Am Samstag pilgern 10.000 Gläubige zur Gottesmutter

Tamilen beten in Kevelaer um Gleichberechtigung

„Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“, sagt Pfarrer Albert Koolen. „Am 12. August werden 10.000 Tamilen nach Kevelaer pilgern, in diesem Jahr zum 30. Mal.“ Der Geistliche begleitet als Seelsorger die Tamilenwallfahrt – die größte Einzelwallfahrt in der Marienstadt.

Mit ihren farbenprächtigen Gewändern prägen die Frauen und Männer das Stadtbild in Kevelaer. Die meisten Pilger stammen aus Deutschland. Darüber hinaus kommen Tamilen aus den Benelux-Ländern, Frankreich, Großbritannien und Skandinavien. Höhepunkt der Wallfahrt ist der Gottesdienst im Pax-Christi-Forum, den der 2015 von Papst Franziskus ernannte Bischof Justin Bernard Gnanapragasam zelebrieren wird. Gnanapragasam ist Bischof der Diözese Jaffna.

Zehn Prozent der Tamilien sind katholisch

Das im Norden der Insel liegende Jaffna ist mit knapp 79.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Staates. Jaffna ist fast ausschließlich von Tamilen besiedelt. Die von 1983 bis 2009 andauernden Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den Rebellen der „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ (LTTE) haben die Stadt sehr in Mitleidenschaft gezogen.

„Aus diesem Bistum stammen die meisten katholischen Tamilen“, sagt Koolen. „Der Bischof vertritt auch die in Europa lebenden katholischen Tamilen.“ Die meisten Tamilen sind Hindus, lediglich acht bis zehn Prozent sind Katholiken. „Auf Sri Lanka hat der Glaube ein lange Tradition“, sagt der Geistliche. „In Madhu, einem Wallfahrtsort im Norden Sri Lankas, wird seit 400 Jahren am Hochfest Maria Himmelfahrt (15. August) eine Marienstatue verehrt“, erläutert Koolen.

Auch Hindus verehren Maria

Zu diesem Wallfahrtsort pilgern nicht nur Katholiken. Auch Christen anderer Konfessionen, Hindus und Buddhisten sind unter den Wallfahrern. „Gerade die Hindus verehren die Mutterfigur Maria“, sagt der Geistliche.

Stand bis zum Friedensschluss die Not und die Verfolgung, hervorgerufen durch den Bürgerkrieg zwischen den Singhalesen und Tamilen, im Zentrum der Fürbitten, geht es heute um die Gleichberechtigung zwischen den Volksgruppen. „Der Friedensschluss hat nicht automatisch zur Gleichberechtigung geführt“, sagt Koolen.

„Was ist aus meiner Kultur bewahrenswert?“

Berichte von Menschenrechtsorganisationen über die Lage des Landes beschreiben die Situation als wenig hoffnungsvoll. Der Präsidentenwechsel, von dem sich gerade die Tamilen Hoffnungen gemacht hätten, zeige, dass keine wesentlichen Änderungen zu erwarten seien, schreibt Rathes Sachchithananthan in dem Report „Withering Hopes“.

Für junge katholische Tamilen steht die Frage nach der eigenen Identifikation im Zentrum. „Wie lebe ich meinen Glauben in einem Umfeld, das kaum noch christlich ist? Und: Was ist aus meiner eigenen Kultur noch bewahrenswert? Das sind Fragen, die Tamilen heute sehr beschäftigen“, sagt Albert Koolen.