LIVE-TICKER

Synodalversammlung Freitag: Welche Botschaft beschließt den Weg?

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Die Synodalversammlung debattiert am Freitagnachmittag über „WegWorte“. Kirche+Leben berichtet live aus der Aula in Stuttgart.

Vorbemerkung: Dieser Ticker versteht sich nicht als 100-prozentige oder vollständige Zitierung der Personen, er versucht vielmehr, den Inhalt sachgetreu wiederzugeben. Da wir live aus der Versammlung berichten, bitten wir, Tipp- und orthographische Fehler zu entschuldigen.

18.30

Die Synodalversammlung beschließt ihre Arbeit am Freitag und macht sich zur gemeinsamen Eucharistiefeier in der Kirche St. Fidelis auf.

18.15

Die Versammlungsleitung holt Stimmungsbilder zur Quotierung der Synodalkonferenz ein. Die Synodalversammlung lehnt den Antrag, ein getrenntes Stimmungsbild der nicht-männlichen Mitglieder einzuholen, ab. Jedoch tendiert die Versammlung mit großer Mehrheit zu einem mehrstufigen Wahlverfahren. Auch die Fragen nach einer Quotierung  und nach der Zustimmung zu den Vorschlägen der Synodalpräsidenten beantwortet eine Mehrheit mit „Ja“. Weitere Stimmungsbilder zeigen, dass die konkrete Quotierung unter den Synodalen umstritten ist.

17.25

Georg Bätzing und Irme Stetter-Karp leiten in die Diskussion über die Wahlordnung ein. Die beiden nehmen diesbezüglich ein „Rumoren“ in der Synodalversammlung wahr. Bätzing und Irme Stetter-Karp votieren für ein Wahlverfahren mit „doppelter Balance“ ohne allzu große Festlegungen. Man baue bei der Entwicklung entsprechender Kritieren auf die Klugheit der Synodalversammlung. Bätzing nennt als Beispiele Geschlechter- und Generationengerechtigkeit, unterschiedliche Charismen und regionalen Proporz.

In der Diskussion kommt eine gewisse Skepsis gegenüber Quoten zum Ausdruck. Ob sich die „lautstarke“ (Michael Gerber) Beteiligung junger Menschen quantitativ sichern lässt, wird bezweifelt. 

Schwester Katharina Ganz: Die Ordensleute brauchen keine expliziten Sitze. Was passiert, wenn Rom die Zustimmung verweigert? Es ist riskant, diese Wahlordnung jetzt schon zu beschließen.

Reinhard Marx (München und Freising): Die Synodalkonferenz darf in der Mehrheit nicht aus Hauptamtlichen bestehen. Das kann nicht sein.

Mara Klein: Die Synodalen werden älter. Es braucht jedoch „naive“ Menschen, die unverbraucht in die Synodalkonferenz hereinkommen. Lasst uns deshalb die Quote einmal ausprobieren – es könnte sich lohnen! Leider zeigt der Synodale Ausschuss, dass viele junge Menschen, die sich beteiligen wollten, nicht gewählt wurden.

Finja Miriam Weber: Wir müssen auf junge Menschen achten, weil häufig nur bekannte Gesichter gewählt werden. Denn wer wird in 60, 70 Jahren hier noch sitzen?

Karl Jüsten: Wir müssen darauf achten, dass wir Menschen aus andere Milieus für die Arbeit in der Synodalkonferenz begeistern. Das kann auch bedeuten, dass man selbst auf den eigenen Platz verzichten muss. Wo sind die Unterschichten, Gewerkschaften, Unternehmer und Manager? 

Johannes Norpoth: Wie kommen Menschen auf die Wahlliste? Es braucht Unterstützungserklärungen etc. und damit Verbindungen in die Synodalversammlung.

Emeka Ani: Nur die muttersprachlichen Gemeinden haben in Deutschland eine positive Demographie. Sie müssen dieses Mal wirklich gut repräsentiert werden. Nur so drückt sich die kirchliche Vielfalt korrekt aus.

