LIVE-TICKER AUS STUTTGART

Synodalversammlung Donnerstag: Meditativ in die Bilanz

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Am Donnerstagnachmittag begann die letzte Synodalversammlung in Stuttgart. Kirche+Leben berichtet live im Ticker aus dem Saal.

Vorbemerkung: Dieser Ticker versteht sich nicht als 100-prozentige oder vollständige Zitierung der Personen, er versucht vielmehr, den Inhalt sachgetreu wiederzugeben. Da wir live aus der Versammlung berichten, bitten wir, Tipp- und orthographische Fehler zu entschuldigen.

Um 19.10 endet der erste Teil dieser Synodalversammlung - und auch dieser Liveticker. Die Delegierten nehmen nun ein Abendessen ein. Für 20 Uhr ist der Tagesordnungspunkt “Auf dem Weg zu einer synodalen Kirche in weltkirchlicher Gemeinschaft" vorgesehen. Ein Abendgebet in der Kirche St. Fidelis beschließt den Tag.

18.35

Es beginnt die Aussprache über die Evaluation des Synodalen Wegs, für welche die Synodalen selbst von externen Experten der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt anonym zur Beantwortung eingeladen wurden. Für die Aussprache ist eine gute halbe Stunde vorgesehen. In den ersten Wortmeldungen, die jeweils maximal drei Minuten dauern dürfen, geht es vor allem um Verständnisfragen der zum Großteil sehr abstrakten Datenerhebungen - nicht zuletzt um die Beziehung von Synodalität und Hierarchie. Ein Ergebnis: Es sind noch viele Fragen offen.

Thomas Söding, Vize-Präsident des Synodalen Wegs gibt zu bedenken: Welche andere gesellschaftliche Gruppe stellt sich einer solchen Selbstevaluation - und macht die Ergebnisse auch öffentlich? Er stellt zudem fest, dass der übergroße Teil der Rückmeldungen von diesem Weg überzeugt ist. Wichtig wird nun sein herauszuarbeiten, was von der Evaluation wichtig bleibt. Er nennt Gesprächskultur und Veränderungsbereitschaft als Lerneffekte. Zugleich müsse künftig immer gefragt werden, ob wir auch von Seiten der Gesellschaft an den richtigen Themen arbeiten.

Ulrich Hemel, früherer Chef des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU), bedauert, dass für die Aussprache nur so wenig Zeit bleibt. Er will weniger über Studien als über die Erfahrungen der Synodalen mit dem Synodalen Weg sprechen: “Haben wir zu viel gewollt, weil wir nicht alles entscheiden können? Haben wir zu wenig gewollt, weil wir wesentliche Dinge noch nicht erreicht haben?”

Bischof Franz-Josef Overbeck (Essen): Was machen wir jetzt mit diesen Ergebnissen, schlicht und ergreifend? Darauf finde ich noch keine Antwort. Wie kann eine Ergebnissicherung gelingen?

Nadine Mersch (Erzbistum Paderborn): Wir haben am Anfang des Synodalen Wegs immer gesagt: Wir wollen uns positionieren als die Organisation, die Vertrauen verdient und Relevanz für die Menschen hat. Das bleibt ein großes Thema. Wo müssen wir nacharbeiten? Wir müssen mehr herausfinden, was wirklich Relevanz stiftet für die Menschen. Wie können wir durch unser Handeln Vertrauen zurückgewinnen - etwa durch Positionierungen in die Gesellschaft hinein? Oder beschreiben wir eher Themen, die vor allem uns bewegen, aber weniger die Gesellschaft?

17.45

Es beginnt die Vorstellung der Evaluation des Synodalen Wegs. Dazu führen Birgit Mock (Bistum Aachen) und Bischof Franz Jung (Würzburg) ein. Die Ergebnisse werden nun von Experten der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt vorgestellt, die die Evaluation erstellt haben. Dabei geht es noch nicht um eine Deutung, sondern zunächst nur um eine Vorstellung der Ergebnisse. (Leider teilt der Synodale Weg nicht die Namen der vorstellenden Experten mit).

17:40 

Rückfragen aus der Synodalversammlung:

Welche Reaktionen gibt es aus Rom?

