FEIERLICHKEITEN

Tag der Deutschen Einheit: Kirchen rufen zum Schutz der Menschenwürde auf

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Zum ökumenischen Gottesdienst kam viel politische Prominenz nach Bremen. Unter anderem sprach dort Osnabrücks Bischof Dominicus Meier.

Von KNA

Führende christliche Geistliche haben am Tag der Deutschen Einheit zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und zum Schutz der Menschenwürde aufgerufen. Der Präsident der Bremischen Evangelischen Kirche, Bernd Kuschnerus, und der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier warnten bei einem ökumenischen Festgottesdienst im Bremer Sankt-Petri-Dom davor, Schwächere auszugrenzen und gesellschaftliche Gegensätze zu verschärfen.

Meier sagte laut Predigtmanuskript, viele Menschen fühlten sich angesichts gesellschaftlicher Veränderungen müde, überfordert oder hätten Angst, zu den Verlierern zu gehören. Dass Menschen wieder zu Stärke fänden, dürfe jedoch nicht dem Zufall überlassen bleiben. Es sei falsch, daraus die Botschaft abzuleiten, jeder sei allein seines Glückes Schmied. Eine Gesellschaft, in der nur das Recht des Stärkeren zähle, widerspreche dem christlichen Menschenbild. In Bremen findet in diesem Jahr der zentrale Festakt zum Tag der Deutschen Einheit statt.

Stadtmusikanten als Vorbild

Der Bischof verwies auf den ersten Artikel des Grundgesetzes und die dort festgeschriebene Unantastbarkeit der Menschenwürde. Das Evangelium stelle den Menschen mit seiner Einmaligkeit und seinen Gaben in den Mittelpunkt und schütze damit vor Ausgrenzung, Fremdenhass und Antisemitismus. Einheit und Zusammenhalt könnten nur gelingen, wenn Menschen sich gegen Spaltung und Polarisierung stellten, so Meier.

Kuschnerus griff in seiner Predigt das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten auf. Esel, Hund, Katze und Hahn würden zunächst als zu schwach angesehen, entwickelten aber gerade durch ihr Zusammenwirken neue Stärke. Auch für die Gesellschaft gelte: „Allein kommt niemand von uns weiter.“ Menschen seien aufeinander angewiesen und müssten bereit sein, einander zu tragen und auch zu ertragen.

Anderen etwas zutrauen

Nächstenliebe bedeute darüber hinaus, die Fähigkeiten anderer wahrzunehmen und ihnen etwas zuzutrauen, so der Kirchenpräsident laut Manuskript. Besonders wichtig sei das für Menschen, die als schwach wahrgenommen oder gesellschaftlich ausgegrenzt würden. „Wahre Stärke gibt es, wo wir einander brauchen und uns gegenseitig etwas zutrauen“, sagte Kuschnerus. In anstrengenden Zeiten dürfe sich die Gesellschaft die Zuversicht nicht nehmen lassen.

Der Gottesdienst stand unter dem Leitmotiv „Viele Stärken – ein Land“. Thematisiert wurden unter anderem Wohnungslosigkeit und die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Seeleuten. Vertreter verschiedener christlicher Kirchen gestalteten die Feier mit. In den Fürbitten wurde unter anderem für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt, Menschen in Armut oder Einsamkeit sowie für Menschen aus anderen Ländern gebetet.

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