16.30

Nach einer Kaffeepause und vor dem weiteren Programm unterbricht der „EinHalt“ die Synodalversammlung. Für 1:30 Minute gehen die Teilnehmer angeleitetet vom Münsteraner Pfarrer Siegfried Kleymann still in sich. Anschließend beginnt die Debatte zu den „WegWorten“, einer Art Erklärung der Synodalversammlung. Abweichend vom Programm wollen die Teilnehmer heute auch über die Wahlordnung diskutieren.

Reinhard Marx (München und Freising): Der Tenor des Negativen ist etwas zu stark. Das eigene Scheitern kann nicht am Ende stehen, auch wenn nicht alles gut ist. Lieber ein „Ort der Hoffnung“ sein.

Michael Gerber (Fulda): Die Kirche spricht in eine krisenhafte Gesellschaft hinein. Die Botschaft muss Solidarität gegen tribalistische Tendenzen sein.

Christoph Uttenreuther: Gespräch mit AfD-Aktivisten, man muss sich in Fragen des Gewissens nicht erpressen lassen. Der Synodale Weg will dementsprechend mit „scharfen Argumenten“  überzeugen.

Matthias Leineweber: Der Synodale Weg hat eine „prophetische Dimension“ an den Rändern und mit Blick auf den Frieden in einer von Kriegen geprägten Welt. 

Andreas Lob-Hüdepohl: Die „WegWorte“ sind zu sehr „Nabelschau“ und zu wenig auf die Welt ausgerichtet. Kirche kann kein Selbstzweck sein. Das muss die Botschaft sein, die nach außen dringt. 

Peter Neher: Für wen sind diese Worte gedacht? Kirche muss für die Menschen da und kein Selbstzweck sein. Wir brauchen daher kein zusätzlichen Worte.

Franz Xaver Bischof: Man muss in den „WegWorten“ auch sagen, welche Fortschritte erreicht wurden, zum Beispiel die breite internationale Rezeption der Synodentexte.

Brigitte Vielhaus: Die Staffelübergabe wird schwierig. Ich bin gespannt auf den neuen Text.

Franz-Josef Overbeck (Essen): Wir müssen fähig sein, in allen Bereichen Veränderungsbereitschaft zu zeigen.

Florian Wörner (Augsburg): Evangelisierung ist ein wichtiges, vernachlässigtes Thema. Wir müssen Menschen zu Wort kommen lassen, die an Orten tätig sind, wo Kirche wächst.

Peter Kohlgraf (Mainz): Am Ende muss eine positive Botschaft stehen. Wir müssen uns vor schlichten Schuldzuweisungen hüten. 

Eberhard Tiefensee: In den „WegWorten“ fehlt der Blick auf die Verletzungen und die Schwierigkeiten, die den Synodalen Weg geprägt haben. Der Text ist zu oberflächlich-harmonisch geraten.

Katharina Abeln: „WegWorte“ dürfen keine  „Weg-Worte“ sein.

Stefan Zekorn (Münster): Menschen haben sich gemeldet, weil sie sich nicht repräsentiert fühlen. Auch diese gehören zu unserer Kirche. Vielleicht kann man im Text auch etwas über sie sagen.

Susanne Schuhmacher-Godemann: Das Stichwort „Geschlechtergerechtigkeit“ fehlt.

Marcus Schuck: Auf Menschenrechte und Menschenwürde aufmerksam zu machen, stünde uns gut zu Gesicht.

Schwester Katharina Kluitmann: Brauchen wir überhaupt „WegWorte“? Es muss kurz, hoffnungsvoll und ehrlich sein. Das Evangelium, das von der Kirche verdunkelt wurde, ist für uns die Klammer. Um der Menschen willen ist noch viel zu tun.

Konstantin Bischoff: Die Botschaft der  „WegWorte“ kann das Leid umfassen.

Karl-Heinz Wiesemann (Speyer): Botschaft muss sein, dass wir den Synodalen Weg für erfolgreich halten. Wenn wir selbst Zweifel säen, untergraben wir den Gesprächsprozess.

