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Die sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche und ihre systemischen Ursachen waren ein Anlass für den Reformdialog. Wie ist der Stand heute?
Über die Fortschritte bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der katholischen Kirche gehen die Meinungen weiter auseinander. Teilnehmer des Synodalen Wegs zogen in Stuttgart eine gemischte Bilanz. Nicht allen geht das Erreichte weit genug. Der Missbrauchsskandal zählte zu den Auslösern für den Synodalen Weg; die systemischen Faktoren, die Missbrauch in der Kirche begünstigt haben, waren immer wieder Thema der Debatten des Reformdialogs.
Johannes Norpoth, Mitglied im Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz, beklagte teils weiterhin bestehende massive Defizite. Es gebe aber auch positive Effekte: "Dass wir heute hier sitzen und offen über Macht und Gewaltenteilung, über Geschlechtergerechtigkeit, über die Sexuallehre dieser Kirche und über die Lebensform des Klerus sprechen, ist keine Selbstverständlichkeit."
Fortschritte bei der Prävention
Auch bei der Prävention habe sich einiges getan, tausende Menschen seien geschult worden, so Norpoth. "Der Weg zu einer wirklich betroffenenorientierten inneren Haltung ist trotz aller Mühen immer noch ein sehr weiter." Kritisch äußerte er sich etwa über das von der Kirche verantwortete System der Anerkennungsleistungen. Es sei unzureichend und berge die Gefahr einer Retraumatisierung der Betroffenen.
Am Vorabend war bei der Synodalversammlung eine Evaluation der Katholischen Universität Eichstätt vorgestellt worden, in der die Effekte des Synodalen Wegs aus Sicht der Teilnehmenden untersucht wurden. Etwa die Hälfte der Synodalen hatte sich beteiligt.
Synodale sehen nur geringe Effekte
Diese hatten mehrheitlich den Eindruck, der Synodale Weg habe nur "einen geringen Beitrag zur Behebung systemischer Ursachen sexualisierter Gewalt oder im Wiedergewinnen verloren gegangenen Vertrauens in der Kirche" erbracht. Einen "großen Beitrag" habe der Synodale Weg hingegen zur Enttabuisierung von Themen und zur Anerkennung diskriminierter Gruppen geleistet.
Der Aachener Bischof Helmut Dieser zeigte am Freitag noch einmal die Entwicklungen in der Aufarbeitungsarbeit der vergangenen Jahre auf. Seit 2020 berät ein Betroffenenbeirat die Bischofskonferenz. Ende 2024 nahm ein Sachverständigenrat seine Arbeit auf, dessen Mitglieder durch eine unabhängige Auswahlkommission ohne kirchliche Beteiligung bestimmt werden. Aufgabe ist ein Monitoring der bestehenden Maßnahmen in den Bistümern.
In nahezu allen Bistümern sind inzwischen unabhängige Aufarbeitungskommissionen installiert. Dieser erklärte: "Es wird wichtig bleiben, dass wir uns immer wieder Expertise von außen holen." Die Beteiligung der Betroffenen sei inzwischen fest verankert. "Wir verstehen uns in diesem Feld als lernende Organisation."