Zeichen des Zusammenhalts in turbulenter Zeit

Taizé-Treffen in Madrid beendet

Überfüllte Metros, Kakao und Tee im Sonnenschein und Tausende junge Menschen, die mit einem Taizé-Beutel durch die Straßen von Madrid ziehen: Nach vier Tagen ist das Europäische Taizé-Treffen in Spanien am Montagabend zu Ende gegangen. Es war ein Fest der Gemeinschaft und des Glaubens, das über Grenzen hinweg Menschen verband – in einer Zeit, in der das Wort Grenze einen hohen Symbolgehalt hat und Länder verstärkt dazu tendieren, sich abzuschotten.

Der Leitgedanke der Gastfreundschaft passte zum Zeitgeschehen. „Wir sind keine soziale oder politische Bewegung, sondern eine religiöse, die junge Menschen zusammenbringt“, betonte Frere Alois, Leiter der ökumenischen Taizé-Gemeinschaft. Die Begegnung junger Menschen sehe er als Hoffnung für die Zukunft Europas – das scheinbar auseinanderfalle. Die Jugendlichen setzten ein Zeichen dagegen: Sie kamen über politische, kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg zusammen und stellten dabei existenzielle Fragen über Gott und den Glauben.

Zeichen der Einheit Europas

Der europäische Zusammenhalt war auch dem Erzbischof von Madrid, Kardinal Carlos Osoro, ein wichtiges Anliegen des Treffens. „Europa braucht junge Menschen, die ihr Leben für Christus einsetzen und gegen das, was uns trennt“, sagte er zu den Teilnehmern. Dabei stand in Madrid eigentlich nicht Politik, sondern der Glaube im Vordergrund. Zu welcher anderen Gelegenheit kommen Tausende Jugendliche zusammen, um dreimal am Tag zu beten? Die Anziehungskraft gründet immer wieder in der besonderen Atmosphäre von Taizé.

„Einheit und Offenheit, das sind abstrakte Begriffe“, so die Einschätzung von Frere Richard. Gastfreundschaft, wie sie bei dem Treffen gelebt werde, sei konkreter: miteinander kochen, essen, das Haus öffnen. Das führe die Menschen zusammen.

Höhepunkte waren die Abendgebete

Die Gebete strukturierten den Tag der Teilnehmer. Höhepunkt war dabei das Abendgebet mit Frere Alois. Dann wurde es in der großen Messehalle ganz ruhig. Die Taizè-Lieder erfüllten den Raum, begleitet von ein paar Musikern. Gegen Ende eine Zeit der Stille, in der jeder ein persönliches Anliegen vor Gott bringen oder einfach den Moment genießen konnte.

Drumherum gab es ein vielfältiges Programm: In verschiedenen Workshops diskutierten die Teilnehmer über religiöse und gesellschaftliche Themen - etwa Menschenhandel, Geld, Klimawandel, Spiritualität, Vertrauen oder Wissenschaft. Dazwischen trafen sich die Jugendlichen in kleinen Gruppen oder nutzten die freie Zeit, um durch die Stadt zu streifen. Und fast immer war ein Taizé-Bruder für Fragen oder ein kurzes Gespräch in Reichweite.

1.000 Freiwillige halfen

Das Treffen ist ein Gemeinschaftswerk: Etwa 1.000 Freiwillige organisierten und koordinierten die Mahlzeiten und Veranstaltungen – eine logistische Herausforderung. Rund 7,5 Tonnen Brot und 120.000 Mandarinen und Orangen wurden an die Teilnehmer verteilt.

Am Montagabend ging das Treffen mit einem „Fest der Nationen“ in den Gastgemeinden zu Ende – ein internationales Fest, das ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vermitteln wollte. Das nächsten Treffen wird im polnischen Wroclaw (Breslau) stattfinden.