Sarah Henschke: Was ist unsere Botschaft, wer sind unsere Adressat*innen? Die Kirche darf sich nicht als „abgekapseltes Ding“, jenseits der Gesellschaft verstehen. Wir müssen unsere gute Botschaft in die Welt tragen.

Gabriele Klingenbeck: Der Text muss in einer verständlichen, klaren Sprache für alle Menschen verfasst sein.

Paulina Hauser: Die „WegWorte“ lassen eine diakonische Perspektive vermissen. Jede kirchliche Erneuerung setzt die Begegnung mit den Armen voraus, wie Papst Leo XIV. sagt.

Gudrun Lux: An wen richten sich die „WegWorte“? An die Synodalkonferenz oder an die Gesellschaft? Wir müssen den Eindruck vermeiden, dass wir uns nur mit uns selbst beschäftigen und etwas traurig sind. Wenn wir uns nicht als freudige Gemeinschaft im Auftrag des Herrn empfinden, können wir uns die ganze Textarbeit sparen.

Pater Simon Hacker: Wir sollten Zeugnis davon ablegen, dass wir ein anderes Modell von Synodalität praktizieren als das römische.

Jan Hilkenbach: Es braucht einen Beschluss zum Monitoring und zur Ergebnissicherung. Die Kirche muss sich mit ihrer frohen Botschaft als Partnerin für verschiedene Akteure in der Gesellschaft anbieten.

Volker Sehy: Wer sind die Adressatinnen und Adressaten? Vor allem die kirchlich Engagierten? Als Seelsorger wünsche ich mir auch Worte für Menschen, die auf der Suche sind und Weggemeinschaft mit Jesus halten wollen. Vielleicht hinken wir in Deutschland dem Heiligen Geist etwas hinterher.

Die für die „WegWorte“ zuständige Präsidums-AG nimmt die Beiträge mit in die weitere Beratung.

14.45

Nach der Mittagspausen teilt sich die Synodalversammlung für die „Conversatio in spiritu“ wieder in Diskussionsgruppen aus sechs bis acht Personen auf. Die Weltsynode hatte diese Methode des Austausches im Geist in den vergangenen Jahren erprobt. In Stuttgart sitzen die Teilnehmer allerdings nicht an runden Tischen, sondern an den langen Tischreihen der Konferenzsaals. Leitfragen der „Conversatio in spiritu“ sind „Was ist jetzt unsere Botschaft in die katholische Kirche?“ und „Was ist jetzt unsere Botschaft in die Gesellschaft?“.

Die Kleingruppen diskutieren mal lauter und mal leiser. Viele steigen mit einem gemeinsamen Gebet in den Austausch ein, immer wieder sind auch ein paar Lacher zu hören.

11.25

Nach der Vorstellung des Monitorings über die Beschlüsse der Synodalversammlungen geht es nun in die Aussprache der Synodalen. Für jede Wortmeldung sind zwei Minuten vorgesehen. Die Liste ist sofort sehr lang.

Schwester Katharina Ganz: 85 Prozent der Bistümer haben mitgemacht, bei der Weltsynode waren es 97 Prozent. Wenn viele Umsetzungen nicht umgesetzt wurden, weil es dafür die finanziellen und personellen Ressourcen nicht gab, ist das ein Hohn. Wenn dann nur ein Drittel der Bistümer die Beschlüsse umsetzen, zeigt das: Der politische Wille ist nicht vorhanden, die Beschlüsse umzusetzen. Wenn dann aus dem Vatikan keinerlei Rückantwort kommt, frustriert das weiter viele Gläubige. Ich bete seit Jahren: Festige das Band deiner Hirten mit den Gläubigen. 96 Prozent der Katholiken in Deutschland wünschen sich Reformen - nehmen Sie das bitte ernst, liebe Bischöfe!

