen unter Ihnen ein, die Schwierigkeiten mit dem Glauben und der Kirche haben, die Vertrauen verloren haben oder als Suchende unterwegs sind“, schreiben Kardinal Reinhard Marx und ZdK-Präsident Thomas Sternberg in ihrer Botschaft zum Auftakt des Synodalen Wegs.