Bätzing: Unser Brief ist angekommen, wir haben aber bis heute keine offizielle Antwort bekommen. In Gesprächen in Rom haben wir vor allem daran gearbeitet, Verständnis für den Synodalen Weg zu wecken. Kardinal Fernandez, der Präfekt des Glaubens-Dikasteriums, hat sich auch inhaltlich stark mit den Fragen beschäftigt. In jedem dieser Gespräche habe ich immer wieder geäußert: Es sind nicht nur die Bischöfe, die diesen Weg gehen, sondern wir sind eine synodale Versammlung - das Präsidium muss Gesprächspartner sein. Bis heute ist bedauerlicherweise keine Einladung an uns als Präsidium gegangen.

Stetter-Karp: Das passt nicht zum Anspruch von Synodalität. Gegenüber uns Laien ist es faktisch nach wie vor eine Kommunikationsverweigerung.

Welche Erfahrung der Weltsynode ist für Deutschland beispielhaft?

Bätzing: Die Methode der Gespräche aus dem Geist hat die gesamte Zeit der Weltsynode geprägt und sie auch so erfolgreich gemacht. Es gab anfangs Vorbehalte gegen diese Methode, ähnlich wohl auch von einem Kardinal beim jüngsten Konsistorium. Aber sie schafft Verbundenheit und Vertrauen und hilft, Blockaden zu überwinden. Ich bin dankbar, dass wir sie hier in der Synodalversammlung und auch in vielen Diözesen verwenden.

Wie kommen wir mit dieser Methode zu Ergebnissen?

Bätzing: Wir hatten in Rom immer eine klare Fragestellung, die am Ende auf einer Seite beantwortet werden sollte. Über die Phase des Ich und des Hörens sowie des Du und des Wahrnehmens gab es die des Wir, in der man sich einig werden musste. Das wurde dann verschriftlich - das war sehr praktisch.

17:10

In Interviewform wird der “Bericht des Präsidiums” aus Irme Stetter-Karp und Bischof Georg Bätzing gestaltet. Dazu stellt ein Moderatoren-Team Fragen an die beiden. 

Was war die größte Herausforderung des Synodalen Wegs?

Bätzing: Für mich war das der Mut derer, die gesagt haben: Wir machen das! Daher will ich noch einmal Kardinal Marx nennen. Und Thomas Sternberg, damaliger ZdK-Präsident. Der Mut, sich darauf einzulassen, ist entscheidend gewesen. (Applaus). - Es war schon auch ein Erschrecken, so schnell auch Präsident zu werden nach meiner Wahl als DBK-Vorsitzender. Aber es war sicher nicht die schlechteste Facette meiner Amtszeit.

Stetter-Karp: Bei mir war es ja ganz ähnlich, wir kannten uns aber schon aus Arbeitsgruppen des Synodalen Wegs. Das Ringen war aber auch eine Herausforderung: Da gab es Momente, wo wir beide zueinanderfinden mussten. Da gab es einiges auszublanacieren.

Woher kamen wir, wie weit sind wir gekommen?

Bätzing: Am Anfang stand das große Erschrecken über den Missbrauchsskandal. Es ging um Krisenbewältigung. Dass die Laien im ZdK bereit waren zu sagen, wir gehen nicht ins Gegenüber zu den Bischöfen - nach dem Motto: Ihr habt uns das eingebrockt. Sondern wir haben zueinandergefunden - das war eine Sternstunde. Das Ziel ist ein Kulturwandel. Wir haben begonnen, das in unseren Synodalversammlungen zu verwirklichen. Meine Hochachtung für die vielen Menschen, die in Arbeitsgruppen und selbstorganisiert gearbeitet haben! Das gehört alles zum Synodalen Weg. Wir haben uns auch den Einsprüchen Betroffener stellen müssen. Wir haben es nicht geschafft, Betroffene in wünschenswerter Weise von Anfang an in den Synodalen Weg einzubeziehen. Aber wir haben Mitglieder des Betroffenen-Beirats als Gäste dabei gehabt. Kulturwandel macht man nicht in fünf Jahren, das braucht seine Zeit. Dass wir wieder hier sitzen und es uns weiter um Veränderung geht - das ist der große Bogen, den ich mit dem Synodalen Weg verbinde.

Stetter-Karp: Ich will selbstkritisch ins ZdK hinein fragen. Es gab immer auch Zweifel: Schaffen wir es, die Erschütterung an uns heranzulassen - oder stabilisieren wir nur das System? Es gab auch die Haltung: Wir waren nicht an Missbrauch und Vertuschung beteiligt. Darum stellte sich uns auch die Frage nach der eigenen Mitschuld: Wo waren wir Bystander? Da sind die Betroffenen die Entscheidenden. Ähnliches gilt für die Grundordnungs-Änderung: Da hat uns OutInChurch sehr geholfen! 