Bernhard Emunds (Sozialethiker): Es fehlt die Nennung der Namen der Diözesen. So können wir nicht diskutieren. Wenn den Bistümern zugesichert wurde, dass die Bistümer nicht genannt wurden, kann man das nicht rückgängig machen - andernfalls sollte man das korrigieren. Wir sollten hier eine Aufforderung an die Bistümer und ihre Bischöfe beschließen, dass sie ihre eigenen Ergebnisse wenigstens ihren Gremien zur Verfügung stellen.

Astrid Franssen (Gleichstellungsbeauftragte Erzbistum Freiburg): Wo bleibt das Thema Geschlechtergerechtigkeit in der Synodalkonferenz? Die Frage braucht einen expliziten Platz nicht nur im ZdK, sondern auch in der Bischofskonferenz, der eine Gleichstellungsbeauftragte gut zu Gesicht steht, wie sie in staatlichen Einrichtungen längst Pflicht ist.

Christian Hermes (Stadtdekan Stuttgart): Ein Großteil der Katholiken fühlt sich “aktiv verärgert” über die Kirchenleitungen. Dass dieses Monitoring anonymisiert wird, kann nicht hingenommen werden. Wo sind wir denn? Grundordnung wurde lediglich durch den Druck der Arbeitsgerichte verändert. Und zum Thema Bischofsernennung: Dass nun Laiengremien beteiligt und das Erfolg verkauft wird - das war immer schon möglich. Ich zweifle an der Ernsthaftigkeit der Reformbereitschaft. Ich bin sehr enttäuscht darüber, wie wenig die Beschlüsse in den Diözesen umgesetzt werden. Die Hütte brennt!

Pater Simon Hacker (Dominikaner): Liebe Bischöfe und Generalvikare, wann und wie gedenken Sie, Ihre Hausaufgaben nachzuholen? Liebe Menschen im ZdK und die weiteren synodalen Gremien: Wie wird Druck aufrecht erhalten oder intensiviert? Es kann nicht angehen, dass nach sechs Jahren Synodalen Weg es heißt: Außer Spesen nichts gewesen.

Matthias Sellmann (Theologieprofessor in Bochum): Die verabschiedeten Texte wurden mit großen Mehrheiten verabschiedet. Diesen Schub muss man nutzen. Es braucht eine Zentrale, die die Ratifizierung von Beschlüssen anmahnen kann. Der Hebel dafür ist die Aufhebung der Anonymisierung.

Erzbischof Stefan Heße (Hamburg): Ich freue mich, dass die Diaspora so gut weggekommen ist. Deren Druck setzt in Bewegung, deren Not macht erfinderisch. Ich deute die Ergebnisse positiv - erst recht, wenn ich schaue, woher wir kommen. Zusammenarbeit in der Bischofskonferenz will uns nicht immer gelingen. Umso wichtiger ist die Stärkung der synodalen Arbeit - dafür kann die Synodalkonferenz die Struktur geben. Dazu gehört auch eine gute Hausaufgabenkontrolle. Wir sind auf einem gar nicht so schlechten Weg.

Birgit Aschmann (Professorin für Geschichte in Berlin): Ich stelle eine gewisse Hasenfüßigkeit fest. Was soll denn dabei herumkommen, erneut die Forschung zu Diakoninnen in Auftrag zu geben? Wir freuen uns über den Diakonat der Frau, aber natürlich wollen wir das Priestertum. Kann man nicht einfach auch mal nach Rom schreiben, dass man ein Ausbleiben einer Antwort als Zustimmung wertet?

Schwester Katharina Kluitmann (Münster): Briefe nicht zu beantworten - das ist Machtmissbrauch. Genauso wie Wünsche der Weltsynode in AGs zu schieben. Das sage ich Ihnen, lieber Herr Nuntius, sagen Sie es bitte dem Heiligen Vater weiter: Das geht so nicht, so gehen Menschen nicht miteinander um. Die knatschkatholischen Frauen bleiben weg, das sind keine “linksversiften Gremienkatholikinnen”! Wir haben keine Zeit mehr! Hier ist mit hohem Engagement überwiegend von Ehrenamtlichen gearbeitet worden - und mit hohen Kosten, zu Recht. Wir müssen zu Ergebnissen kommen und uns nicht mehr von Rombehindern lassen. Ich bin nicht mehr bereit, mich in Demut zu üben.

