Fotos: Die größte Einzelwallfahrt in die Marienstadt

Tamilen pilgern nach Kevelaer: Tanz, bunte Saris und inniger Glaube

Für Kiuria ist Tanz ein intensives Gebet. Gerade hat die 20-jährige Tamilin aus Bremen im Pax-Christi-Forum mit vier weiteren Tänzerinnen den Gottesdienst der großen Tamilen-Wallfahrt nach Kevelaer mit einem Tanz aus Sri Lanka, der Heimat der Tamilen, eröffnet.

Die jungen Frauen tanzen mit viel Leidenschaft und Ausdruck. „Wir beten auf diese Weise zu Gott“, sagt Kiuria. „Er ist für uns der Größte, der Schöpfer und der Tröster, wenn es uns nicht gut geht.“ Die Tänzerinnen haben durchaus unterschiedliche Anliegen. „Für die einen ist es zum Beispiel eine Prüfung an der Uni, für mich ist es das Gelingen meiner Ehe“, sagt Amali, die in wenigen Tagen heiraten wird.

Gebet um Gleichberechtigung

Amali, Kiuria, Vivien, Saumika und Maria leben in christlichen tamilischen Familien. „Wir sind von klein auf in dem Glauben erzogen geworden“, meint Amali. „Als erwachsener Mensch muss man sich neu entscheiden. Wir haben uns entschieden.“

Wie Thilakshan aus Frankfurt, der im Pax-Christi-Forum die Messe dient. Der 25-Jährige lebt seit mehr als 15 Jahren in Deutschland. Für ihn ist die Wallfahrt der Tamilen nach Kevelaer ein Fest des Glaubens – und der Gemeinschaft. In Deutschland leben rund 60.000 Tamilen, überwiegend Hindus, rund 3.000 sind katholisch. „Gerade für die älteren Tamilen ist die Wallfahrt auch Trost“, sagt er. Zwar sei der Bürgerkrieg beendet, aber heute pilgerten die Tamilen nach Kevelaer, um für Gleichberechtigung zu beten. In Sri Lanka seien sie immer noch Bürger zweiter Klasse.

Anschläge an Ostern

An der Kerzenkapelle steht Robin Wilson, einer der Initiatoren der Wallfahrt. „Vor 32 Jahren kamen 50 Tamilen“, sagt er. Daraus ist mit zeitweise mehr als 10.000 Menschen die größte Einzelwallfahrt nach Kevelaer geworden – diesmal sind 8.000 Menschen dabei. Wilson sagt, man müsse für Frieden beten – und erinnert an die Anschläge während der Ostermesse 2019 in Sri Lanka.

Wilson weiß, dass die Situation der Tamilen in der Diaspora schwierig ist. Ein Pfarrer ist für 32 Gemeinden in Deutschland zuständig. Getrennt von ihrer Heimat versuchten die Eltern, Traditionen an die nächste Generation weitergeben.

Sorgen in den Familien

Dabei kämpfen die Jüngeren nicht nur mit dem Glauben. Albert Koolen, Tamilenseelsorger aus Krefeld, erinnert in einem Grußwort in der Messe daran, dass die Jugend auch mit den Traditionen zu ringen habe und nach einem eigenen Selbstverständnis suche.

Die Sorgen der Familien greift Bischof Justin Gnanapragasam aus der Diözese Jaffna auf. Er hält den Tamilen die Heilige Familie vor Augen. Sie habe viele Probleme wie Flucht und Vertreibung erleben müssen. Doch der unerschütterliche Glaube habe sie über alle Krisen triumphieren lassen.

Exotisches Flair

Aber die Sorgen stehen am Wallfahrtstag nicht im Mittelpunkt. In Gruppen, zu zweit oder allein bummeln die Tamilen umher, stehen in Schlangen vor der Gnadenkapelle und halten Kerzen in den Händen. Vor allem die Frauen prägen mit ihren farbenprächtigen Saris den Kapellenplatz. Es ist nicht nur ein Glaubensfest, es ist auch ein Happening, auf dem auch „die Heiratschancen getestet werden“, wie eine Frau am Kerzenstand schmunzelnd sagt.

Auch Elisabeth und Heinz Schmitz aus Kevelaer genießen das exotische Flair. Sie sind schon lange bei der Tamilenwallfahrt dabei und unterstützen sie, indem sie helfen, Kerzen zu verkaufen. Die bunte Kleidung und die Disziplin beim Anstehen beeindrucken beide – und vor allem die Marienfrömmigkeit: Nach der Messe strömen die Tamilen zur Gottesmutter, einer Nachbildung des Heiligtums von Mahdu. Sie tragen der Mutter Jesu ihre Sorgen vor, als wäre sie ihre Mutter.