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Reden beim Besuch der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht

Synodaler Weg: Massive Kritik der Kurienkardinäle Ladaria und Ouellet

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Der Vatikan hat die Kritik von zwei wichtigen Kurienkardinälen am deutschen Synodalen Weg im Wortlaut veröffentlicht. Die Reden hatten der Präfekt des Glaubens-Dikasteriums, Luis Ladaria, und der Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe, Marc Ouellet, in Rom den deutschen Bischöfen in Abwesenheit von Papst Franziskus in einer internen Debatte vorgetragen.

Am Donnerstag wurden sie von "Vatican News" in mehreren Sprachen digital publiziert. Danach sollten sie auch in der italienischen und in der deutschen Ausgabe des "Osservatore Romano" erscheinen. Ein Debattenbeitrag von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bleibt vorerst unveröffentlicht. Das Einführungsreferat des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing hatte diese bereits im Netz publiziert.

Ladaria lobt Missbrauchs-Aufarbeitung

Die Rede Ladarias im Wortlaut

Ladaria, der im Auftrag des Papstes über die Bewahrung der kirchlichen Glaubenslehre wacht, ging in seinem Beitrag auf die Kirchenkrise infolge des Missbrauchsskandals ein und sagte: "Es gibt sehr viele, die sich von den Männern und Frauen der katholischen Kirche zutiefst verraten fühlen (...) und kein Vertrauen mehr in uns Bischöfe haben. Und das geschieht nicht ohne Grund."

Ladaria lobte die Bemühungen der deutschen Bischöfe, dem Missbrauch mit Aufklärung, Strafen und Vorbeugung entgegenzutreten. Zugleich machte er kritische Anmerkungen zum Synodalen Weg, mit dem die Kirche in Deutschland weitergehende Konsequenzen aus dem Skandal zu ziehen versucht.

Scharfe Kritik am Kirchenbild der Synodal-Texte

Er merkte an, Texte des Synodalen Wegs enthielten "allgemeine Aussagen über die im Volk Gottes vorhandenen Positionen, anspielende Verweise auf wissenschaftliche (...) Erkenntnisse, die noch in der Diskussion sind, (...) und schließlich Verweise auf ungenannte Theologen." Ladaria schlug vor, das Gremium solle ein "Schlussdokument" verfassen, in dem weniger solche ungesicherten Behauptungen enthalten seien.

Scharfe Kritik übte Ladaria am Kirchenbild der Texte. Sie würden die Kirche "auf eine bloße Machtinstitution reduzieren oder sie von vornherein als eine strukturell Missbrauch hervorbringende Organisation betrachten, die so schnell wie möglich unter die Kontrolle von Oberaufsehern gebracht werden muss". Viele dieser Vorschläge liefen Gefahr, die Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils von der Sendung der Bischöfe zu missachten.

Deutliche Worte zu Sexuallehre und Frauenfrage

Mit ähnlicher Schärfe wandte sich Ladaria gegen die Sexuallehre in den Synodal-Texten. Sie erweckten den Eindruck, als ob auf diesem Gebiet der kirchlichen Lehre alles geändert werden müsse. Die Bewahrung des "Leben empfangenden und weitergebenden Charakters des Menschen" bleibe aber unverändert eine der großen prophetischen Aufgaben der Kirche in einer Zeit der "fortschreitenden Kommerzialisierung der menschlichen Existenz".

Zur Frauenfrage bemerkte Ladaria, die Texte des Synodalen Wegs reduzierten alles auf die Behauptung, dass die Würde der Frauen nicht respektiert werde, weil sie keinen Zugang zur Priesterweihe haben. Dies werde der kirchlichen Lehre nicht gerecht. Zudem enthalte der Text viel Polemik. Ladaria regte an, der Synodale Weg solle dazu eine "Synthese" verfassen, die deutlich mache, dass die deutschen Ortskirchen Teil der Weltkirche seien.

Rolle des Lehramts der Bischöfe

Schließlich kritisiert Ladaria, dass der Synodale Weg die Lehren des Konzils über das kirchliche Lehramt der Bischöfe weitgehend vergesse. Es sei aber "nicht möglich, diese heikle und entscheidende Aufgabe im Leben der katholischen Kirche mit anderen Ämtern in der Kirche gleichzusetzen, wie zum Beispiel mit denen der Theologen und der Experten in anderen Wissenschaften".

Ähnlich kritisch äußerte sich Ouellet. Er sagte, die deutschen Vorschläge enthielten zwar viele "vertretbare" Elemente, die aber hinsichtlich des Menschenbilds und der Kirchenlehre "ernsthafte Schwierigkeiten aufwerfen". Kritiker sprächen deshalb von einem "latenten Schisma", das die Synodaltexte festzuschreiben drohten.

Ouellet: "Agenda einer begrenzten Gruppe von Theologen"

Die Rede Ouellets im Wortlaut

Dazu Ouellet: "Ich weiß sehr gut, dass es nicht Ihre Absicht ist, einen Bruch mit der universalen Gemeinschaft der Kirche herbeizuführen". Dennoch sei es "auffällig, dass die Agenda einer begrenzten Gruppe von Theologen (...) plötzlich zum Mehrheitsvorschlag des deutschen Episkopats geworden ist: Abschaffung des Pflichtzölibats (...), Zugang von Frauen zum geweihten Amt, moralische Neubewertung der Homosexualität, strukturelle und funktionale Begrenzung hierarchischer Macht, von der Gender-Theorie inspirierte Überlegungen zur Sexualität".

Es entstehe der Eindruck, dass die Missbrauchsfälle "ausgenutzt wurden, um andere Ideen durchzusetzen, die nicht unmittelbar damit zusammenhängen". Und weiter: "Es scheint uns, dass wir vor einem Projekt der 'Veränderung der Kirche' stehen und nicht nur vor pastoralen Neuerungen."

"Die Gemeinschaft der Kirche verletzt"

Ouellets Rede gipfelte in der Festellung, dass dieser Vorschlag "die Gemeinschaft der Kirche verletzt, weil er Zweifel und Verwirrung unter dem Volk Gottes sät". Am Ende seiner Rede schlug Ouellet deshalb ein "Moratorium" für den Synodalen Weg vor. Dieser Vorschlag wurde jedoch von fast allen deutschen Bischöfen in Rom bereits am vergangenen Freitag abgelehnt.

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