Margit Eckholt (Professorin in Osnabrück): Wir dürfen nicht die sakramentale Dimension der Kirche durch die Schaffung von ehrenamtlichen Laienämtern aushöhlen, das braucht auch seine Konsequenz mit Blick auf sakramentale Ämter für Frauen.

Sarah Henschke: Weiterhin müssen wir kämpfen. Wie kann es sein, dass ein Ortspfarrer weiter entscheiden kann, ob Laien predigen? Wir haben hier beschlossen, aber die Verantwortung wurde weitergeschoben. Ich sehe eine Notlage, ich sehe sie als Gemeindereferentin. Aber wenn mir in der Praxis die Hände gebunden werden, habe ich dafür kein Verständnis mehr. 

Konstantin Bischoff (Pastoralreferent München): Wir sind hier der Souverän des Umgangs mit dem, was wir beschlossen haben. Die synodale Haltung auf allen Ebenen müssen zugleich wirklich eingeübt werden. 

Mara Klein (Münster): Wir brauchen die Aufhebung der Anonymisierung. Wir brauchen Klartext. Das sollte ein Auftrag an die Bischofskonferenz und das ZdK sein. Es braucht mehr Konsequenz und einen klaren Auftrag auch in den Wegworten.

Finja Miriam Weber: Es ist erschreckend, dass es Bistümer gibt, die nicht teilgenommen haben. Denn die Bischöfe haben uns eingeladen und wir haben beschlossen, dass wir monitoren wollen. Das kann so nicht sein. Holen Sie das bitte nach. Und alle anderen Bistümer sollten ihre Ergebnisse öffentlich machen.

Michaela Labudda (Erzbistum Paderborn): Überall da, wo Bistümer ihre synodalen Gremien genutzt haben, sind sie weiter in der Umsetzung unserer Beschlüsse als jene Bistümer, in denen die Bischöfe allein entscheiden. 

Nadine Mersch (Erzbistum Paderborn): Bildet Banden! Manche Bistümer sind bei Taufbeauftragungen und Segensfeiern vorangegangen. Schließt euch zusammen, macht es gleichzeitig - geht mit der Praxis voran und wartet nicht darauf, dass sich die Lehre erst ändert. Es braucht diesen Mut, ein bisschen voranzugehen. Wir haben keine Zeit mehr.

Erzbischof Heiner Koch (Berlin): Ich nehme eine Spannung zwischen Bundesebene und Diözesen wahr. Es ist nicht immer nur so, dass Dinge nicht behandelt werden. Auch wir haben einen Diözesanpastoralrat, aber wir haben dort nochmals ganz andere Meinungen als hier. Dann diskutieren wir synodal, das geht kontrovers zu - nicht zuletzt von eher rechts ausgerichteten Meinungen. Dann kommt der Priesterrat dazu. Das kostet Kraft, Nerven und Anspannung. Es ist mitunter sehr schwierig, handlungsorientiert zu agieren. Das sind Mühen! Wir müssen auch zwischen diesen Diözesen und uns als Bundesebene synodal zugehen.

Thomas Sternberg (Münster): Kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit ist nur deshalb kein Thema des Synodalen Wegs geworden, weil die Bischöfe darum gebeten haben. Das Ganze ist kein Spiel verrückter Kirchenrechtler. Setzen Sie sie in Deutschland einfach um. Einfach tun! Und ich wünsche mir von dieser Synodalversammlung, dass es ihr nicht egal ist, was mit dieser Forderung geschieht.

Manche Delegierte wollen intensiver darüber sprechen, wie mit dem Monitoring konkret umzugehen ist. Es gibt Anträge auf Änderung der Geschäftsordnung, um die Tagesordnung entsprechend zu ändern. Die Abstimmung wird technisch vorbereitet, die Aussprache geht derweil weiter.