Was waren die größten Hürden?

Stetter-Karp: Für uns war eine Hürde die Frage, ob wir mit den Beschlüssen auch springen können oder im Wasser stehen bleiben. Number One war mit Entschiedenheit die Frage: Schaffen wir es, nicht nur schön miteinander zu sprechen, sondern auch zu Ergebnissen zu kommen? Und die Frage ist, ob wir als Laien eine Tür bekommen, um bei finanziellen Fragen des VDD mitsprechen zu können? Ich hielt das anfangs nicht für realistisch - insofern ist es ein kleines Wunder, dass das gelungen ist.

Bätzing: Es gibt Sternstunden und auch schwierige Stunden, wo dieser Kulturwandel deutlich wurde: Das war die Ansage des ZdK mit Blick auf den Synodalausschuss: Eine Sperrminorität wäre für uns schwierig. Zugleich galt es, auch einer Minderheit eine Position zu geben, eine Beratungs- und Entscheidungsmöglichkeit zu haben. Da wurde Gregor Podschun (Ex-BDKJ-Vorsitzender) zum Eisbrecher: Ein Drittel der Versammlung kann zu dem Beschluss führen, dass ein Thema noch einmal zurück in die Beratungen muss. Wir mussten diese Karte nie ziehen auf dem Weg zum Synodalen Ausschuss, aber es ist gut, dass wir sie haben.

 

16:45 - Die Versammlung beginnt

177 Delegierte sind zur sechsten und letzten Vollversammlung des Synodalen Wegs nach Stuttgart gekommen. Die wenigen, die fehlen, sind vor allem auf bischöflicher Seite deutlich: Mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki haben auch dessen Weihbischöfe abgesagt. Ebenfalls nicht dabei sind der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier und der Erfurter Ulrich Neymeyr, wie manche andere aus gesundheitlichen Gründen, wie es heißt.

Die Versammlung in der “Alten Reithalle” des Stuttgarter Maritims-Hotel begann mit einem schlichten Wortgottesdienst, in dem der Anfangsgeist des Synodalen Wegs in Erinnerung gebracht wurde - ausgehend von sieben eindringlichen Zitaten aus dem ersten Grundlagentext. Der Münsteraner Pfarrer Siegfried Kleymann und die Paderborner Theologin Maria Boxberg leiteten ihn wie schon bei den vorangegangenen Synodalversammlungen.

Geistlich ging es auch nach der Begrüßung durch die Präsidentin, Irme Stetter-Karp, und den Präsidenten, Bischof Georg Bätzing, weiter - mit einem neuen Element, das aus den Weltsynoden in Rom entlehnt wurde und auch ganz offiziell auf Latein bezeichnet ist: “Conversatio in spiritu” - zu Deutsch: “Gespräche im Geist”. Neben dem methodisch eigenen Angang wird dadurch auch klar: Hier geht es nicht um parlamentarische Kirchenpolitik, nicht um ein katholisches Parlament, sondern um ein geistliches Geschehen.

Die Delegierten setzen sich in Sechser- und Siebenergruppen zusammen, ein leises Gemurmel ist von der Pressetribüne aus zu hören. Was aus der Distanz wahrzunehmen ist: Mal spricht leise eine Person in diesen Gruppen, während eine andere die Augen geschlossen hat, ein anderer faltet die Hände. Mal lacht jemand, mal gestikuliert eine, mal geht ein Blick mit auf den Knien aufgestützten Armen auf den Boden. Gut eine Stunde murmelt die Versammlung, hört aufeinander, bleibt still - ein eindringliches Bild.

Nach einer kleinen Pause beginnt um 16.45 Uhr die Arbeit, wenn man das so gegen die eher meditative Atmosphäre benennen mag. Der aus Münser stammende Priester Michael Berentzen und Katharina Norpoth führen als bewährtes Moderations-Team einmal mehr in die Technik ein. Offenbar funktioniert das nicht auf Anhieb, im hinteren Teil des Saals stehen Menschen mit ihren Computern, um Hilfe beim Einloggen in die entsprechende Online-Seite für die Abstimmungen zu erhalten. Ein bisschen laut geht es dazu - das Moderatorenteam bittet auch da um Rücksichtnahme und Dimmen der Lautstärke.

Damit beginnen wir unseren Liveticker.

 

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