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Bremst der Heilige Stuhl Reformen in der Kirche in Deutschland? Zumindest hilft er nicht bei der Umsetzung, sagt die Synodale Daniela Ordowski.
Vor drei Jahren erhielt der Papst einen Brief aus Deutschland. Bis heute kam keine Antwort. Inhalt des Briefes: die Beschlüsse der Synodalversammlung, dem Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland. Denn einige Beschlüsse benötigen die Zustimmung des Kirchenoberhaupts, um umgesetzt zu werden.
Das Schweigen aus Rom ist längst mehr als ein Versäumnis. Die Beschlüsse werden nicht seit drei Jahren in Rom geprüft. Es ist eine Haltung, ein Politikum. Wer auf Reformbeschlüsse über Jahre nicht reagiert, ignoriert was die Gläubigen in Deutschland über Jahre auf dem Synodalen Weg erarbeitet haben. Viele von ihnen ehrenamtlich.
Was der Heilige Stuhl überprüfen muss
Der Papst hat die Macht, die Situation auszusitzen und zu hoffen, dass den Reformwilligen die Puste ausgeht. Für einen Prozess, der aus sexualisierter Gewalt und institutionellem Versagen entstanden ist, ist das nicht hinnehmbar. Der Synodale Weg ist kein deutscher Sonderweg aus Reformlust. Er ist die Konsequenz aus Missbrauch und aus der Einsicht, dass Macht ohne Kontrolle Missbrauch begünstigt.
Die Autorin:
Daniela Ordowski, 32, ist Journalistin bei Publik-Forum und Mitglied der Synodalversammlung.
Als die fünfte Synodalversammlung 2023 endete, lagen Beschlüsse vor, die begrenzte, aber umsetzbare Veränderungen ermöglichen. In einzelnen Bistümern dürfen Frauen taufen, das kirchliche Arbeitsrecht wurde angepasst. Es sind Kompromisse, die vielen nicht weit genug gehen, vor Ort aber Wirkung entfalten. Zugleich wurde bei zahlreichen Beschlüssen ausdrücklich festgehalten, dass sie nicht automatisch in Kraft treten, sondern der Prüfung durch den Heiligen Stuhl bedürfen. Auch die Synodalkonferenz, die den Reformprozess verstetigen soll, kann erst nach dem römischen Segen mit seiner Arbeit starten.
Was muss noch geschehen?
Das Schweigen aus Rom ist keine Neutralität, sondern eine Machtausübung, die konkrete Reformen blockiert. In der sechsten Synodalversammlung schlug eine Teilnehmerin deshalb vor, das Schweigen aus Rom doch einfach als Zustimmung zu werten. Eine gute Idee, schließlich funktioniert Zustimmung durch Nichtreaktion auch bei jeder Strompreiserhöhung.
Was soll denn noch geschehen, damit Rom reagiert? Müssen die Beschlüsse persönlich vorbeigebracht werden? Oder braucht es Reiter, die mit Fanfaren auf dem Petersplatz bei einer Papst-Audienz auftauchen und die Texte verlesen? Brieftauben? Rauchzeichen? Eine Möglichkeit wäre auch eine Briefaktion der Gläubigen in Deutschland, in der die Beschlüsse einzeln nach Rom geschickt. Vielleicht erhalten diese zumindest eine Eingangsbestätigung.
In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.