Pater Manfred Kollig (Generalvikar Erzbistum Berlin): Wenn wir Beschlüsse umsetzen wollen, müssen wir möglichst viel Energie darauf verwenden, die zu unterstützen, denen das ein Anliegen ist. Mitunter liegt es nicht nur am Willen zur Umsetzung, sondern auch am Können. Wir müssen Komplexität herunterbrechen, das ist nicht immer einfach.

Bischof Gerhard Feige (Magdeburg): Die große Ungleichheit zwischen den Bistümern wird ignoriert. Manche Äußerungen hier irritieren mich daher. Das Bistum Magdeburg ist flächenmäßig das viertgrößte Bistum, aber mit wenigen Katholiken. Wir haben nur 40 Personen im Ordinariat. Wenn eine Person ausfällt, gibt es keinen Ersatz. Wir tun alles, was wir können. Ich halte es für arrogant, was uns hier unterstellt wurde. Ich lade alle klugen Rednerinnen und Redner ein, in unser Bistum umzuziehen und zu unseren Gehältern tätig zu werden.

Lukas Färber: Als ich vor drei Jahren meinen Kirchenaustritt erklärt habe, habe ich viel Solidarität erfahren und viele haben sich mit Verständnis bei mir gemeldet. Sie sind geblieben und bleiben immer noch in der Hoffnung, dass sich etwas ändert und wenigstens die BEschlüsse umgesetzt werden. Dieses Monitoring nimmt vielen die Hoffnung. Ich habe Angst, dass diese Kirche weiter kleinschrumpft. Es muss jetzt spürbar etwas in den Lebenswelten der Menschen etwas sich verändern, damit man merkt: Es bewegt sich etwas zu einer gewalt- und diskriminierungsfreien Kirche. Es muss sich etwas tun, damit die Menschen merken: Dieser Weg hat sich gelohnt.

Damit endet die Aussprache - und auch dieser Vormittags-Ticker. Es gibt eine kurze Unterbrechung, um über den Antrag zur Änderung der Tagesordnung abzustimmen. Danach betet die Versammlung den “Engel des Herrn”, anschließend geht es in die Mittagspause.

 

11:05

Birgit Mock: Ergebnisse des (anonymisierten) Monitorings wurden den Synodalen zugeschickt. Sie sollen hier nicht mehr präsentiert werden. Hier soll es um eine “Draufsicht” auf alle Beschlüsse gehen, durch die Muster erkannt werden können.

1. Handlungsempefhlung: Umsetzungserfolge kommunizieren

Mock: In vielen Bistümern gab es wenig Informationen über den Synodalen Weg. Und doch ist vieles in die Gänge gekommen. Es ist wichtig, Dinge, die umgesetzt wurden, auch zukommunizieren. Beispiele: Neue Grundordnung (Arbeitsrecht), Segnungsfeiern …

2. Handlungsempfehlung: Gelingende Erfahrungen austauschen und Synergien nutzen

Mock: Wo Ausarbeitungen übertragbar sind, sollten sie anderen Diözesen zur Verfügung gestellt werden. Das gilt beispielsweise für Handlungsleitfäden zur Umsetzung der neuen Grundordnung und Überlegungen zur künftigen Ernennung neuer Bischöfe in den Bistümern. 

3. Handlungsempfehlung: Klärungen veröffentlichen / wahrnehmen

Mock: Die Frage etwa nach Änderung des Personenstandes (Geschlechtseintrag/Vornamen) wurden in eine Kanonisten-Organisation eingebracht. 

4. Handlungsempfehlung: Modellhaft arbeiten

Mock: Lokale Erfahrungen machen und diese dann skalieren. Beispiel: Gemeindeleitung.

5. Handlungsempfehlung: Mit knappen Personalressourcen und zeitlichen Kapazitäten umgehen

Mock: Das ist ein Thema, das dauerhaft bleiben wird. Keines der beteiligten Bistümer hat zudem bisher schon alle Beschlüsse umgesetzt. Auch die Kommunikation ist unzureichend. Mitunter ist der Reformschub, der von den Bischöfen in die Diözesen gebracht wurde, nicht von den Priester aufgegriffen worden. Wo Prioritäten gesetzt werden müssen, sollen sie mit den synodalen Gremien gesetzt werden.

6. Handlungsempfehlung: Erfahrungen der Diasporagebiete aufgegreifen

Mock: Angesichts erschwerter Rahmenbedingungen können die Diaspora-Erfahrungen für alle wertvoll sein - etwa die selbstverständliche Beteiligung aller Gläubigen und eine sehr hohe Akzeptanz von Wort-Gottes-Feiern.

7. Handlungsempfehlung: Kooperationen nutzen

Mock: Etwa in der Familienpastoral, Bildungsarbeit, Universitäten …

8. Handlungsempfehlungen: MIt unterschiedlichen Haltungen und inhaltlichen Differenzen umgehen

Mock: Wo sind wir nicht nur thematisch unterschiedlicher Meinung, sondern haben unterschiedliche Haltungen? Es lohnt sich, das zu analysieren, sichtbar zu machen und einen Weg zu finden, damit umzugehen. Es braucht Strategien, damit umzugehen - auch mit unterschiedlichen Verständnissen kirchlicher Entwicklung.

9. Handlungsempfehlungen. Synergien mit weltkirchlichen Synodalprozessen aufgreifen

Mock: Umgang Prävention und Intervention in die Priesterausbildung einbringen. Teile des Synodalen Wegs wurden in die Weltsynode eingebracht.

10. Mit nicht vorhandenen Reaktionen aus dem Vatikan umgehen

Mock: Wie gehen wir damit um? Wo lohnt sich eine Auseinandersetzung in der Bischofskonferenz, wo gibt es andere sinnvolle Orte dafür?

11. Offene Posten bearbeiten

Mock: Es fehlen noch Musterordnung für Bischofsbestellung / Teilkirchliche Regelungen für die Zölibatsfrage bei Priestern / Änderung Katechismus in Bezug auf Homosexualität / Schuldbekenntnis der Kirche und liturgische Arbeitshilfe (zum Thema Homosexualität) / Homosexualität kein Weihehindernis / Klärung Grundordnung und Ehrenamt (etwa Kirchenaustritt / Revision des Nihil Obstat an den Universitäten / Regelung für dispensierte Priester / Partikaularnorm für Laienpredigt / Sozialwissenschaftliche Untersuchung / Forschungen zum Frauendiakonat in Auftrag geben / Verbleibende offene Punkte umsetzen.

12. Handlungsempfehlung: Mit Spannungen umgehen

Mock: Etwa bei der Beauftragung außerordentlicher Taufspender:innen und Trauungsassistenz oder des Diakonats der Frauen. Dazu gibt es keine Rückmeldungen des Heiligen Vaters. Wie gehen wir damit um, wenn partizipativ getreffene Beschlüsse von der Hierarchie nicht umgesetzt werden? Wie viel Zeit nehmen wir uns für Beratung, wann ist eine Beratung reif für einen Beschluss?

Der zweite Tag der Synodalversammlung in Stuttgart beginnt bei stahlblauem, sonnigem Himmel. Der Einstieg in den Tag war gleichwohl schwer: Der Bericht über den Stand der Missbrauchs-Aufarbeitung und Aufarbeitung eröffnete den Tag. Dabei sprachen Aachens Bischof Helmut Dieser als Missbrauchs-Beauftragter der Bischofskonferenz und Johannes Norpoth vom Betroffenenbeirat.

Im zweiten Teil soll erörtert werden, was aus den vielen Beschlüssen geworden ist, die in den vorangegangenen Synodalversammlungen von 2020 bis 2023 erarbeitet wurden. Der Würzburger Bischof Franz Jung und Birgit Mock führen ins Thema ein. Damit beginnt unser Vormittags-Ticker.

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